Kino

»Zu unserer Arbeit zurückkehren«

Nadav Lapid Foto: Flash 90

Kino

»Zu unserer Arbeit zurückkehren«

Berlinale-Juror Nadav Lapid über Filmsichtung zu Hause und Kino-Erlebnisse ohne Kino

von Ayala Goldmann  11.03.2021 12:08 Uhr

Herr Lapid, Sie haben als Juror an der 71. Berlinale teilgenommen – von Israel aus. Bei der Bekanntgabe der Bären-Gewinner saßen Sie mit heruntergelassenen Jalousien in einem abgedunkelten Zimmer. Was war das für ein Gefühl?
An der Berlinale teilzuhaben, war für mich sehr interessant. Ich war neugierig und habe mich sehr gefreut, die Filme für mich zu entdecken. Die Leiter der Berlinale sind künstlerisch sehr versiert, sie haben eine wunderbare Auswahl für den Wettbewerb getroffen. Aber es war eine enttäuschende Erfahrung für mich, nicht selbst dort zu sein. Schon von vorneherein war klar, dass es für die Jury wegen Corona sehr einschränkende Umstände geben würde. Dass es nicht möglich war, die Filme in einem großen Saal zu sehen, war – wie gesagt – enttäuschend und eine etwas absurde Erfahrung.

War es für Sie noch schwieriger als für andere Juroren, die wenigstens vor Ort waren – Ihre Ausreisegenehmigung aus Israel kam sehr kurzfristig?
Um einen Kinofilm zu sehen, muss man in einem Kinosaal sitzen. Die Filme, die ich mache, zeigen – so denke ich – deutlich: Ich bin der letzte Mensch, der glaubt, dass man Filme alleine vor dem Computer im Zimmer oder auf irgendeiner anderen Leinwand anschauen sollte, die nicht in einem Kino steht. Natürlich habe ich mir die Berlinale-Wettbewerbsfilme sehr genau angesehen, sie geprüft und analysiert und über sie nachgedacht, um sie bewerten zu können, aber es ist mir klar, dass sie unter filmwürdigen Bedingungen anders wirken.

In der vergangenen Woche konnten Fachbesucher und Journalisten einen Teil der Berlinale-Filme sehen, im Juni wird eine Auswahl, die im April feststehen soll, auch dem Publikum gezeigt. Hoffen Sie, in drei Monaten nach Berlin reisen zu können?
Ich denke schon. Die Tatsache, dass ich dieses Mal nicht rechtzeitig nach Berlin kommen konnte, hing mit einer bürokratischen Verzögerung der israelischen Regierung zusammen. Ich gehe davon aus, im Juni nach Berlin kommen zu können.

Ihr nächster Film heißt »Ahed’s Knee«. Wollen Sie darüber etwas erzählen?
Es ist eine französisch-deutsche Koproduktion. Ich hoffe, dass dieses Kinojahr bald beginnt, dass die Kinos weltweit bald öffnen können und dass der Film in nächster Zeit international anläuft.

Können Sie schon etwas über die Handlung sagen? Es heißt, der Film sei in Israel in der Arava-Wüste gedreht …
Nein, ich möchte jetzt noch nichts verraten.

Wann waren Sie selbst das letzte Mal im Kino?
Ich persönlich hatte Glück, ich war Juror beim Filmfestival in Venedig, das war im September 2020. Und ich habe meinen eigenen Film in einer Probevorführung in einem Kino in Paris gesehen. Aber das ist nicht dasselbe. Und dass Israelis, die nicht das Glück hatten, Juroren in Venedig zu sein, schon ein Jahr nicht im Kino waren – das ist absolut kein Zustand.

Wann öffnen die Kinos in Israel?
Die Cinemathek hat jetzt schon geöffnet – nach einem Jahr Schließung. Ich hoffe, dass die anderen Kinos bald folgen werden.

Was ist derzeit Ihr größter Wunsch?
Ich wünsche mir, dass wir zu unserer Arbeit zurückkehren – und endlich wieder Filme sehen können.

Mit dem Regisseur und Berlinale-Gewinner (2019) sprach Ayala Goldmann.

»Imanuels Interpreten« (22)

Herbie Mann: Der Klangsetzer

Herbie Manns Motto: »Wenn du die Musik von jemandem spielen willst, gehe zu ihm nach Hause.« Er setzte dies um, hatte dann aber die Jazz-Polizei am Hals

von Imanuel Marcus  19.06.2026

Kommentar

Nimm die Wahrheit an, von wem auch immer sie gesagt wurde

Bisweilen wirkt die Debatte um KI-generierte Texte absurd. Denn die Qualität eines Arguments sollte entscheidender sein als sein Urheber

von Leeor Engländer  18.06.2026

Literatur

Prophet im eigenen Land

Ein neuer Band mit bisher unveröffentlichten Texten von Amos Oz zeigt den israelischen Schriftsteller als reflektierten Staatsbürger und überzeugten Zionisten

von Marko Martin  18.06.2026

Essen

»Schakschuka ist der Favorit«

Der deutsch-israelische Koch Tom Franz hat ein Buch über das Frühstück geschrieben. Hier spricht er über geflochtenen Lachs, clevere Vorräte und die Frage, warum er die erste Mahlzeit des Tages auslässt

von Katrin Richter  18.06.2026

Ausstellung

Androgyn, zeitlos, modern

Das Georg Kolbe Museum in Berlin widmet sich der britischen Ausnahmekünstlerin Marlow Moss – erstmals in Deutschland

von Alicia Rust  18.06.2026

Streaming

Bringt Gali nach Hause!

Eine junge Israelin wird in Moskau verhaftet. Die Serie »Unconditional« erzählt vom Kampf einer Mutter gegen die Justiz

von Chris Schinke  18.06.2026

Köln/Hamburg/Leipzig

Mit diesen prominenten Weggefährten feiert Wolf Biermann seinen 90. Geburtstag

Der legendäre Liedermacher wird am 15. November 90 Jahre alt

 18.06.2026

Programm

Israel Day, Goldene Zwanziger und ein Kult-Hai: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 18. Juni bis zum 25. Juni

 17.06.2026

TV-Tipp

Das Leben arabischer Transpersonen in Israel

Eine Arte-Dokumentation porträtiert Transpersonen aus Gaza, die im Exil in Tel Aviv den Traum ihrer sexuellen Selbstbestimmung zu verwirklichen versuchen

von Manfred Riepe  17.06.2026