Literatur

Von Pferden und Hochstaplern

Wurde für ihre Übersetzung von David Grossmans (r.) Roman »Kommt ein Pferd in die Bar« geehrt: Anne Birkenhauer (l.) Foto: dpa

Die in Jerusalem lebende Übersetzerin Anne Birkenhauer ist mit dem Deutsch-Hebräischen Übersetzerpreis ausgezeichnet worden. Birkenhauer erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Preis für die Übersetzung von David Grossmans Roman Kommt ein Pferd in die Bar aus dem Hebräischen ins Deutsche, teilte das Büro von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Montag in Berlin mit.

Anne Birkenhauer habe »der Vielfalt unterschiedlicher hebräischer Idiome und Sprechweisen im Deutschen Gestalt verliehen und die fragile Atmosphäre des Romans zur Entfaltung gebracht«, begründete die Jury die Auszeichnung von Birkenhauer.

Comedian In dem 2016 veröffentlichten Roman geht es um den Auftritt eines Stand-up-Comedian in einem kleinen israelischen Dorf und eine grausame Entscheidung, die ihn bis heute verfolgt. Das Buch wurde im vergangenen Jahr mit dem britischen Man Booker International Prize ausgezeichnet, der als einer der wichtigsten Literaturauszeichnungen Großbritanniens gilt.

Der ebenfalls mit 10.000 Euro dotierte Preis für die Übersetzung ins Hebräische ging posthum an die im Januar verstorbene israelische Thomas-Mann-Übersetzerin Nili Mirsky für ihre Übersetzung der Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Mirsky sei es gelungen, »ein großartiges hebräisches Äquivalent für den oft komplizierten und gewundenen Stil« von Thomas Mann gefunden zu haben, teilte die Jury mit.

Überreicht wurde die Auszeichnung am Montag in Jerusalem von Grütters und der israelischen Kulturministerin Miri Regev. Mit dem Deutsch-Hebräischen Übersetzerpreis würden diejenigen gewürdigt, die nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel vor mehr als 50 Jahren nicht nur die Grenzen der Sprache, sondern auch Mauern aus Schuld und Schmerz überwinden halfen, sagte Grütters.

Wunder Es scheine fast wie ein Wunder, dass Deutschland sich 70 Jahre nach der Staatsgründung Israels zu seinen engsten Partnern und Freunden zählen darf, und dass heute viele junge Israelis, vor allem Künstler und Kreative, in Deutschland – insbesondere in Berlin – leben und arbeiten wollen, führte Grütters weiter aus.

Der Deutsch-Hebräische Übersetzerpreis wurde 2015 anlässlich des 50. Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern als gemeinsame Initiative der Kulturstaatsministerin und des israelischen Kulturministeriums ins Leben gerufen. Er wird alle zwei Jahre abwechselnd in Deutschland und Israel verliehen. Die Preisträger werden von einer deutschen und einer israelischen Jury ausgewählt. epd/ja

Fernsehen

Adolf und seine »Akte«

Die fünfte Staffel von »Babylon Berlin« spielt 1933 zur Zeit von Hitlers Machtergreifung. Unterhaltung mit politischem Anspruch, aber stimmen die Fakten?

von Ayala Goldmann  29.09.2026

Hard-Rock-Legenden

Kiss feiern 50 Jahre »Rock and Roll Over«

Eine umfangreiche Neuauflage des Albums kommt. Was ist enthalten?

 29.09.2026

Fußball

Im Kreuzfeuer: Irischer Nationalspieler mit israelischer Mutter

Finn Azaz wurde für Irlands Nationalkader für die Länderspiele gegen Israel nominiert. Weil er eine israelische Mutter hat, soll seine Zukunft im irischen Team aber infrage stehen

von Michael Thaidigsmann  29.09.2026

Geburtstag

Streitbare Mahnerin: Lea Rosh wird 90 Jahre alt

Ihr Name ist eng verbunden mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin. Schon früh beschäftigte sich die Journalistin Lea Rosh mit der Judenverfolgung im Nationalsozialismus. Am Donnerstag wird sie 90 Jahre alt

von Birgit Wilke  29.09.2026

Die frühere rbb-Intendantin Patricia Schlesinger

Berlin

Strafprozess gegen Ex-RBB-Intendantin Schlesinger

Im Sommer 2022 erschüttert der RBB-Skandal den öffentlich-rechtlichen ARD-Sender. Der Fall beschäftigt auch die Justiz. Nun soll es wegen Untreue-Vorwürfen zum Prozess kommen.

 29.09.2026

Berlin

CDU-Kulturexperte schlägt Wolf Biermann für Nobelpreis vor

»Biermanns Werk, seine poetische Stimme stehen für die Unantastbarkeit individueller Freiheit als Würde des einzelnen Menschen bis heute«, schreibt Uwe Lehmann-Brauns zur Begründung

 29.09.2026

Archäologie

Hoffnung auf Latrinen - Grabung legt mittelalterliche Keller frei

Die Funde auf dem Areal der zweiten Jüdischen Gemeinde informieren über das Leben im mittelalterliche Erfurt. Zugleich geben sie Einblicke in die Stadtplanung des 13. Jahrhunderts

von Matthias Thüsing  28.09.2026

Sachsen-Anhalt

Der 7. Oktober und die Folgen: Podiumsdiskussion in Halle

Vor drei Jahren überfielen islamistische Terroristen Israel und rissen damit Gaza in einen bis heute andauernden Krieg. Zeitgleich nahmen weltweit antisemitische Ausschreitungen zu. Diskutanten erörtern die Ursachen

 28.09.2026

Babyn Jar

Sie alle hatten einen Namen

In der Schlucht bei Kyjiw ermordeten deutsche Täter am 29. und 30. September 1941 innerhalb von zwei Tagen rund 34.000 Jüdinnen und Juden

von Andreas Albrecht  28.09.2026