Wuligers Woche

Roger Waters’ Mimimi

Geht juristisch gegen Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter vor: der britische Musiker und BDS-Unterstützer Roger Waters Foto: dpa

Roger Waters liebt die Heldenpose. Bei seinen Konzerten präsentiert sich der Musiker als furchtloser Kämpfer gegen das Unrecht dieser Welt, vor allem gegen Israel, dessen Existenz für den BDS-Propagandisten das größte Unrecht überhaupt zu sein scheint. Wie bei vielen Bühnenhelden allerdings ist der reale Mensch hinter der Rolle nicht ganz so heroisch, wie er sich vor dem Publikum geriert.

Der »Pink Floyd«-Mitbegründer gehört eher zu der Spezies, die zwar gern austeilt, beim Einstecken jedoch rasch anfängt, wehleidig zu greinen. Man kennt solche Typen aus der Schulzeit. Sie machten sich einen Spaß daraus, Schwächere zu triezen und zu schikanieren – bis die sich wehrten. Dann liefen die Mobber zum Lehrer und heulten, sie seien angegriffen worden.

Fantasien Was dem Schulhofschläger die Pausenaufsicht, ist bei Waters die Justiz. Er gab vergangene Woche bekannt, gegen den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter rechtlich vorzugehen. Der SPD-Politiker hatte zuvor dem Rockstar attestiert: »Wer – wie Roger Waters – antisemitische Boykottkampagnen gegen Israel unterstützt, von einer ›ungemein mächtigen jüdischen Lobby‹ fantasiert oder eine Parallele zwischen der politischen Situation in Israel und den beispiellosen nationalsozialistischen Verbrechen an den europäischen Juden zieht, muss sich (...) den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen.«

Das will der singende Antizionist nicht auf sich sitzen lassen. »Unser Mandant ist entsetzt über Ihre falsche Darstellung von ihm und seinen Äußerungen als antisemitisch«, teilt die Berliner Nobelkanzlei Schertz Bergmann in etwas unbeholfener Syntax dem Oberbürgermeister mit. Es sei »in erheblichem Maße geeignet, das Ansehen unseres Mandanten in der Öffentlichkeit herabzusetzen«. Wirklich? »Antisemit« dürfte bei manchen BDS-Fans eher als Ehrentitel gelten.

Aber Rogers Beschwerden gehen noch weiter. OB Reiter hatte auch angekündigt, die stadteigene Olympiahalle künftig nicht mehr für Konzerte an Waters zu vermieten. Das komme »einem regelrechten Boykottaufruf gleich«, moniert der Anwalt des Altrockers. Entweder der Mann kennt seinen Mandanten nicht, oder er hat Sinn für Ironie.

Druck »Boykott« ist Roger Waters’ zweiter Vorname. Das B in BDS steht nicht für »Badeanstalt«. Waters, der immer wieder Druck auf Musikerkollegen macht, in Israel nicht aufzutreten, hat bislang mit Boykotten kein moralisches Problem gehabt. Jetzt, da ihn vermeintlich selbst einer trifft, jault er auf, ganz die verfolgte Unschuld.

Da ist der BDS-Herr wie sein Gescherr. Antizionisten ist generell ei­ne Mischung aus Aggressivität und Wehleidigkeit zu eigen. Erst attackieren sie mit ungebremster Vehemenz ihr Feindbild Israel. Folgt darauf Kritik, gar Widerstand, machen sie larmoyant auf Opfer. Heldentum sieht anders aus. Roger Waters sollte sein musikalisches Talent einsetzen und für sich und seine Mitstreiter eine Hymne schreiben. Der Titel könnte lauten: Mimimi.

Schule

Wissenschaftler fordert bessere Holocaust-Bildung

Es sei wichtig, mit der Vermittlung der Schoa bereits bei der Ausbildung der Lehrer anzusetzen

 12.11.2019

NS-Raubkunst

Leitfaden zur Provenienzforschung veröffentlicht

Die Publikation des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste soll als Orientierungshilfe für Museen und Sammlungen dienen

 12.11.2019

Karneval

Protest mit »Applausminute«

»Kölsche Kippa Köpp« will auf Antisemitismus aufmerksam machen

 11.11.2019

Filmvertrag

Woody Allen und Amazon legen Rechtsstreit bei

Der Fall soll ohne Urteil abgewiesen worden sein

 10.11.2019

Lesen!

»Kompass ohne Norden«

Neal Shustermans neuer Roman über seinen Sohn

von Katrin Diehl  10.11.2019

Filmgeschichte

Rückkehrer und Dagebliebene

Wie jüdische Regisseure ihre Erfahrungen mit Deutschland künstlerisch verarbeiten

von Lea Wohl von Haselberg  10.11.2019