Musik

Versöhner mit Stradivari

Musikalisches Wunderkind: Michel Schwalbé (1919–2012) Foto: Cordula Groth

Warum gibt es mehr jüdische Violinisten als Pianisten? Weil bei der Flucht vor einem Pogrom die Geige schnell unter den Arm gepackt werden kann, ein Flügel nicht.

Das jüdische Bonmot ist (halb) scherzhaft gemeint. Für Michel Schwalbé reflektierte es einen Teil seines Lebens. 1919 im polnischen Radom geboren, schloss das musikalische Wunderkind mit zwölf Jahren sein Studium an der Warschauer Musikhochschule ab und ging nach dem Abitur nach Paris.

Versteck Als die Deutschen dort 1940 einmarschierten, floh er in den nicht besetzten Süden und wurde Konzertmeister des Lyoner Symphonieorchesters, bis 1944 auch dort die Wehrmacht einrückte. Versteckt in einem Möbelwagen gelang es Schwalbé, in die Schweiz zu entkommen, wo er in renommierten Orchestern arbeitete und Professor am Genfer Konservatorium wurde.

Dass jemand mit dieser Biografie Mitte der 50er-Jahre nach Berlin kam, um als Konzertmeister ausgerechnet unter dem Nazi-Mitläufer Herbert von Karajan bei den Philharmonikern zu wirken, mag verwundern. Für Schwalbé war es, wie er selbst formulierte, »ein Akt der Versöhnung«. Ein anderer großer Versöhner, Axel Springer, stiftete für den jüdischen Violinisten eine Stradivari, mit der der Virtuose bei Konzerten in aller Welt das Publikum begeisterte.

Jetzt ist Michel Schwalbé 92-jährig in Berlin gestorben. Am Montag wird er auf dem Friedhof Heerstraße beigesetzt.

Netflix-Dokumentation

Der Mann, der die Chili Peppers Red Hot machte

Man kann ohne weiteres behaupten, dass die Rockwelt ohne Hillel Slovak weniger bunt wäre. Eine Streaming-Doku hat dem in Israel geborenen ersten Gitarristen der Chili Peppers ein Denkmal gesetzt

von Richard Blättel  07.04.2026

Antisemitismus

London verweigert US-Skandalrapper Kanye West die Einreise

US-Skandalrapper Kanye West darf nach seinen antisemitischen und rassistischen Aussagen nicht nach Großbritannien reisen. Das hat auch gravierende Auswirkungen auf das mit ihm geplante Festival

 07.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Weltglücksbericht

Israelis und die Freude am Leben

Trotz Kriegen und Terror landet der jüdische Staat weit vorn auf Platz 8. Die Forscherin Anat Fanti erklärt, warum

von Sabine Brandes  06.04.2026

Jazz

Omer Klein: »The Poetics«

Der israelische Pianist hat ein neues Album veröffentlicht. Es ist ein analoges Klangerlebnis, das innere und äußere Räume weit öffnet

von Ayala Goldmann  06.04.2026

Iryna Fingerova

»Man darf Kulturen nicht vergleichen«

Die Schriftstellerin und Ärztin über die Folgen einer Emigration, ihr Verhältnis zur Ukraine und das Leben als Jüdin in Deutschland – allesamt auch Themen ihres Romans »Zugwind«

von Maria Ossowski  05.04.2026

Dana von Suffrin

Wutgeburt

»Toxibaby« erzählt von einer toxischen deutsch-jüdischen Beziehung

von Katrin Diehl  04.04.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richer, Imanuel Marcus  04.04.2026

Michael Brenner

»Für die Nazis durfte es ›arische Juden‹ eigentlich nicht geben«

Der Historiker erforscht das Schicksal von Konvertiten in der NS-Zeit. Ein Gespräch über Menschen, die in keine Schublade passten

von Ayala Goldmann  04.04.2026