Kulturausschuss des Bundestags

Zentralrat fordert Konsequenzen für documenta

»Der Skandal um die documenta15 war besonders perfide«: Daniel Botmann bei einer Anhörung im Kulturausschuss (Archiv, Juli 2022) Foto: Screenshot / Bundestag Mediathek

Nach den Diskussionen um die documenta fifteen mit zahlreichen antisemitischen Kunstwerken hat der Zentralrat der Juden in Deutschland erneut Konsequenzen gefordert.

»Sich in Reden gegen Antisemitismus auszusprechen, ist gut und wichtig, aber hieraus müssen auch Handlungen erwachsen«, sagte der Geschäftsführer des Zentralrats, Daniel Botmann, am Mittwoch in Berlin im Kulturausschuss des Bundestages. Dies müsse auf der Haltung fußen, »dass man Antisemitismus in keinem Umfang und in keiner Ausprägung dulden wird«.

»Sich in Reden gegen Antisemitismus auszusprechen, ist gut und wichtig, aber hieraus müssen auch Handlungen erwachsen.«

Daniel Botmann

Bei der documenta sei Verantwortungslosigkeit zum Konzept gemacht worden. Das müsse sich ändern. »Es geht nicht darum, Symptome zu behandeln, ein Bild abzuhängen oder nachträglich kontextualisierende Texte zu ergänzen. Sondern wir müssen an die Wurzel des Problems ran«, sagte Botmann. Der Ausschluss von Antisemitismus und die
Wahrung der Kunstfreiheit seien keine Gegensätze.

FÖRDERUNG Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) betonte, Antisemitismus und Rassismus dürften keinen Platz haben bei Kunstausstellungen. Staatliche Förderung von Kunst verbinde sich mit Verantwortung, diese sei in Kassel nicht wahrgenommen worden. Der Bund sei bereit, bei der documenta, neben der Biennale in Venedig die wichtigste Ausstellung für Gegenwartskunst, wieder mehr Verantwortung zu übernehmen.

Bei der Zusammensetzung von Diskussionsrunden über Antisemitismus ist es nicht um die Perspektiven von Betroffenen gegangen, betont der Zentralrat.

Roth betonte den hohen Wert von Kunst. Gleichzeitig müsse gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit vorgegangen werden. Sie verwies darauf, dass staatliches Wollen und Dürfen nicht immer identisch seien.

Nicole Deitelhoff, Vorsitzende des Gremiums zur fachwissenschaftlichen Begleitung der documenta, sagte, die documenta sei auf das kuratorische Konzept nicht vorbereitet gewesen. Sie forderte, die Geschäftsführung zu stärken und Konfliktregeln festzuhalten. Der Bund solle wieder eingebunden werden in die Verantwortung.

Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass auch künftig nicht auszuschließen sei, dass einzelne Kunstwerke mit antisemitischen Inhalten entdeckt würden. Eine Systematik dürfe sich allerdings nicht wiederholen.

STRAFBARKEIT »Man kann und muss das in Zukunft verhindern«, forderte Daniel Botmann in der anschließenden Diskussion. Die Frage eines Vorgehens gegen antisemitische Kunstwerke dürfe auch nicht auf die Frage reduziert werden, ob deren Inhalt strafbar sei. Auch viele antisemitische Vorfälle in Deutschland lägen unterhalb der Strafbarkeitsgrenze - dies gelte ebenso im Bereich des Rechtsextremismus.

Man kann und muss so ein Debakel wie auf der documenta verhindern, betont Botmann.

Zuvor hatte Kirsten Haß, Verwaltungsdirektorin der Kulturstiftung des Bundes betont, kein strittiges Kunstwerk der documenta fifteen werde als strafrechtlich relevant eingestuft. Die Debatte über Antisemitismus müsse auf breiter gesellschaftlicher Grundlage geführt werden; die Frage von Zuwendungen sei davon nicht berührt, so Haß.

Im Verlauf der Sitzung des Kulturausschusses kritisierte der Zentralratsgeschäftsführer ferner, es habe bei der documenta fifteen kaum Diskursräume gegeben, »und die, die geschaffen wurden, waren außerordentlich problematisch«.

Bei der Zusammensetzung von Diskussionsrunden über Antisemitismus sei es nicht um die Perspektiven von Betroffenen gegangen, und die Jüdische Gemeinde Kassel sei ausgeschlossen worden, so Daniel Botmann. dpa/ja

Berlinale

Eine respektvolle Berlinale scheint möglich

Die 76. Berlinale hat mit Glamour, großen Gefühlen und einem wunderbaren Eröffnungsfilm begonnen. Respekt wurde großgeschrieben am ersten Tag. Nur auf der Pressekonferenz der Jury versuchte Journalist Tilo Jung vergeblich zu polarisieren

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Potsdam

Barberini-Museum zeigt deutsche Impressionisten

Drei große Sonderausstellungen präsentiert das Potsdamer Barberini-Museum pro Jahr. 2026 werden zum Auftakt Werke von Max Liebermann und weiteren Künstlern des Impressionismus in Deutschland gezeigt

 13.02.2026

Analyse

Historiker: Dirigent von Karajan kein Hitler-Sympathisant

Opportunist oder Gesinnungsnazi? Das historische Bild des Dirigenten Herbert von Karajan leidet seit Längerem unter seiner NSDAP-Mitgliedschaft. Der Historiker Michael Wolffsohn will ihn nun von mehreren Vorwürfen freisprechen

von Johannes Peter Senk  13.02.2026

Berlinale-Film

Special Screening: David Cunio in Berlin erwartet

Das Kino Babylon zeigt vier Monate nach der Freilassung der israelischen Hamas-Geisel eine neue Fassung des Films »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  12.02.2026

Meinung

Schuld und Sühne?

Martin Krauß irritiert der Umgang mancher Medien mit dem »Dschungelcamp«-König Gil Ofarim

von Martin Krauß  12.02.2026

Kulturkolumne

»Konti: Mission BRD«

Meine Bewältigung der Einwanderung nach Deutschland: Wie ich als Immigrant ein Brettspiel entwickelte

von Eugen El  12.02.2026

Hollywood

Rachel Weisz spielt in Neuauflage von »Die Mumie« mit

Beim dritten Teil hatte die Schauspielerin eine Mitwirkung abgelehnt, da sie das Drehbuch nicht überzeugt hatte. Auf den neuesten Film müssen Fans noch etwas warten

 12.02.2026

Erfurt

Jüdische Kulturtage mit mehr Sichtbarkeit in Israel

Dank eines gewachsenen Netzwerks erwarten die Organisatoren von Thüringens größtem jüdischen Festival zahlreiche Künstler aus Israel

 12.02.2026

Filmfestspiele

Was die Berlinale diesmal bietet

Wieder läuft keine israelische Produktion im Wettbewerb. Dafür finden sich viele jüdische und israelische Perspektiven im gesamten Programm

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026