Wuligers Woche

Roger Waters’ Mimimi

Musiker und BDS-Fanboy Roger Waters (2018) Foto: dpa

Roger Waters liebt die Heldenpose. Bei seinen Konzerten präsentiert sich der Musiker als furchtloser Kämpfer gegen das Unrecht dieser Welt, vor allem gegen Israel, dessen Existenz für den BDS-Propagandisten das größte Unrecht überhaupt zu sein scheint. Wie bei vielen Bühnenhelden allerdings ist der reale Mensch hinter der Rolle nicht ganz so heroisch, wie er sich vor dem Publikum geriert.

Der »Pink Floyd«-Mitbegründer gehört eher zu der Spezies, die zwar gern austeilt, beim Einstecken jedoch rasch anfängt, wehleidig zu greinen. Man kennt solche Typen aus der Schulzeit. Sie machten sich einen Spaß daraus, Schwächere zu triezen und zu schikanieren – bis die sich wehrten. Dann liefen die Mobber zum Lehrer und heulten, sie seien angegriffen worden.

Fantasien Was dem Schulhofschläger die Pausenaufsicht, ist bei Waters die Justiz. Er gab vergangene Woche bekannt, gegen den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter rechtlich vorzugehen. Der SPD-Politiker hatte zuvor dem Rockstar attestiert: »Wer – wie Roger Waters – antisemitische Boykottkampagnen gegen Israel unterstützt, von einer ›ungemein mächtigen jüdischen Lobby‹ fantasiert oder eine Parallele zwischen der politischen Situation in Israel und den beispiellosen nationalsozialistischen Verbrechen an den europäischen Juden zieht, muss sich (...) den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen.«

Das will der singende Antizionist nicht auf sich sitzen lassen. »Unser Mandant ist entsetzt über Ihre falsche Darstellung von ihm und seinen Äußerungen als antisemitisch«, teilt die Berliner Nobelkanzlei Schertz Bergmann in etwas unbeholfener Syntax dem Oberbürgermeister mit. Es sei »in erheblichem Maße geeignet, das Ansehen unseres Mandanten in der Öffentlichkeit herabzusetzen«. Wirklich? »Antisemit« dürfte bei manchen BDS-Fans eher als Ehrentitel gelten.

Aber Rogers Beschwerden gehen noch weiter. OB Reiter hatte auch angekündigt, die stadteigene Olympiahalle künftig nicht mehr für Konzerte an Waters zu vermieten. Das komme »einem regelrechten Boykottaufruf gleich«, moniert der Anwalt des Altrockers. Entweder der Mann kennt seinen Mandanten nicht, oder er hat Sinn für Ironie.

Druck »Boykott« ist Roger Waters’ zweiter Vorname. Das B in BDS steht nicht für »Badeanstalt«. Waters, der immer wieder Druck auf Musikerkollegen macht, in Israel nicht aufzutreten, hat bislang mit Boykotten kein moralisches Problem gehabt. Jetzt, da ihn vermeintlich selbst einer trifft, jault er auf, ganz die verfolgte Unschuld.

Da ist der BDS-Herr wie sein Gescherr. Antizionisten ist generell ei­ne Mischung aus Aggressivität und Wehleidigkeit zu eigen. Erst attackieren sie mit ungebremster Vehemenz ihr Feindbild Israel. Folgt darauf Kritik, gar Widerstand, machen sie larmoyant auf Opfer. Heldentum sieht anders aus. Roger Waters sollte sein musikalisches Talent einsetzen und für sich und seine Mitstreiter eine Hymne schreiben. Der Titel könnte lauten: Mimimi.

Sehen!

1961: Eichmann vor Gericht

ARD, BR und ARD-alpha mit einem Programmschwerpunkt

 11.04.2021

Kino

Steven Spielberg verfilmt seine eigene Kindheit

Auch der Judenhass, den die Familie Spielberg erleiden musste, soll in dem Film eine Rolle spielen

 09.04.2021

Sebastian Pufpaff

»Für mich gibt es kein Tabu«

Der Kabarettist über den Hashtag WeRemember, Demokratie und die Aufgabe des Satirikers

von Katrin Richter  08.04.2021

Fernsehen

Jubiläumsshow zu 50 Jahre »Dalli Dalli«

Die Quizsendung brachte den Berliner Schoa-Überlebenden Hans Rosenthal einem Millionenpublikum nahe

 08.04.2021

»Shtisel«

Es geht weiter – Schkojech!

Die dritte Staffel der beliebten Serie ist endlich bei Netflix zu sehen

von Tobias Kühn  08.04.2021

Finale

Der Rest der Welt

Kinder in der Vollkorn-Lethargie: Sollen sie doch wieder Kuchen essen

von Margalit Berger  08.04.2021

Zahl der Woche

1 Astronaut

Fun Facts und Wissenswertes

 08.04.2021

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  08.04.2021

Yehuda Bauer

»Fakten, nicht Meinungen«

Der Historiker über Geschichtspolitik, Antisemitismusdefinitionen und offizielles Gedenken

von Michael Thaidigsmann  07.04.2021