Oberammergauer Passionsspiele

Regisseur Stückl erneut für Einsatz gegen Antisemitismus geehrt

Christian Stückl, der Spielleiter der Passionsspiele Foto: picture alliance/dpa

Der Leiter der Oberammergauer Passionsspiele, Christian Stückl, ist erneut für seinen Einsatz gegen Antisemitismus geehrt worden. Am Mittwochabend nahm er in Oberammergau den Isaiah Award des American Jewish Committee (AJC) entgegen.

»Christian Stückl hat in seiner glanzvollen Karriere als Oberammergauer Passionsspielleiter bewiesen, dass ein Einzelner Großes bewirken kann«, sagte der Rabbiner Noam Marans bei der Preisverleihung. Stückl habe ein Theaterstück genommen, das für seine antisemitische Darstellung in trauriger Weise bekannt war, und habe es transformiert in ein pädagogisches Instrument für christliche und deutsche Selbstreflexion, das zu Fortschritt und Versöhnung in christlich-jüdischen und deutsch-jüdischen Beziehungen führte. 

Stückl habe mit seinem »bemerkenswerten Team« Oberammergau in eine neue Ära des Spiels geführt, in der man sich zu der problematischen Vergangenheit bekenne und kontinuierlich an einer guten Gegenwart und einer noch besseren Zukunft arbeite, begründete Marans die Preisvergabe an Stückl. Die Auszeichnung des AJC würdigt herausragende Leistungen im interreligiösen Bereich.

Stückl inszenierte die Passionsspiele dieses Jahr zum vierten Mal. »Als ich 1990 die Leitung der Passionsspiele übernahm, war es mein größtes Anliegen, den Antijudaismus aus unseren Passionsspielen auszumerzen«, sagte der 60-Jährige. »Es musste etwas passieren. Wir haben uns zu lange nicht mit unserer Geschichte auseinandergesetzt.«

Stückl hebt in seiner Inszenierung hervor, dass Jesus und seine Jünger Juden waren - und dass nur der römische Pontius Pilatus - nicht die Juden - Jesus zum Tode verurteilen konnte. 

Zur Vorbereitung der Passion reiste er zu einer Pilgerfahrt mit den Hauptdarstellern nach Israel und suchte stets den Austausch mit Vertretern des jüdischen Lebens.

Für seinen Einsatz gegen Antijudaismus wurde Stückl bereits mehrfach geehrt, unter anderem erhielt er die renommierte Buber-Rosenzweig-Medaille, den Abraham-Geiger-Preis und den Toleranz-Preis der Evangelischen Akademie Tutzing. dpa

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