Frankfurt/Main

Wichtiges Signal für die Wissenschaft

Kritisiert das »Klein-Klein« der Spezialgebiete in der Holocaust-Forschung: Historikerin Sybille Steinbacher Foto: dpa

Der erste deutsche Lehrstuhl für Holocaust-Forschung in Frankfurt am Main ist nach den Worten der Inhaberin Sybille Steinbacher ein wichtiges wissenschaftspolitisches Signal. Die Holocaust-Forschung dürfe sich nicht im »Klein-Klein« der Spezialgebiete verlieren, sagte die Historikerin am Mittwoch bei ihrer Vorstellung. Die Fragen nach den Mechanismen der Ausgrenzung bis hin zum Massenmord an den Juden seien immer noch nicht vollständig beantwortet.

Die Holocaust-Forschung sei seit Jahrzehnten in Deutschland etabliert, doch jede Generation erschließe sich das Themenfeld neu, sagte Steinbacher. Sie wolle im Einzelnen die Forschung über Auschwitz vorantreiben. Immer noch sei unbekannt, wie genau das Lager Birkenau zum Zentrum des Massenmordes wurde. Auch wolle sie über die Rückkehr der Überlebenden forschen, sagte die Historikerin. Dabei gehe es darum, auf welche Verhältnisse diese stießen und ob es eine Kontinuität antisemitischer Einstellungen gab.

forschung Als weiteren Forschungsgegenstand nannte Steinbacher die Aufarbeitung der NS-Verbrechen durch die Justiz in den 1970er-Jahren, die für das Selbstverständnis Deutschlands wichtig gewesen sei. Auch Themen der Gegenwart wie der Rechtsextremismus und die gegenläufige Entwicklung der Erinnerungskultur in West- und Osteuropa nehme sie in den Blick. Die Professur werde auch lokal die Geschichte der Goethe-Universität in der NS-Zeit erforschen und regional mit Gedenkstätten wie der in Hadamar zu den »Euthanasie«-Morden kooperieren.

Steinbacher will die Arbeit des Frankfurter Fritz Bauer Instituts, das sie in Personalunion als Direktorin führt, fortsetzen. Es werde die pädagogische Arbeit, Ausstellungen und Veranstaltungen weiterhin geben, sagte sie. Die Verbindung mit der Professur werde die Forschung stärken. Es seien die Anstöße aus der Justiz, insbesondere des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer (1903–1968) gewesen, die in den 1960er-Jahren die Historiker zur Erforschung des Holocausts brachten. Inzwischen habe die Öffnung der osteuropäischen Archive seit den 1990er-Jahren eine neue Welle der Forschung ausgelöst.

karriere Die 1966 in München geborene und in der Nähe von Dachau aufgewachsene Steinbacher studierte Geschichte und Politikwissenschaften in München. 1998 wurde sie an der Ruhr-Universität Bochum über das Vernichtungslager Auschwitz promoviert und arbeitete anschließend als wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte. Sie war unter anderem Stipendiatin am Deutschen Historischen Institut in Warschau, an der Harvard University sowie Fellow am »United States Holocaust Memorial Museum«.

2010 hatte sie bereits eine Gastprofessur zur Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Goethe-Universität in Verbindung mit dem Fritz Bauer Institut inne. Im selben Jahr wurde sie Professorin für Zeitgeschichte/Vergleichende Diktatur-, Gewalt- und Genozidforschung an der Universität Wien. epd

Philadelphia

Erstes Konzert nach Macklemore-Aus: Sheeran äußert sich

Wegen israelfeindlichen Äußerungen und einer antisemitischen Vorgeschichte wurde US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm von Popstar Ed Sheeran gestrichen. Jetzt ist Sheeran erstmals wieder aufgetreten

 20.09.2026

Musik

Biermann mit neuen Liedern: »Mensch, misch’ dich ein«

Der Liedermacher Wolf Biermann präsentiert auf einem neuen Album Unveröffentlichtes - manches neu, manches auch noch aus DDR-Zeiten. Die Themen hätten sich kaum verändert, sagt der Künstler

 20.09.2026

Fernsehen

»Zu Asche, zu Staub«

»Babylon Berlin« endet düster: Die fünfte Staffel spielt in der Zeit um Hitlers Machtergreifung 1933

von Julia Kilian  19.09.2026

Kommentar

Die Schatten der Vergangenheit sind lang

Wie der Hessische Rundfunk über jüdische Grundstücke stolpert

von Daniel Neumann  18.09.2026

Zahl der Woche

5 Dinge

Fun Facts und Wissenswertes

 18.09.2026

Social Media

Nach weltweiten viralen Song: Hasswelle gegen israelische Band Temper City

Der Song der israelischen Band wird zum Welthit – bis die Herkunft der Musiker bekannt wird. Dann beginnt im Netz der Boykott

von Sabine Brandes  18.09.2026

Noah Bendix-Balgley

»Musikalisches Risiko ist wichtiger als absolute Perfektion«

Der Erste Konzertmeister der Berliner Philharmoniker über seine Philosophie beim Spiel, Kritik an Boykotten gegen Künstler und sein erstes Klezmer-Album

von Christine Schmitt  18.09.2026

Bewusstsein

Pause!

Warum wir unser Leben und unseren Alltag immer wieder gezielt entschleunigen sollten. Eine Hymne auf die Langsamkeit

von Sophie Albers Ben Chamo  18.09.2026

New York

Künstlerin macht New Yorker Guggenheim Museum zur Murmelbahn

Taryn Simon ist für ihre Foto-Reportagen berühmt. Für eine große Ausstellung im Guggenheim Museum hat sie sich dazu noch etwas ganz anderes einfallen lassen

 18.09.2026