Die Bibliothek der Goethe-Universität Frankfurt hat erstmals Raubgut aus der Nazi-Zeit an die Jüdische Gemeinde zurückgegeben. Insgesamt fünf Bücher wurden nach Abschluss umfangreicher Recherchen übergeben, wie die Hochschule am Montag mitteilte. Seit dem Jahr 2020 durchforste die Bibliothek ihre Bestände systematisch.
Bei drei Büchern waren die Vorbesitzer zwei Persönlichkeiten von zentraler Bedeutung für die Vorgängergemeinde: Der Rechtsanwalt und Notar Julius Blau stand von 1903 bis zu seinem Tod 1939 als Vorsitzender an der Spitze der Israelitischen Gemeinde. Sein Sohn Ernst war dort Bibliothekar, wanderte 1939 nach Frankreich aus und starb 1941 im Lager Gurs in der Nähe von Toulouse. Zwei weitere Bücher stammen aus der Gemeindebibliothek selbst und aus einem Heim für erwerbslose jüdische Jugendliche.
Hinweise durch Widmung, Exlibris und Stempel
Die früheren rechtmäßigen Eigentümer ließen sich den Angaben zufolge anhand einer handschriftlichen Widmung sowie durch ein individuelles Exlibris und durch Stempel nachvollziehen. Auf welchem Weg die Bücher in die Bibliothek gelangt sind, lasse sich nicht mehr nachvollziehen. Aufgrund der Signatur sei allerdings sicher, dass sie vor dem Ende der NS-Herrschaft in die Bestände gelangt seien.
Bei den zurückgegebenen Büchern handele es sich zwar keineswegs um wertvolle oder seltene Exemplare, hieß es. Für die Jüdische Gemeinde ist die Rückgabe dennoch ein bedeutendes Ereignis: »Für uns ist das sehr wichtig als Anerkennung des Unrechts, das den Juden in Frankfurt angetan wurde«, erläuterte Vorstandsmitglied Rachel Heuberger.
Weitere Rückgaben zu erwarten
Die Israelitische Gemeinde war von den Blaus durch einen Erbvertrag von 1936 als Alleinerbin eingesetzt worden. Vor dem Holocaust umfasste die Bibliothek der Israelitischen Gemeinde rund 11.500 Werke in mehr als 14.000 Bänden, wie Bibliothekar Ernst Blau 1932 vermerkt hat. Eine Rekonstruktion der ursprünglichen Bibliothek sei wegen der umfangreichen Verluste nicht möglich, so Heuberger.
Aus der Bibliothek sind weitere Restitutionen zu erwarten. Dort wurden den Angaben zufolge inzwischen weitere Verdachtsfälle entdeckt. »Wir haben noch viel Arbeit vor uns«, kündigte Provenienzforscherin Darleen Pappelau an. kna