Medien

»Süddeutsche« beendet Zusammenarbeit mit Karikaturist

Seite 4 der Süddeutschen Zeitung vom 15. Mai 2018 Foto: ja

Nach Kritik an einer als antisemitisch kritisierten Karikatur beendet die »Süddeutsche Zeitung« (SZ) ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem Zeichner Dieter Hanitzsch. Das teilte Hanitzsch selbst am Donnerstag den Zeitungen des »RedaktionsNetzwerks Deutschland« mit.

Die Süddeutsche Zeitung hatte sich nach massiver Kritik an dieser Darstellung bereits öffentlich dafür entschuldigt. Hanitzsch wollte dies nach einem Bericht der Jüdischen Allgemeinen (www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/31630) dagegen explizit nicht tun: »Dass sich die Redaktion entschuldigt, ist ihre Sache. Ich entschuldige mich nicht.« Der Vorwurf, dass man die Zeichnung als antisemitisch auffassen könne, treffe ihn nicht. Auch als Deutscher wolle er die Politik Netanjahus kritisieren können.

Inzwischen ist auch der Deutsche Presserat mit dem Fall befasst und wird ein Prüfverfahren einleiten. Wie eine Sprecherin des Selbstkontrollgremiums am Donnerstag in Berlin mitteilte, gingen bislang sechs Beschwerden beim Presserat ein.

Stereotype Die Zeichnung des Karikaturisten Dieter Hanitzsch zeigt den israelischen Premier in Gestalt der Gewinnerin des Eurovision Song Contest, Netta Barzilai. Er hält eine Rakete mit Davidstern in die Höhe; in den Mund gelegt ist ihm der traditionelle jüdische Ausspruch »Nächstes Jahr in Jerusalem!«. Netanjahu wird mit großen abstehenden Ohren dargestellt, was als antisemitisches Stereotyp gilt.

Im Kurznachrichtendienst Twitter kritisierten mehrere User die Zeichnung als antisemitisch. Sie könne dem Nazi-Wochenblatt »Der Stürmer« entstammen, hieß es.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sieht in der Zeichnung ebenfalls »deutlich antisemitische Züge. Hier werden Assoziationen an die unerträglichen Zeichnungen der nationalsozialistischen Propaganda geweckt«. Auch wenn Karikaturen ironisieren und provozieren sollten, sei hier eine rote Linie überschritten worden, sagte Klein der Jüdischen Allgemeinen.

klischees Deutliche Kritik an der Karikatur äußerte der neue bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle. »Bei allem Verständnis für die künstlerische Freiheit: Die Zeichnung ist mehr als grenzwertig«, sagte der CSU-Politiker. »Hier werden negative Stereotype und Klischees von Juden fatalerweise bewusst oder unbewusst verbreitet – die Aufregung über die Karikatur ist zu Recht groß.«

Ganz ähnlich sieht das der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume. »Karikaturen arbeiten mit Symbolen, und Symbole wecken Assoziationen. So bestätigt der Davidstern im Eurovision-Schriftzug die klassischen antisemitischen Verschwörungsmythen von abgekarteten Kulturveranstaltungen, bei denen verborgene Juden vorab das Ergebnis festgelegt hätten«, sagte Blume.

»Genau dieses Narrativ habe ich schon unmittelbar nach dem Finalsieg Israels von türkischen, arabischen, russischen und deutschen Stimmen lesen müssen, jetzt wurde es auch noch scheinbar durch eine bedeutende, deutsche Zeitung bestätigt. Es ist ärgerlich, dass all unsere Aufklärungsarbeit offensichtlich selbst Medienprofis noch nicht ausreichend erreicht und sensibilisiert hat«, so der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte weiter.

beschwerdeausschuss Der Beschwerdeausschuss des Presserats entscheidet am 12. Juni über den Fall.

Unterdessen hat sich die Kölnerin Malca Goldstein-Wolf in einem Offenen Brief an Frank-Walter Steinmeier gewandt. Sie fordert den Bundespräsidenten darin auf, dem Karikaturisten das 2014 verliehene Bundesverdienstkreuz abzuerkennen. »Man sollte meinen, dass eine derartige Auszeichnung mit einer besonderen moralischen Verpflichtung einhergeht«, schreibt sie. Die Veröffentlichung der Karikatur sei eine Schande, so Goldstein-Wolf weiter. »Eine noch größere Schande wäre es allerdings, wenn einem Karikaturisten, der sein Unrecht weder einsieht, noch dass er sich entschuldigen will, das Bundesverdienstkreuz nicht aberkannt wird.« Eine entsprechende Online-Petition hatte am Freitag bereits mehr als 1600 Unterzeichner. epd/ppe

Aufgegabelt

Mazze-Granola

Rezept der Woche

von Katrin Richter  31.03.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Neues aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richter  31.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Pessach im Klassenzimmer oder Was Freiheit bedeutet

von Nicole Dreyfus  31.03.2026

Kolumne

Shkoyach!

Warum Schläge mit der Frühlingszwiebel am Sederabend nicht völkerrechtswidrig sind

von Ayala Goldmann  31.03.2026

»Imanuels Interpreten« (19)

Bette Midler: Das Energiebündel

Sängerin, Comedienne und Schauspielerin mit Persönlichkeit: »The Divine Miss M« ist ein Unikum

von Imanuel Marcus  31.03.2026

München

Urys »Interieur mit Kindern« werden restituiert

Ein Bild mit einer spannenden Geschichte kehrt nun aus Bayern in den Schoß der rechtmäßigen Erben zurück. Vorausgegangen ist eine umfangreiche Provenienzforschung zur Herkunft des Gemäldes

von Barbara Just  30.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

Quedlinburg

Feininger-Museum mit Jubiläumsausstellung zur »Blauen Vier«

Quedlinburg bietet mehr als Stiftskirche und Fachwerk: Am Montag wird im Museum Lyonel Feininger eine Sonderausstellung mit Werken der Künstlergruppe »Die Blaue Vier« um Paul Klee und Wassily Kandinsky eröffnet

 30.03.2026

Kolumne

Der Mandelbaum und die »hot mitzvah«

Fernsehen statt Fernreise oder Warten auf ein Ende des Krieges

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2026