»Nicht ganz koscher«

Zwei in der Wüste

Fritjof Hohagen, Produzent von »Nicht ganz Koscher – eine göttliche Komödie« (Archiv) Foto: picture alliance/dpa

Bei der zehnten Verleihung des Fritz-Gerlich-Preis hat zum ersten Mal eine Komödie gewonnen: »Nicht ganz koscher«. Kardinal Reinhard Marx überreichte die Auszeichnung am Mittwochabend beim Münchner Filmfest an die beiden deutschen Filmemacher Stefan Sarazin und Peter Keller. Sie ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde von der katholischen Produktionsfirma Tellux gestiftet. Gewürdigt werden Filme, die sich für mehr Menschlichkeit und gegen Diktatur, Intoleranz und Verfolgung aussprechen.

Der Namensgeber war ein katholischer Publizist, der mit seiner Wochenzeitung »Der gerade Weg« die Nationalsozialisten zu Beginn der 1930er Jahre im Vertrauen auf die Kraft des Wortes aufhalten wollte. Dafür musste Fritz Gerlich mit seinem Leben bezahlen. Im Sommer 1934 ließ ihn Adolf Hitler im Konzentrationslager Dachau ermorden.

Wie schon im Preisträgerfilm 2015 (»Den Menschen so fern«) geht es in »Nicht ganz koscher« wieder um zwei Männer in der Wüste, die als sehr unterschiedliches Gespann unterwegs sind.

Der junge ultraorthodoxe Jude Ben aus New York will der winzigen jüdischen Gemeinde im ägyptischen Alexandria helfen. Diese benötigt für das Pessachfest einen zehnten Mann, sonst fällt ihr Besitz an den ägyptischen Staat. Mitten in der Wüste Sinai muss Ben allerdings auf Druck anderer Reisender aus dem Bus aussteigen und wird seinem Schicksal überlassen. Da liest ihn der Beduine Adel auf, der gerade nach seinem Kamel sucht.

Fehlende Lebenspraxis und schroffen Pragmatismus nutzt der Film zum komischen Kontrast, bis allmählich ein Verständnis zwischen den so unterschiedlich geprägten Charakteren entsteht.

Die Jury zeigte sich vor allem von der Freundschaftsgeschichte berührt, die Gegensätze und Unterschiede überwinde. »Der durch die gemeinsame Reise möglich gewordene Durchbruch zu tiefster Humanität und Großherzigkeit« mache den Film zu einem würdigen Fritz-Gerlich-Preisträger.

Lob fand die Jury auch für die Balance zwischen Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit sowie für den Umgang von Film und Protagonisten mit religiösen Überzeugungen und Praktiken: »Auch wenn sie als fremd, sogar befremdlich erlebt werden - die Grundhaltung ist Respekt.«

Sarazin und Keller hatten den Stoff für den Film schon zwischen 2002 und 2007 während mehrerer Reisen in die Wüste Sinai und den Nahen Osten entwickelt. 2011 gewann das Skript zu dem Film, der damals noch »No Name Restaurant« heißen sollte, bereits den Deutschen Drehbuchpreis.

Der ursprüngliche Titel spielt auf den unterschiedlichen Umgang der monotheistischen Religionen mit dem oder den Namen für Gott an. Im Film stürzen die beiden Hauptfiguren irgendwann ausgerechnet in ein Wasserloch, wo sie für längere Zeit festsitzen. Sie beginnen zu beten, jeder auf seine Art. Während der Muslim Adel die 99 Namen für Allah, die im Islam in Gebrauch sind, aufzählt, nutzt Ben als orthodoxer Jude nur einen Begriff für Gott: »Hashem«. In Szenen wie dieser wächst die Nähe zwischen den Figuren, werden sie mit dem Glauben des anderen vertraut.

Dabei kommt es dem Film auch auf menschliche Reifeprozesse an. Ben hat bisher abgeschieden von der großen, weiten Welt nur in seiner Gemeinde gelebt und allenfalls still gegen die Erwartungen seiner Familie aufbegehrt. Seine Mission in Ägypten verdankt sich zunächst seinem Wunsch, nicht mit einer unbekannten Israelin verheiratet zu werden. Während der Reise begreift er erst allmählich, dass die Wüste eigene Gesetze hat und etwa Wasser dort eher zum Trinken als zu rituellen Waschungen benötigt wird.

Aber auch Adel geben die Regisseure im Verlauf des gemeinsamen Unterwegsseins mit Ben mehr Konturen. Am Ende geht sein Einsatz für den fremden Begleiter weit über das Beduinengesetz der Gastfreundschaft hinaus. Vielleicht märchenhaft, aber nichtsdestotrotz folgerichtig, drängt alles in »Nicht ganz koscher« zu einer wahrhaft gelebten Geste des religions- und kulturübergreifenden Miteinanders. kna

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Orlando (Florida)

Harrison Ford wird erneut zu Indiana Jones

Diesmal wird der jüdische Darsteller kein Abenteuer auf der Leinwand erleben. Aber worum geht es dann?

 21.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Yotam Ottolenghi (l.) und Anthony Bourdain

Kulinarisches

Als Yotam Ottolenghi mit Anthony Bourdain einmal in der Wüste landete

Der israelisch-britische Koch erinnert sich zum Filmstart von »Tony« an seine Begegnung mit seinem berühmten amerikanischen Kollegen

von Katrin Richter  21.08.2026

London

Boy George nimmt Pro-Israel-Song mit großer Band neu auf

Mit diesem Schritt erhofft sich der britische Popsänger eine größere Verbreitung von »We Will Dance Again«. Auf den Hass von Israelfeinden reagiert er ebenfalls mit einem neuen Lied

von Imanuel Marcus  21.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026

Vorschau

Widderhorn im Dom und ein Hauch von »Yiddish Summer« - Festival »Shalom-Musik.Koeln«

Begegnungen, Neugier und Zuhören fördern - das wollen die Macher des Festivals »Shalom-Musik.Koeln«. Und reichlich Musik und Gesang auf die Bühne bringen. Der Verein hinter dem Festival bekommt dafür jetzt einen Preis

von Leticia Witte  20.08.2026

Kunst

Von Guggenheim bis Geffen

Wie jüdische Mäzene im 20. Jahrhundert der Moderne zum Durchbruch verhalfen

von Jana Talke  20.08.2026

Kulturkolumne

Some like it cold

Warum Disneys Eiskönigin nicht nur gegen Hitze hilft

von Sophie Albers Ben Chamo  20.08.2026