Nachruf

Trauer um US-Regisseur Bob Rafelson

Regisseur Bob Rafelson (1933–2022) Foto: picture alliance/United Archives

Nachruf

Trauer um US-Regisseur Bob Rafelson

Er galt als einer der einflussreichsten Figuren der New-Hollywood-Ära

 25.07.2022 14:35 Uhr

Der US-Filmemacher Bob Rafelson, einer der wichtigsten Regisseure der New-Hollywood-Ära, ist tot. Er sei am Samstagabend (Ortszeit) im Kreise seiner Familie in seinem Haus in Aspen im Staat Colorado gestorben, teilte seine Frau Gabrielle Taurek Rafelson mit. Er wurde 89 Jahre alt.

FAMILIE Seinen ersten großen Erfolg feierte Rafelson, der am 21. Februar 1933 als Sohn einer jüdischen Familie in New York City geboren wurde (sein Vater war Hersteller von Hutbändern, sein viele Jahre älterer Cousin war der Drehbuchautor und Dramatiker Samson Raphaelson), Mitte der 60er Jahre mit der TV-Serie The Monkees, die er mit dem Produzenten Bert Schneider realisierte. Sie drehte sich um das Leben einer Rockband, deren vier Mitglieder für die Sendung eigens gecastet wurden. Die Serie brachte dem Produzentenduo 1967 einen Emmy ein.

Ehe sie ihre Idee umgesetzt hätten, habe es zwar schon die Beatles und die Mockumentary A Hard Day’s Night (deutscher Titel Yeah! Yeah! Yeah!) gegeben, räumte Rafelson einst rückblickend ein. Doch habe die Sitcom The Monkees einen Nerv getroffen, als sie 1966 beim Sender NBC Premiere feierte. Die Serie lief am Ende in zwei Staffeln.

Die größte Bekanntheit erlangte Rafelson wohl für sein Werk während der New-Hollywood-Ära von 1967 bis Ende der 70er Jahre, in der viele Regie-Talente mit einer frischen Herangehensweise ans Filmemachen abseits des gängigen Studiosystems das Kino modernisierten. Die Bewegung sollte Filmemacher wie Martin Scorsese, Brian de Palma, Francis Ford Coppola und Steven Spielberg hervorbringen.

JACK NICHOLSON In diese Phase fiel Rafelsons Drama Five Easy Pieces – Ein Mann sucht sich selbst von 1970 mit Jack Nicholson in der Hauptrolle, das von einem Pianisten aus einer Oberschichtfamilie handelt, der sich als Ölarbeiter versucht. 1971 bescherte Five Easy Pieces Rafelson zwei Oscar-Nominierungen in den Kategorien bester Film und bestes Drehbuch. Zu sehen war Nicholson auch als Hauptdarsteller in Rafelsons Film The King of Marvin Gardens, einem Drama von 1972 über einen depressiven Gastgeber einer Radioshow.

Überhaupt taten sich der Hollywoodstar und Rafelson auffallend häufig für Projekte zusammen. So wirkte Nicholson schon in dessen Regiedebüt Head mit, einem Musikfilm mit The Monkees. »Ich mag gedacht haben, dass ich seine Karriere in Gang setzte«, sagte Nicholson 2019 im Interview des Magazins »Esquire« über Rafelson. »Aber ich glaube, dass er meine Karriere in Gang setzte.«

KLASSIKER An so manchen Klassikern der New-Hollywood-Ära war Rafelson auch als Produzent beteiligt, etwa am Drama Die letzte Vorstellung von Peter Bogdanovich und an Dennis Hoppers Kult-Roadmovie Easy Rider. Ford Coppola nannte Rafelson einst »einen der wichtigsten cineastischen Künstler seiner Ära«, zu seinen Fans zählen sich auch Filmemacher wie Quentin Tarantino und Wes Anderson.

Besonders stolz war Rafelson auf seine Regiearbeit an Mountains of the Moon, eine Filmbiografie über die Entdecker Sir Richard Burton und John Hanning Speke und deren Suche nach der Quelle des Nils, wie seine Frau Taurek berichtete. Ihr Ehemann sei selbst ein Abenteurer gewesen und habe unter anderem Marokko, Indien, Südostasien, Mexiko und Guatemala bereist. »Nichts liebte er mehr, als in mysteriöse Ecken der Welt zu verschwinden.«

Der gebürtige New Yorker Rafelson hatte Hollywood vor gut 20 Jahren verlassen, um seine zwei Söhne Ethan und Harper gemeinsam mit Taurek in Aspen großzuziehen. Aus seiner ersten Ehe mit Toby Rafelson gingen die Kinder Peter und Julie hervor. Julie starb 1973 im Alter von zehn Jahren. ap

Ehrung ohne Preisträgerin

Nach Knieverletzung: Barbra Streisand sagt Cannes-Besuch ab

In Frankreich wollte sie die Ehrenpalme entgegennehmen. Nun hört die Sängerin und Schauspielerin aber auf ihre Ärzte. Das Filmfestival will die Ikone trotzdem ehren

 18.05.2026

Geburtstag

Bob Dylan wird 85: Genie, Grenzgänger und niemals greifbar

Die berühmte Frage in seinem bekanntestem Song lehnt sich direkt an diese Geschichte an: Wie fühlt es sich an, ohne ein Heim zu sein, wie ein völlig Unbekannter, wie ein rollender Stein?

von Paula Konersmann  18.05.2026

Meinung

Die Israel-Allergie der ARD

Douze Points für Israel - und dann Schweigen

von Guy Katz  17.05.2026

Sachbuch

Pageturner zum Nahostkonflikt

Hamza Abu Howidys Erstlingswerk »Muscheln am Strand von Gaza« erzählt von einer Jugend unter der Terrorherrschaft der Hamas

von Sabine Brandes  17.05.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Bettina Piper, Imanuel Marcus  17.05.2026

Das hebräische Alphabet übersetzt in Magnetbuchstaben.

Glosse

Der Rest der Welt

Urlaub in Italien oder Warum ich überall Hebräisch höre

von Nicole Dreyfus  17.05.2026

Kulturkolumne

Meine halbierte Bibliothek

Ein Umzug steht an. Warum Uwe Johnson bleibt und Günter Grass rausfliegt

von Maria Ossowski  17.05.2026

Wien

14 Aktivisten bei Anti-Israel-Demo festgenommen

Vor Beginn des ESC-Finales gab es mehrere Demonstrationen gegen Israels Teilnahme

 17.05.2026

Meinung

Ein Mutmacher in trüben Zeiten

Die Abstimmung für Noam Bettan beim Eurovision Song Contest zeigt, dass sich die Bürger nicht so einfach von israelfeindlicher Propaganda beeinflussen lassen

von Daniel Killy  17.05.2026