Geburtstag

Unbeirrt und unbequem

Norman Manea Foto: dpa

Auf die Frage, wann er zum Schriftsteller wurde, hat Norman Manea im Interview mit dieser Zeitung 2011 einmal geantwortet: »Sollte ich einer sein, dann begann es mit der Veröffentlichung meines ersten Buches.«

Es ist eine jener Aussagen des 1936 in Rumänien geborenen Autors und Schoa-Überlebenden, die charakteristisch für ihn sind. Hintergründiger Zweifel und ein für viele Intellektuelle unüblicher kindlicher Humor markieren die beiden Pole, die das Werk von Manea bestimmen.

schoa Maneas Lebensthema ist das Exil sowie die faschistischen und kommunistischen Diktaturen im 20. Jahrhundert. Als Kind jüdischer Eltern wurde er 1941 von den Nazis ins Konzentrationslager nach Transnistrien deportiert. Er überlebte die Gefangenschaft, arbeitete nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Hydrotechnik-Ingenieur und schlug sich schließlich als Schriftsteller durch.

Als der Druck des nationalkommunistischen Regimes von Diktator Nicolae Ceausescu auf Intellektuelle immer größer wurde, floh er 1986 ins Exil nach New York. Zwangsläufig schreibt Manea nicht nur aus der Perspektive des Chronisten, sondern auch des Zeitzeugen. Seine Bücher sind das Porträt eines Heimatlosen, dem das Schreiben zum einzigen Vaterland wurde.

In seinem Roman Der schwarze Briefumschlag (1995) beschließt ein Mann in Bukarest Anfang der 80er-Jahre in einem Akt der Auflehnung, den Mörder seines Vaters zu suchen. Dabei verstrickt er sich immer tiefer in den Wirren des Alltags unter der Ceausescu-Diktatur. Überwachung, Drohungen, Paranoia: In diesem hochartifiziellen Werk beschreibt Manea unbeirrt und unbequem die Mechanismen jeder Diktatur.

exil Doch die Erfahrungen in einem totalitären Regime und die Folgen eines Lebens im Exil hat er nicht nur in seinem literarischen Werk behandelt, er hat sie auch fortlaufend essayistisch kommentiert. In seinem Essay-Band Wir sind alle im Exil, der eine Art intellektuelle Autobiografie des Schriftstellers ist, beschreibt er am Beispiel seiner eigenen Erfahrungen und der Auseinandersetzung mit Werken anderer Autoren den Zusammenhang von Exil, Sprache und Schreiben. »Die Sprache«, so Manea, »ist die Plazenta des Schriftstellers, dieses Exilanten par excellence.«

Nach allem, was man hört, arbeitet Manea zurzeit an einem Roman, in dem er zum zweiten Mal über Clowns schreiben wird, eines seiner literarischen Lieblingsmotive. Schon in seinem 1998 veröffentlichten Band Über Clowns legte er seine Charakterisierung des Clowns als »Dummer August« im politischen Betrieb auch auf Grundlage seiner eigenen Biografie dar.

Am 19. Juli feiert der in New York lebende Schriftsteller 80 Jahre alt. Masel Tov und bis 120! ja

Archäologie

Hoffnung auf Latrinen - Grabung legt mittelalterliche Keller frei

Die Funde auf dem Areal der zweiten Jüdischen Gemeinde informieren über das Leben im mittelalterliche Erfurt. Zugleich geben sie Einblicke in die Stadtplanung des 13. Jahrhunderts

von Matthias Thüsing  28.09.2026

Sachsen-Anhalt

Der 7. Oktober und die Folgen: Podiumsdiskussion in Halle

Vor drei Jahren überfielen islamistische Terroristen Israel und rissen damit Gaza in einen bis heute andauernden Krieg. Zeitgleich nahmen weltweit antisemitische Ausschreitungen zu. Diskutanten erörtern die Ursachen

 28.09.2026

Hard-Rock-Legenden

Kiss feiern 50 Jahre »Rock and Roll Over«

Eine umfangreiche Neuauflage des Albums kommt. Was ist enthalten?

 28.09.2026

Babyn Jar

Sie alle hatten einen Namen

In der Schlucht bei Kyjiw ermordeten deutsche Täter am 29. und 30. September 1941 innerhalb von zwei Tagen rund 34.000 Jüdinnen und Juden

von Andreas Albrecht  28.09.2026

Berlin

Verschollene Golem-Filmmusik feiert Berliner Erstaufführung

Der Komponist Hans Landsberger, ein späteres Holocaust-Opfer, hatte die sinfonische Begleitmusik für den Film geschrieben. Seine Komposition gilt als Meilenstein in der Entwicklung der Filmmusik

 28.09.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Wöchentliche Papierflut oder Die kleinen verkannten Kunstwerke

von Nicole Dreyfus  27.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  27.09.2026

Fernsehen

Adolf und seine »Akte«

Die fünfte Staffel von »Babylon Berlin« spielt 1933 zur Zeit von Hitlers Machtergreifung. Unterhaltung mit politischem Anspruch, aber stimmen die Fakten?

von Ayala Goldmann  27.09.2026

Meinung

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026