München

»Und morgen die ganze Welt« ist deutsche Oscar-Hoffnung

Julia von Heinz bei der Premiere von »Und morgen die ganze Welt« bei den Filmfestspielen von Venedig (September 2020) Foto: imago images/ZUMA Wire

Rechter Extremismus und Populismus sind auf dem Vormarsch. Eine Tatsache, die sehr viele Menschen mit Sorge sehen. Doch wie weit darf man gehen, um diesen Ansichten die Stirn zu bieten? Mit dieser Frage setzt sich die Regisseurin Julia von Heinz auseinander in ihrem Politdrama »Und morgen die ganze Welt«.

ANTIFA Im Mittelpunkt steht die Jurastudentin Luisa, die sich in linken, antifaschistischen Kreisen engagiert. Im Kampf gegen Rechte und Neonazis schrecken ihre neuen Freunde nicht vor Gewalt zurück und Luisa muss entscheiden, wie weit sie selbst bereit ist, zu gehen. Ein brisanter Film, der nun Chancen auf höchste Ehren hat – denn seit Mittwochabend ist klar, dass das Politidrama Deutschland beim Rennen um die Oscars vertreten wird.

»What?????!!!!!! Deutscher Oscar Beitrag???? Grüße aus dem krassesten Wechselbad der Gefühle EVER«, schrieb die Regisseurin kurz nach Bekanntgabe des Juryvotums am Mittwochabend auf Facebook. Dabei war schon die internationale Premiere ihres von persönlichen Jugenderfahrungen inspirierten Films groß, lief er doch im Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig.

Nun überzeugte die Honorarprofessorin der Hochschule für Fernsehen und Film in München auch noch die Jury, die die Auslandsvertretung des deutschen Films (German Films) mit der Auswahl des Oscarbeitrags betraut hatte.

»In einer Zeit, in der die Demokratie zunehmend unter Druck gerät, stellt Julia von Heinz die Frage, ob und wenn ja, wann Gewalt gerechtfertigt oder sogar notwendig ist«, begründeten die Juroren ihre Entscheidung. Sie lobten die herausragende Leistung von Hauptdarstellerin Mala Emde ebenso wie die Kamera. Zudem konfrontiere der Film die Zuschauer mit Konflikten und Entscheidungsprozessen, denen sie sich nicht entziehen könnten. »Ein persönlicher Film von großer, emotionaler Wucht«, so das abschließende Votum.

KONKURRENZ »Und morgen die ganze Welt« hat sich gegen neun andere Filme durchgesetzt, darunter die Literaturverfilmung »Als Hitler das rosa Kaninchen stahl« von Oscarpreisträgerin Caroline Link, Oskar Roehlers Biopic »Enfant Terrible« über das Leben des Filmgenies Rainer Werner Fassbinder und »Berlin Alexanderplatz« von Burhan Qurbani. Beworben hatten sich auch die Macher der Filme »Fritzi - Eine Wendewundergeschichte«, »Crescendo #makemusicnotwar«, »Curveball«, »Ein nasser Hund«, »Undine« und »Ich war noch niemals in New York«.

Nun also ein Drama, das vom Thema her auch in den USA auf Interesse stoßen dürfte, wo politisch motivierte Gewalt - häufig aus dem sehr rechten Lager - vielerorts ein Klima der Angst verbreitet. Jetzt ist die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) im kalifornischen Beverly Hills am Zuge. Aus allen internationalen Bewerbungen wählt sie zunächst zehn Filme aus, die am 9. Februar 2021 bekanntgegeben werden.

NOMINIERUNGEN Am 15. März werden dann die fünf nominierten Filme verkündet. Der deutsche Oscarbeitrag »Systemsprenger« von Nora Fingscheidt war im vergangenen Jahr nicht nominiert worden. Die eigentliche Preisverleihung ist am 25. April 2021.

Doch egal wie weit der Film kommen wird, allein die Auswahl als deutscher Oscar-Kandidat ist schon besonders. Allerdings gibt es auch einen ziemlich großen Wermutstropfen. »Und morgen die ganze Welt« startet zwar am Donnerstag im Kino. Doch wer ihn sehen will, muss sich beeilen: Wegen der Corona-Pandemie sind die Kinos ab Montag alle erst mal dicht. dpa

Musik

Barry Manilow: Comeback mit neuem Album und Videoclip aus Schönefeld

Der legendäre Sänger hat eine Lungenkrebs-Operation hinter sich und Angst um seine Stimme. Einige seiner neuen Lieder sind melancholisch ausgefallen

von Imanuel Marcus  03.06.2026

Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen

Leipziger Fotoausstellung zu jüdischem Leben

Die Ausstellung »Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann« stellt u.a. die Familie des Fotografen vor

 03.06.2026

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  02.06.2026

Programm

Klang, Gang und Streisand: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 3. Juni bis zum 10. Juni

 02.06.2026

Film

Die Entwirrung der UNRWA

Eine neue Dokumentation beleuchtet Geschichte, Auftrag und politische Rolle des Palästinenserhilfswerks

von Maria Ossowski  02.06.2026

Punta Cana

Gal Gadot und Mila Kunis zeigen sich entspannt im Karibikurlaub

Die jüdischen Schauspielerinnen gehen in Puerto Rico ganz besonderen Freizeitaktivitäten nach

 02.06.2026

Leipzig

Jennifer Rush lernte mit dem Sandmännchen Deutsch

Die Sängerin mit jüdischem Familienhintergrund kam als Kind nach Deutschland. Warum das für sie ein Schock war und wie ihr das Fernsehen beim Ankommen geholfen hat

 01.06.2026

Jubiläum

Dichter und Bürgerschreck: Allen Ginsberg vor 100 Jahren geboren

Er lehnte sich gegen eine spießige und militarisierte Gesellschaft auf und propagierte ein ökologisches Bewusstsein: Der US-Dichter Allen Ginsberg war ein Pionier der »Beat-Generation«. Seine Visionen sind heute wieder aktuell

von Holger Spierig  01.06.2026

Reggio Emilia

Konzert von Kanye West in Italien abgesagt

Hintergrund sind Kanye Wests antisemitische Aussagen und die damit verbundene Sorge, große Proteste könnten die Sicherheit gefährden

 01.06.2026