Stockholm

Signale aus dem All

Die diesjährigen Nobelpreisträger für Physik: Rainer Weiss, Barry C. Barish und Kip S. Thorne (v.l.) Foto: Nobel Media AB 2017

Ebenso wie der Nobelpreis für Medizin geht auch der für Physik in diesem Jahr an drei amerikanische Wissenschaftler. Das hat das Nobelpreiskomitee in Stockholm am Dienstag bekannt gegeben. Rainer Weiss, Kip S. Thorne und Barry C. Barish werden »für entscheidende Beiträge zum LIGO-Detektor und die Beobachtung von Gravitationswellen« ausgezeichnet. Die eine Hälfte des Preisgelds von neun Millionen schwedischer Kronen geht an Weiss, die andere Hälfte teilen sich Thorne und Barish.

Gravitationswellen, Verzerrungen der vierdimensionalen Raumzeit, hatte Albert Einstein im Jahr 1916 erstmals theoretisch beschrieben; sie ergaben sich aus seiner Allgemeinen Relativitätstheorie. Einstein war allerdings sicher, dass sie sich niemals würden beobachten lassen.

Schwarze Löcher
Jahrzehntelang haben Forscher nach Spuren von Gravitationswellen gesucht. Dabei war lange Zeit umstritten, ob es sie tatsächlich gibt oder ob sie ein rein theoretisches Konstrukt sind. Am 14. September 2015 gelang dann schließlich zum allerersten Mal ein direkter Nachweis von Gravitationswellen mithilfe der Advanced-LIGO-Detektoren in den USA.

Das gemessene Signal stammte von zwei Schwarzen Löchern, die einander umkreisten und schließlich miteinander verschmolzen. Diese Schwarzen Löcher sind 1,3 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt; das heißt, die Gravitationswellen benötigten 1,3 Milliarden Jahre, um zur Erde zu gelangen, da sie sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten.

Seither haben die Wissenschaftler am LIGO noch drei weitere Signale aufgespürt, allesamt von verschmelzenden Schwarzen Löchern. Das jüngste Signal wurde am 14. August dieses Jahres gemessen.

Kollaboration Rainer Weiss vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) hatte bereits in den 70er-Jahren mögliche Störeffekte bei der Messung von Gravitationswellen untersucht und einen Detektor entworfen, der Signale aufspüren könnte: ein Laserinterferometer. Kip Thorne vom California Institute of Technology (Caltech) lieferte die theoretischen Analysen.

Ihre Arbeiten mündeten 1992 schließlich in die Gründung des Gravitationswellen-Detektors LIGO (Laser-Interferometer Gravitationswellen-Observatorium) mit zwei Standorten in den Bundesstaaten Washington und Louisiana. Barry Barish vom Caltech leitete das LIGO-Projekt ab 1994 und baute es zu einer internationalen Kollaboration aus, an der heute mehr als 1000 Wissenschaftler aus aller Welt mitarbeiten. Unter seiner Leitung wurden 2015 die ersten Gravitationswellen gemessen.

Barry Barish wurde 1936 in Omaha, Nebraska geboren und wuchs in New York auf. Seine Großeltern waren jüdische Einwanderer aus Polen. Rainer Weiss kam 1932 in Berlin zur Welt. Sein Vater Friedrich Weiss war jüdischer Kommunist, Neurologe und Psychoanalytiker und war mit Walther Rathenau befreundet. Die Familie floh vor den Nazis zuerst nach Prag und 1938 weiter in die USA. Die philanthropische Stix-Familie aus St. Louis, die zahlreiche europäische Juden durch die Vermittlung von Visa rettete, verschaffte auch der Familie Weiss Visa für die Vereinigten Staaten.

Junge Israelis, die von Beta Israel, äthiopischen Juden, abstammen

Hamburg

2,5 Millionen Euro für Erforschung religiöser jüdischer Handschriften

Sophia Dege-Müller, Expertin für äthiopische Handschriften, erforscht religiöse Handschriften der äthiopischen Juden, der sogenannten Beta Israel. Ihre bis zu 500 Jahre alten Schriften seien bislang kaum wissenschaftlich untersucht worden

 03.09.2026

Medien

Wie »Die Zeit« den fanatischen Israelhasser Zohran Mamdani zur politischen Lichtgestalt umdeutet

von Regula Stämpfli  03.09.2026

Debatte

Öffentlich-Rechtliche Medien: Macht euren Job, aber macht ihn besser!

Ein Appell von Esther Schapira

von Esther Schapira  03.09.2026

Medien

Stephan-Andreas Casdorff ist wieder für den »Tagesspiegel« tätig

Die KI-generierten Meinungstexte von Stephan-Andreas Casdorff im »Tagesspiegel« hatten in der Branche für viel Aufruhr gesorgt. Seit Juni hatte der Ex-Chefredakteur seine Tätigkeit ruhen lassen. Nun kehrt er zurück

von Jana Ballweber  03.09.2026

Literatur

Die perfekte Paranoia

»Howl« ist eine romangewordene Angstattacke, die Hoffnung macht. So etwas kann nur der britische Schriftsteller Howard Jacobson

von Sophie Albers Ben Chamo  03.09.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  03.09.2026

Jubiläum

50 Jahre Muppets: »Applaus, Applaus, Applaus!«

Am 5. September 1976, vor 50 Jahren, strahlte der britische Sender ITV die erste Folge der »Muppet Show« aus. Das geplant chaotische Format wurde ein weltweiter Erfolg

von Alexander Brüggemann  03.09.2026

Kunst

Mehr als heiße Luft

Ausgerechnet ein jüdisches Rhinozeros liefert in Sachsen-Anhalt einen prägnanten Kommentar zur Landtagswahl. Ein Treffen mit dem israelischen Künstler Itamar Gov

von Sophie Albers Ben Chamo  03.09.2026

Kino

»Die Realität, in der wir leben«

Das israelische Filmfestival »Seret« zeigt atemberaubend dramatische wie komische Filme und Dokumentationen

von Helmut Kuhn  03.09.2026