Yad Vashem

Späte Ehrung für Polanski-Retter

Als Neunjähriger wurde Roman Polanski von einem polnischen Ehepaar vor den Nazis versteckt. Foto: imago images/Eastnews

Als Roman Polanski im Jahr 2002 der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem einen Besuch abstattete, entdeckte er in der »Halle der Erinnerung« auch den Namen des Konzentrationslagers Mauthausen.

Als er den Direktor der Institution darauf ansprach, dass sein Vater, der Maler und Bildhauer Mojżesz Maurycy Liebling (später Polanski), mehr als zwei Jahre lang in jenem Lager in Österreich interniert gewesen war, wurde spontan das Archiv der Gedenkstätte durchsucht – und eine Registerkarte für Liebling gefunden. Es sei das erste Mal gewesen, so Roman Polanski damals, dass er persönliche Informationen über seinen Vater nicht nur vom Hörensagen, sondern aus Unterlagen der Nazis selbst bekommen habe.

VERSTECK Mojżesz Maurycy Liebling war Jude. Polanskis Mutter Bula Katz-Przedborska war zwar katholisch, hatte aber ebenfalls jüdische Vorfahren. Roman wurde 1933 in Paris als Raymond Thierry Liebling geboren. 1937 ging er gemeinsam mit seiner Familie zurück nach Polen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Lieblings von den deutschen Besatzern in das jüdische Ghetto in Krakau eingewiesen. Schon kurze Zeit später wurde die Familie auseinandergerissen: Während der Vater nach Mauthausen deportiert wurde und dort die Schoa überlebte, hatte die Mutter Romans weniger Glück: Sie wurde 1942 von den Nazis nach Auschwitz gebracht und ermordet.

Vor seiner Deportation gelang es dem Vater, den zehnjährigen Roman aus dem Ghetto zu schmuggeln.

Vor seiner Deportation gelang es dem Vater aber noch, den zehnjährigen Roman aus dem Ghetto zu schmuggeln. Roman gelangte in die Obhut polnischer Bauern in der Nähe des Weilers Wysoka, 30 Kilometer südlich von Krakau gelegen.

Stefania und Jan Buchala waren Polanskis Erinnerungen zufolge »schrecklich arm« und besaßen gerade einmal ein Hektar Land und eine Kuh. Das Ehepaar hatte zudem selbst drei Kinder. Dennoch nahmen sie Roman in ihrem Haus auf und hielten ihn dort zwei Jahre lang, bis zum Kriegsende, vor den Nazis versteckt – allen Widrigkeiten zum Trotz.

EHRUNG Jetzt werden die Buchalas posthum mit dem Ehrentitel »Gerechte unter den Völkern« von Yad Vashem geehrt werden – auf Betreiben des Geretteten selbst. Kommende Woche wird die israelische Holocaust-Gedenkstätte die Auszeichnung an den Enkelsohn der Retter in Polen übergeben.

Roman Polanski plant, ebenfalls dabei sein. Nach dem Krieg habe er zwei Mal versucht, das Ehepaar zu besuchen, sie allerdings nicht mehr angetroffen, so der heute 87-Jährige in einem Brief an Yad Vashem. In seiner Autobiografie Roman par Polanski schildert der Regisseur seine Zeit bei den Buchalas.

In den letzten Jahrzehnten hat Polanski hauptsächlich in Frankreich gelebt, um eine Auslieferung an die Vereinigten Staaten zu vermeiden, wo er seit Ende der 70er-Jahre von der Justiz wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen gesucht wird. Für seinen Film Der Pianist, bei dem es um den Aufstand im Warschauer Ghetto ging, gewann er 2002 einen Oscar als bester Regisseur. mth

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