Stefan Zweig

»Überall Fremder«

Faksimile des Abschiedsbriefs von Stefan Zweig Foto: cc

»Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.« Das schrieb vor 70 Jahren Stefan Zweig in seinem Abschiedsbrief, bevor er sich am 22. Februar im brasilianischen Exil gemeinsam mit seiner Frau Lotte das Leben nahm. Er sei »durch die langen Jahre heimatlosen Wanders erschöpft«, klagte der 60-Jährige. Der Brief steht jetzt als Faksimile online. Die israelische Nationalbibliothek, die ein Stefan-Zweig-Archiv unterhält, hat ihn ins Netz gestellt.

bestseller Stefan Zweig, 1881 in Wien geboren, war einer der erfolgreichsten Schriftsteller seiner Zeit. Werke wie Sternstunden der Menschheit oder die Schachnovelle gehören heute zum literarischen Kanon. 1934 emigierte Zweig nach England, nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs von dort nach Brasilien. »Ich bin aufgewachsen in Wien, der zweitausendjährigen übernationalen Metropole, und habe sie wie ein Verbrecher verlassen müssen, ehe sie degradiert wurde zu einer deutschen Provinzstadt«, schrieb er vor seinem Tod. »Mein literarisches Werk ist in der Sprache, in der ich es geschrieben, zu Asche gebrannt worden, in eben demselben Lande, wo meine Bücher Millionen Leser sich zu Freunden gemacht. So gehöre ich nirgends mehr hin, überall Fremder und bestenfalls Gast.« mjw

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