Nachruf

Richard Serra, ein Poet des Stahls

Richard Serra (1938–2024) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nachruf

Richard Serra, ein Poet des Stahls

Zum Tod des Bildhauers Richard Serra

von Katharina Cichosch  10.04.2024 16:40 Uhr

Als Richard Serra, der große US-amerikanische Bildhauer, am 26. März auf Long Island starb, fanden sich einige ähnlich lautende Schlagworte in seinen Nachrufen: Stahlarbeiter, Poet des Stahls, stählerner Künstler gar. Sein Name ist zum Inbegriff einer XXL-Kunst geworden, wie es sie zuvor kaum gegeben hatte – eine zeitgenössische Version des Denkmals vielleicht, eine Art universelle Sinnstiftung über Raum und Zeit hinaus. Und stets aus Metall.

So reduziert einerseits und so mächtig andererseits, dass sie mancher als reines Ärgernis empfand. Serra hat die Kunstwelt der Nachkriegszeit geprägt wie wenige andere Bildhauer. Und sicherlich ist es ebenso der Liebe zum Material wie dem Leben als US-Amerikaner zuzurechnen, dass er in derart großen Maßstäben dachte und baute.

Sohn eines spanischen Vaters und einer russisch-jüdischen Mutter

Richard Serra wurde 1938 als Sohn eines spanischen Vaters und einer russisch-jüdischen Mutter in San Francisco geboren. Er studierte Englische Literatur und später Kunstgeschichte, sein Geld verdiente er im Stahlwerk. Später sollten brachiale Metalle zum Aushängeschild seiner eigenen Kunst werden. Schon davor waren es stets das Material und dessen körperliche Präsenz, die ihn interessierten, wie Gummi, Neon oder Blei. Skulpturen in kleinerem Maßstab gehören zu Serras Werk wie Zeichnungen und Drucke.

Berühmt aber wurde er vor allem für seine massiven Arbeiten aus Eisen oder Stahl, die sich zum Beispiel als Kubus (wie der »Berlin Block for Charlie Chaplin« vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin) oder gebogene Wand im öffentlichen Raum behaupten. Auch am Entwurf des Holocaust-Mahnmals war Serra ursprünglich gemeinsam mit Peter Eisenman beteiligt, die Grundidee eines Stelenfelds stammte von ihm. Nach deutlicher Veränderung des Grundentwurfs im Laufe des Wettbewerbs schied er später aus.

Gut möglich, einer von Serras teils haushohen Skulpturen ganz unverhofft über den Weg zu laufen: Der Künstler hinterlässt der Welt Tonnen geschmiedeten, gerollten und angerosteten Stahls in vielen Dutzend Museen und Metropolen, in der Wüste und am niederländischen Deich. Richard Serras Skulpturen sind auf eine kompromisslose Weise monumental und zugänglich, beides zur gleichen Zeit.

Glosse

Deutschland sucht den Nazi

Der »Spiegel« und die »Zeit« helfen den Deutschen, die Nazis unter den Vorfahren aufzuspüren - und verdienen damit ganz nebenbei gutes Geld. Richtig so, findet unser Autor

von Michael Thaidigsmann  19.06.2026

Fußball

»Ich weiß, wer Weltmeister wird«

Uri Geller über die Weltmeisterschaft, den Gewinner des Turniers und seinen fatalen Einfluss auf einen verschossenen Elfmeter bei der EM 1996

von Detlef David Kauschke  19.06.2026

»Imanuels Interpreten« (22)

Herbie Mann: Der Klangsetzer

Sein Motto: »Wenn du die Musik von jemandem spielen willst, gehe zu ihm nach Hause.« Er setzte dies um, hatte dann aber die Jazz-Polizei am Hals

von Imanuel Marcus  19.06.2026

Kommentar

Nimm die Wahrheit an, von wem auch immer sie gesagt wurde

Bisweilen wirkt die Debatte um KI-generierte Texte absurd. Denn die Qualität eines Arguments sollte entscheidender sein als sein Urheber

von Leeor Engländer  18.06.2026

Literatur

Prophet im eigenen Land

Ein neuer Band mit bisher unveröffentlichten Texten von Amos Oz zeigt den israelischen Schriftsteller als reflektierten Staatsbürger und überzeugten Zionisten

von Marko Martin  18.06.2026

Essen

»Schakschuka ist der Favorit«

Der deutsch-israelische Koch Tom Franz hat ein Buch über das Frühstück geschrieben. Hier spricht er über geflochtenen Lachs, clevere Vorräte und die Frage, warum er die erste Mahlzeit des Tages auslässt

von Katrin Richter  18.06.2026

Ausstellung

Androgyn, zeitlos, modern

Das Georg Kolbe Museum in Berlin widmet sich der britischen Ausnahmekünstlerin Marlow Moss – erstmals in Deutschland

von Alicia Rust  18.06.2026

Streaming

Bringt Gali nach Hause!

Eine junge Israelin wird in Moskau verhaftet. Die Serie »Unconditional« erzählt vom Kampf einer Mutter gegen die Justiz

von Chris Schinke  18.06.2026

Köln/Hamburg/Leipzig

Mit diesen prominenten Weggefährten feiert Wolf Biermann seinen 90. Geburtstag

Der legendäre Liedermacher wird am 15. November 90 Jahre alt

 18.06.2026