Eurovision Song Contest

»Wir freuen uns auf den ESC 2019 in Israel!«

Gehört zu den Anti-Israel-Unterstützern: der belgische Schlagersänger Helmut Lotti (hier beim »Schlagergipfel« 2016 von Florian Silbereisen) Foto: dpa

Eurovision Song Contest

»Wir freuen uns auf den ESC 2019 in Israel!«

Der NDR weist den Boykottaufruf von 140 Künstlern scharf zurück

 12.09.2018 15:07 Uhr

Der BDS-Künstler Roger Waters macht wieder Stimmung gegen Israel – und gegen Musikfans aus dem jüdischen Staat. Jetzt hat sich der Ober-Boykotteur auf die Fahnen geschrieben, den Eurovision Song Contest (ESC) in Israel zu verhindern.

Gemeinsam mit mehr als 140 anderen Künstlern schrieb er einen offenen Brief an die Europäische Rundfunkunion (EBU) und rief die verschiedenen Länder auf, nicht an dem Gesangswettbewerb teilzunehmen.

Pflicht In einer ersten Reaktion indes wies Thomas Schreiber, der für die deutsche ESC-Beteiligung zuständige Leiter des Programmbereichs Fiktion & Unterhaltung beim NDR Fernsehen, den Boykottaufruf scharf zurück. »Zum Boykott des Eurovision Song Contest in Israel aufzurufen bzw. die EBU (European Broadcasting Union) aufzufordern, dem israelischen Rundfunksender Kaan das Recht auf die Ausrichtung des ESC zu entziehen, ist durchschaubar«, teilte Schreiber mit. Der israelische Rundfunksender habe das Recht und die Pflicht zur Ausrichtung des ESC mit dem Sieg Nettas in Lissabon übernommen. »Wir freuen uns auf den ESC 2019 in Israel!«

Roger Waters und die anderen Künstler hatten in ihrem Boykottaufruf geschrieben: »Wir unterstützen die herzergreifenden Einwände palästinensischer Künstler. Der ESC soll boykottiert werden, weil Israel mit den jahrzehntelangen gravierenden Menschenrechtsverletzungen gegen Palästinenser weitermacht.«

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem auch der belgische Schlagersänger Helmut Lotti, der britische Musiker Brian Eno, der Filmemacher Ken Loach sowie die Regisseure Aki Kaurismäki und Mike Leigh und die Schauspielerin Julie Christie.

Grundrechte Der Wettbewerb soll nach der Forderung der Künstler in ein Land verlegt werden, »das eine bessere Menschenrechtsbilanz« aufweise. »Bis Palästinenser Freiheit, Gerechtigkeit und gleiche Rechte genießen, sollte es keine Normalität mit einem Staat geben, der ihnen ihre Grundrechte verwehrt.«

Die israelische Sängerin Netta Barzilai hatte im Mai mit ihrem Song »Toy« den ESC in Portugal gewonnen. Dadurch findet der Wettbewerb im Mai 2019 automatisch in Israel statt. Derweil wird dort noch immer nach dem geeigneten Austragungsort gesucht. »Jerusalem und Tel Aviv haben beide sehr starke Anträge eingereicht«, so ein Vertreter des ESC. »Jetzt müssen wir entscheiden.«

Roger Waters ist einer der prominentesten Vertreter der israelfeindlichen BDS-Bewegung. Sie wurde im Jahr 2005 auf den Aufruf von über 170 palästinensischen Nichtregierungsorganisationen hin ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, durch gezielte Boykottaufrufe Israel international zu isolieren und als angeblichen »Apartheidstaat« zu diffamieren. Dabei hat sie sowohl israelische Firmen und Institutionen als auch Wissenschaftler und Künstler im Visier.

Druck In der deutschen Politik ist die BDS-Bewegung aufgrund ihres von Experten als antisemitisch charakterisierten Engagements in jüngster Zeit zunehmend unter Druck geraten. Auf ihrem Parteitag Ende 2015 verabschiedete die CDU einstimmig eine deutliche Resolution gegen BDS.

Der Aufruf zum Boykott israelischer Waren sei »nichts anderes als plumper Antisemitismus, wie ihn schon die Nationalsozialisten instrumentalisiert hatten«, begründete die Partei ihren Beschluss. Die Berliner SPD folgte im vergangenen Jahr.

Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, verurteilt die BDS-Bewegung ebenfalls. »Ich halte BDS für eine antisemitische Strömung«, sagte Klein jüngst im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. »Mit ihren Boykott-Forderungen gegenüber Israel agiert sie mit Argumentationsmustern aus der Nazizeit, die schlichtweg unerträglich sind.« ja

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