May the Fourth

Talmudschüler der Jedi

Selig sind die Zeiten, für die der Sternenhimmel die Landkarte der gangbaren und zu gehenden Wege ist.» Es war der jüdisch-ungarische Philosoph Georg Lukács, der diese Zeilen 1911 schrieb, in seiner damals epochemachenden Theorie des Romans, die auch eine Theorie universaler Mythen und ihres Leitmotivs ist, der Sehnsucht nach einer «neuen und abgerundeten Totalität».

Welch ein Zufall, dass sein Namensvetter George Lucas diese Sätze 66 Jahre später mit seinem Film Krieg der Sterne in die Tat umsetzte. Die erste Folge der Weltraum-Saga war der Auftakt zu einem bislang siebenteiligen Epos, das viel mehr ist als nur eine Fantasy-Filmsaga. Star Wars ist der Klassiker aller Kult-Fantasy schlechthin.

Am 4. Mai, dem #MayTheFouth einem Wortspiel aus dem legendären Star-Wars-Satz «May the Force be With you, veröffentlichte Disney+ den Trailer zur neuen Serie Obi-Wan Kenobi.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Leitmotiv Und auch, wenn Regisseur und Produzent George Lucas sich selbst als »buddhistischen Methodisten« beschreibt, besitzt das Star Wars-Universum doch viele Bezüge zum Judentum. Dies nicht allein, weil sowohl J.J. Abrams, der Regisseur des neuen Teils Das Erwachen der Macht, der am 17. Dezember 2015 weltweit startete, als auch Harrison Ford sowie Natalie Portman jüdisch sind. Auch andere Figuren und Leitmotive des Epos spielen – mal mehr und mal weniger offensichtlich – auf die jüdische Religion und Kultur an.

Ein kurzer Blick zurück: Mit dem ersten Teil der Star Wars-Saga brach ein neues Zeitalter in der Kinogeschichte an. In seinem Zentrum erzählt der Film die Geschichte des jungen Prinzen Luke Skywalker, der wie Moses von seinen Eltern zum eigenen Schutz ausgesetzt wurde, bei Zieheltern aufwächst und nichts von seiner wahren Herkunft weiß. Nachdem er davon erfährt, wird er nach harten inneren Kämpfen zur Befreierfigur, ja zum politischen Führer seines Volkes. Dieses führt er gegen Widerstände durch einen Wüstenplaneten zu einem Reich des Friedens und besiegt das Böse.

Luke Skywalker ist ein Messias-Charakter, ein prophezeiter und dadurch ein von den Weisen erwarteter Held. Einer dieser Weisen, der versucht, Luke zu tieferer Einsicht zu führen, ist Yoda, dessen Name auf das hebräische Wort »jodea« (»Der Wissende«) anspielt. Wie ein Lehrer an der Talmudschule lehrt Yoda einerseits Gehorsam und tiefere Einsicht in Weltzusammenhänge.

Messias »Vergessen musst du alles, was früher du gelernt«, gibt Yoda ihm am Anfang mit auf den Weg. Zwar geht es am Ende um »höhere Weisheit«, die nur Auserwählten wie Luke und Anakin zugänglich ist. Aber Yoda lehrt auch Vernunft und Selbstbeherrschung und eine Weltsicht, die in ihrer Idee, eine Kraft zu werden, die die ganze Welt durchzieht und in jedem ihrer Bestandteile präsent ist, an den Pantheismus von Baruch de Spinoza erinnert.

Lukes Vater Anakin/Darth Vader ist eine komplexe Figur. Schon früh bemerkten Fans, dass auf der Brust der einschüchternden Uniform dieses Erzschurken hebräische Buchstaben stehen. Sie sind schwer zu entziffern, Lucas selbst hat jede Auskunft verweigert, aber ein Großteil der Fangemeinde ist sich darin einig, dass es sich um eine Stelle aus dem Buch Exodus über Bußfertigkeit, Unschuld bis zur erwiesenen Schuld handle.

