Kolumne

Shkoyach!

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Shkoyach!

Warum Schläge mit der Frühlingszwiebel am Sederabend nicht völkerrechtswidrig sind

von Ayala Goldmann  31.03.2026 14:59 Uhr

Waren Sie schon einmal bei einem bucharischen Seder? Dann wissen Sie, was Sie bei den langweiligen aschkenasischen Sederabenden mit der ewig gleichen Mazzeknödelsuppe und dem staubigen Charosset ohne Datteln immer vermisst haben – nämlich den genialen Brauch, einander beim »Dajenu« mit einer Frühlingszwiebel über den Kopf zu schlagen.

Wer es nicht kennt: »Dajenu« ist eine der bekanntesten Passagen aus der Pessach-Haggada. Frei nach Giovanni Trapattoni könnte man das hebräische Wort mit »Ich habe fertig!« übersetzen, oder in korrekterem Deutsch: »Es hätte uns gereicht!« Gemeint sind die Wohltaten des Allmächtigen, vom Auszug aus Ägypten über die Teilung des Roten Meeres und die Gabe der Tora bis hin zum Einzug nach Eretz Israel und dem Bau des Tempels, und jede einzelne Tat hätte uns vollauf genügt.

Die Zwiebel-Prügel bei persischen Juden ein bekannter Brauch.

Doch leider gibt es seit dem Auszug aus Ägypten eine Unmenge negativer Ereignisse in der jüdischen Geschichte, die – jedes für sich genommen – aus meiner bescheidenen Sicht absolut »gereicht« hätten. Vom Zweiten Weltkrieg und dem Völkermord an den europäischen Juden bis zum 7. Oktober und den Kriegen zwischen dem Iran und Israel.

Was würde ich dafür geben, mit meinem Cousin und seiner Frau, deren Familie aus Buchara stammt, wieder in Israel Pessach zu feiern! Stattdessen werden sie den Afikoman wohl im Bunker in Raanana verstecken – und wir in der Diaspora besorgt an sie denken. Reicht es nicht endlich mit den Raketen aus dem Iran? »Dajenu!« Es ist genug!

Reicht es nicht endlich mit den Raketen aus dem Iran? »Dajenu!« Es ist genug!

Zurück zur Frühlingszwiebel: Diesen Minhag habe ich erst bei meiner besagten Familie in Raanana kennengelernt, und mein damals siebenjähriger Sohn hat ihn 2016 dort zum ersten Mal praktiziert. Bis heute liebe ich das Video, in dem der Kleine sich hinter den Stühlen am Sedertisch an den Verwandten mit der Glatze heranpirscht, um ihm vergnügt die Zwiebel über den Kopf zu ziehen.

Was ich bis vor Kurzem nicht wusste: Die Zwiebel-Prügel sind nicht nur bei bucharischen, sondern auch bei persischen Juden ein bekannter Brauch. Da die Vorfahren von bucharischen Juden aus dem babylonischen Exil nach Zentralasien auswanderten und die älteren unter ihnen heute noch einen persisch-jüdischen Dialekt namens Buchori sprechen, ist die Überschneidung kein Wunder.

Über die Bedeutung dieses Brauchs habe ich mir nie Gedanken gemacht ...

Nie habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was das Schlagen mit der Zwiebel eigentlich soll. Dabei ist Pessach doch ein so symbolisches Fest, bei dem jede Speise ihre Bedeutung hat. Wie ich nun gerade ergoogelt habe, symbolisiert der Brauch das Auspeitschen der israelitischen Sklaven in Ägypten.

»Israelkritiker«, habt ihr verstanden? Hallo, wir waren die Opfer! Sie haben uns ausgepeitscht! Nicht umgekehrt! Aber ich höre jetzt schon das Genörgel: Menschen mit Zwiebeln zu prügeln sei »völkerrechtswidrig«! Und typisch für wahlweise die Israelis oder die Juden, die immer gleich zuschlagen müssten. Oy, Gewalt!

Bestimmt sind unter den Kritikern auch einige von unserem Stamm, die der Bundespräsident womöglich zu seinen jüdischen Freunden zählt. Vielleicht haben sie ihn sogar eingeladen und feiern a là Aschkenas mit zehn Jahre altem Manischewitz, Charosset aus angestaubten Walnüssen und Frank-Walter Steinmeier. Schnarch! Bei unserem bucharischen Seder in Berlin-Friedenau wird es zugehen wie im richtigen Leben. Und die Frühlingszwiebeln liegen schon bereit!

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