Sehen!

Von Auschwitz nach Entebbe

In Entebbe dabei: der ehemalige Fallschirmoffizier Muki Betzer Foto: arte

Es waren ausgerechnet selbst ernannte deutsche »Antifaschisten«, die 40 Jahre nach der Schoa wieder Juden selektierten, um sie zu ermorden. Am 27. Juni 1976 entführten die deutschen Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann mit zwei Palästinensern eine Air-France-Maschine, die aus Tel Aviv Richtung Paris flog, nach Entebbe in Uganda. Juden mit israelischem Pass, darunter KZ-Überlebende, wurden ausgesondert und mussten sich in einem abgetrennten Raum sammeln. Alle anderen Entführten wurden freigelassen.

»Die Stimmung in Israel war: Wer macht diese Selektion? Die Deutschen, ausgerechnet die Deutschen!«, berichtete der israelische Diplomat Avi Primor in der TV-Dokumentation Von Auschwitz nach Entebbe, die arte am Mittwoch, den 30. Juni, um 20.15 ausstrahlt.

Coup Premier Yitzhak Rabin und sein Verteidigungsminister Schimon Peres beschlossen damals, die Entführung mit militärischen Mitteln zu beenden. Der spektakuläre Coup gelang. Am 3. Juli 1976 landeten israelische Luftlandeeinheiten auf dem Flughafen von Entebbe und befreiten mehr als hundert Geiseln. Die Entführer wurden getötet.

Die Rekonstruktion der Entführung der Air-France-Maschine und des genauen Ablaufs der Befreiungsaktion steht im Mittelpunkt des Films. Er analysiert auch die Vorgeschichte, die Entstehung der »Revolutionären Zellen« in Frankfurt/Main, die Zusammenarbeit deutscher und arabischer Terrorgruppen sowie die antisemitischen Wurzeln der palästinensischen Befreiungsbewegung. Zu sehen sind seltene Original-aufnahmen der Geiseln während ihrer Gefangenschaft in Entebbe. Zeitzeugen kommen zu Wort, darunter ehemalige Geiseln, Offiziere der israelischen Armee, deutsche und französische Diplomaten sowie die israelischen Politiker Matan Vilnai, Ehud Barak und Schimon Peres. ja

»Von Auschwitz nach Entebbe. Israels Kampf gegen den Terror«. arte, Mittwoch, 30. Juni, 20.15 Uhr

Zahl der Woche

68 Prozent

Fun Facts und Wissenswertes

 13.10.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Virale Selbstverliebtheit oder Wie das gute alte Kochbuch verdrängt wurde

von Nicole Dreyfus  13.10.2026

Interview

»Ich bin keine Maschine«

Der Pianist Igor Levit über sein neu gegründetes Musiklabel, einen 16-Stunden-Auftritt und jüdische Witze

von Christine Schmitt  13.10.2026

TV-Tipp

Brillanter Anthony Hopkins glänzt in »One Life«

Leider erst nächtens zeigt das ZDF ein biografisches Drama über den Briten Nicholas Winton, der 1939 Kindertransporte von Prag nach London organisierte und damit mehrere hundert Kinder vor den Nazis rettete

von Jan Lehr  13.10.2026

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

Medien

Israel verweigert »taz«-Korrespondentin Arbeitsvisum

Diaspora-Ministerium: »Antiisraelische Akteure und diejenigen, die Israel verleumden, sollten keinen Fuß in das Land setzen«

 13.10.2026

Erinnerungen einer deutschen Jüdin

Rabbinertochter und Gynäkologin

Rahel Straus: Eine Frauenärztin kämpfte Anfang des 20. Jahrhunderts gegen den Paragrafen 218

von Ellen Presser  13.10.2026

Noa Yedlin

Wenn das falsche Buch zum richtigen wird

»Romance« als Erfolgsrezept: Die israelische Autorin nimmt »ernste« Literatur und das Geschäft damit aufs Korn

von Nicole Dreyfus  13.10.2026