Gemeindetag

Vom Wedding nach Israel

Bei den Dreharbeiten zu »Nasser Hund« Foto: Chris Hartung

»In manchen Szenen wird es schon richtig auf die Fresse geben«, sagt Alexander van Dülmen. Wenn er das sagt, muss es stimmen. Der 51-jährige Münchner ist einer der beiden Produzenten des Kinofilms Nasser Hund. Der Film, für den die Dreharbeiten Anfang Oktober in Berlin begonnen haben, erzählt von der Freundschaft der beiden Teenager Soheil und Husseyn.

Der eine ist iranischstämmiger Jude, der andere Kurde aus dem Libanon. Zusammen mit ihrer türkisch-arabischen Gang machen die beiden Ende der 80er-Jahre die Straßen des Berliner Problembezirks Wedding unsicher. Zunächst scheint für Soheil alles auf eine »erfolgreiche« kleinkriminelle Karriere im Kiez hinauszulaufen. Doch als die muslimischen Gangmitglieder herausfinden, dass Soheil Jude ist, bricht eine Spirale von Hass und Gewalt los.

PERSPEKTIVE Das Drehbuch, das Regisseur Damir Lukacevic geschrieben hat, basiert auf der Autobiografie von Arye Sharuz Shalicar, Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude. In dem 2010 erschienenen Buch erzählt der heute in Israel lebende Shalicar von seiner Jugend in Berlin-Wedding. Einer Jugend, in der der Sohn persischer Juden zwischen Graffiti, Straßengewalt, erster Liebe und antisemitischen Sprüchen vermeintlicher Kumpels seinen Platz suchen musste.

Aus seiner Autobiografie und seinem aktuellen Buch Der neu-deutsche Antisemit: Gehören Juden heute zu Deutschland? Eine persönliche Analyse wird Shalicar auch auf dem Gemeindetag des Zentralrats der Juden in Deutschland diese Woche in Berlin lesen.

»Kaum ein Kinofilm von heute thematisiert den Antisemitismus in der migrantischen Community«, sagt Produzent van Dülmen.

»Kaum ein Kinofilm von heute thematisiert den Antisemitismus in der migrantischen Community«, sagt Produzent van Dülmen. »Arye Sharuz Shalicars Buch traut sich, genau dieses Problem aus einer sehr persönlichen und damit überaus authentischen Perspektive anzusprechen.« Darin liege für ihn der große Reiz, Shalicars Jugenderlebnisse in adaptierter Form auf die Leinwand zu bringen, wie der Produzent sagt. »Ich will keinen politischen Film unter sozialpädagogischen Maßstäben machen, sondern einen, der die Realitäten, wie sie in dem Buch geschildert werden, ungeschminkt wiedergibt.«

NACHWUCHSSCHAUSPIELER Der Film wird von Warner Bros Pictures in Kooperation mit Carte Blanche produziert und soll ab dem kommenden Jahr in den Kinos zu sehen sein. Für das Set konnten neben prominenten Schauspielern wie 4 Blocks-Star Kida Khodr Ramadan auch talentierte Nachwuchsschauspieler aus Berlin gewonnen werden. Für Mohammad Eliraqui, der den Charakter von Husseyn verkörpert, ist es die erste professionelle Dreharbeit überhaupt.

»Die Geschichte hinter der Autobiografie hat mich sehr berührt«, sagt der Jugendliche, der im Libanon geboren wurde und seit neun Jahren in Berlin wohnt. »Ich kann mich mit Shalicars Erlebnissen identifizieren, da auch ich Diskriminierung und Ablehnung erfahren habe«, sagt Eliraqui. Bevor er mit seiner Familie nach Berlin gekommen ist, hat der Jugendliche in Neubrandenburg gelebt. Dort wurde er mehrfach als Ausländer beschimpft, wie Eliraqui erzählt.

BOTSCHAFT Für den Deutsch-Libanesen Kida Khodr Ramadan, aufgewachsen in Berlin-Kreuzberg, greift Nasser Hund ein sehr aktuelles Thema auf. »Ich habe die jüdische Kultur früh kennengelernt, da ein guter Schulfreund von mir Jude war«, sagt der 43-jährige Schauspieler. Auch zu seiner Zeit habe es schon Beschimpfungen und Ausgrenzung unter Jugendgruppen gegeben.

»Heute ist der Diskurs aber deutlich radikaler und vergifteter als damals«, findet Ramadan. Der Film habe eine klare Botschaft gegen Gewalt und Antisemitismus. »Wenn wir von 1000 Leuten, die den Film im Kino schauen, auch nur einen Einzigen dazu bewegen, seine Vorurteile zu überdenken, bin ich stolz«, sagt er.

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