Wie aber kann man die Jedi interpretieren, jenen Elite-Orden exzellent begabter Ritter, die eine besondere Beziehung zur spirituellen »Macht« haben und mit ihr kommunizieren? Ähnlichkeiten zwischen Lucas, ihnen und der jüdischen Gottesidee sind schon mehrfach beschrieben worden, ebenso wie die des Namens von Skywalkers prophetengleichem zweiten Lehrer Obi-Wan Kenobi und dem hebräischen Wort »knavi«, das »wie ein Prophet« bedeutet. »Nicht jeder Name in Star Wars hat einen hebräischen Doppelgänger«, schreibt der Philosoph David Gordon auf der Website shalomlife.com, »aber sicher ist: Die Ähnlichkeiten vieler Namen sind nicht zufällig«.

Talmud Der Autor und NYU-Professor Liel Leibovitz geht einen Schritt weiter und entdeckt Gemeinsamkeiten zwischen den Jedi-Rittern und Juden: »Unsere spirituelle Lebensreise, als Individuen wie als Volk, besteht darin, herauszufinden, was es bedeutet, von Gott erwählt zu sein, welche Verantwortung und welche Privilegien damit verbunden sind.« Zumindest für die Generation der in den frühen 80er-Jahren Aufgewachsenen gelte: »Wir alle wurden Talmudschüler der Jedi.«

Star Wars war in seinen ersten drei Teilen von 1977 bis 1983 eine Einladung zum Träumen, wie die Hoffnung auf Erlösung von einer immer komplexeren Welt. Lucas’ Mythen boten die ersehnte Reduktion von Komplexität und feste Orientierung. Dabei hat Lucas seine Erzählung vom Kampf zwischen Gut und Böse immer wieder mit historischen Bezügen grundiert. Parallelen zur NS-Diktatur und zum Zweiten Weltkrieg sind augenfällig – schon visuell in den Uniformen der »Sturmtruppen«, aber auch in der Darstellung der Propaganda und der Unterdrückung von Minderheiten.

Es geht bei der Saga also auch um eine Art politischer Theologie. Der Krieg zwischen Rebellen und dem Imperium, Republikanern und Tyrannen ist am Ende nur die Außenseite eines transzendentalen Kampfes um alles. Damit setzt George Lucas auf freilich mitunter kindische, aber nicht immer kindlich-unschuldige Weise jenes romantische Konzept in die Tat um, das Star Wars mit vielen Mythen und manchen Romanen verbindet – und das auch sein Namensvetter Georg Lukács in seiner Theorie des Romans benannte: die urmenschliche Sehnsucht nach Trost.

Wien

Israels ESC-Fans: Sind keine Repräsentanten für Politik des Landes

Sie sind stolz, Israels Interpreten anzufeuern und die Landesflagge zu schwingen. Eines wollen die Fans aus Nahost beim ESC aber nicht sein: politische Vertreter

 10.05.2026

Italien

Überschattet von Skandalen: Venediger Kunstbiennale beginnt

Die Jury tritt zurück, die große Feier fällt aus und ein israelischer Künstler sieht sich »völlig isoliert« – die 61. Kunstbiennale in Venedig war schon vor Beginn beschädigt. Nun hat sie ihre Tore offiziell geöffnet

 10.05.2026

Eurovision

Noam Bettan probt mit Buhrufen

Mehrere Länder boykottieren den Eurovision Song Contest 2026 wegen der Teilnahme Israels. Wie geht der Kandidat des Landes damit um, dass er in Wien zudem mit Störaktionen und Buhrufen rechnen muss?

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Aufgegabelt

Geburtstagskuchen

Rezepte und Leckeres

 10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026

Muttertag

Moja Mama!

Die jiddische Mamme ist Motiv in etlichen Witzen. Dabei ist sie so viel mehr. Eine Würdigung aus der Perspektive eines Sohnes

von Jan Feldmann  10.05.2026

Kino

Preise des 32. Jüdischen Filmfestivals Berlin Brandenburg vergeben

Noch bis Sonntag zeigt das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg Produktionen aus 22 Ländern. Die beiden Hauptpreise wurden schon zur Halbzeit verliehen

 09.05.2026

Kulturkolumne

Heißt David demnächst »Dschihad«?

Warum Michelangelo heute nie den Goldenen Löwen der Kunstbiennale-Jury von Venedig bekommen hätte

von Ayala Goldmann  08.05.2026