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»Shoah«

Helfershelfer: Polnischer Eisenbahner, einst in SS-Diensten in Treblinka Foto: arte

»Das Filmereignis des Jahrhunderts« nannte die Washington Post Claude Lanzmanns Shoah, als die neunstündige Dokumentation 1985 erstmals gezeigt wurde. Elf Jahre lang war der französische Filmemacher durch 14 Länder gereist und hatte mit Zeitzeugen des Völkermords an den europäischen Juden gesprochen – Opfern, Tätern und Zuschauern. Nur aus deren Aussagen besteht der Film. Auf filmisches oder anderes Archivmaterial über die »Endlösung« hatte Lanzmann bewusst verzichtet. »Wenn ich einen Film gefunden hätte – einen geheimen Film, weil das Filmen verboten war –, gedreht durch die SS, in dem gezeigt wird, wie 3.000 Juden – Männer, Frauen und Kinder – zusammen sterben, in der Gaskammer des Krematoriums 2 in Auschwitz ersticken, so würde ich ihn nicht nur nicht gezeigt haben, ich hätte ihn sogar vernichtet.« Stattdessen lässt Lanzmann seine Protagonisten ungefiltert sich vor der Kamera erinnern, manchmal verdrängen, gelegentlich auch psychisch kollabieren, um die Zuschauer aus der historisierenden Distanz zu reißen. »Legende, Mythos und Fiktion zersetzen und verwässern die erbarmungslose und nackte Wirklichkeit des Holocaust. Sie führen zu einer hemmungslosen, unumschränkten Trivialisierung«, so Lanzmann. »Legenden können nicht zerstört werden, indem ihnen Erinnerungen entgegengesetzt werden, sondern nur, indem sie mit der unfassbaren Gegenwart konfrontiert werden, aus der sie hervorgegangen sind. Dies gelingt nur dadurch, dass die Vergangenheit als Gegenwart lebendig gemacht und in einer zeitlosen Aktualität wiederhergestellt wird.« Arte zeigt Shoah in zwei Teilen am kommenden und übernächsten Mittwoch.

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