»Endlich Tacheles«

Rebellion gegen den Schmerz

Yaar und Rina: Szene aus »Endlich Tacheles« Foto: Schramm Matthes Film

»Was hab’ ich damit zu tun?«, fragt Yaar seinen Vater wütend. Der junge Israeli hat es satt, nur weil er Jude ist, ewig mit der Geschichte der Schoa identifiziert zu werden. Und als Opfer gelten will er schon gar nicht: »Ich bin ein neues Kind!« In einer Szene des Dokumentarfilms sieht man, wie er auf einen Boxsack eindrischt. Ein junger Mann mit weichem Gesicht, der mit den Gespenstern der Vergangenheit kämpft.

Fünf Jahre haben die Filmemacherinnen Jana Matthes und Andrea Schramm an ihrer Dokumentation Endlich Tacheles gearbeitet und Yaar begleitet. Er ist 21, als sie sich 2015 zum ersten Mal begegnen. Yaar, in Jerusalem geboren, aber längst Berliner, ist Praktikant in ihrer Filmfirma und träumt davon, Game-Designer zu werden.

Er will, so sein absurder, aus der Ohnmacht geborene Plan, ein Computerspiel entwickeln, das Juden und Nazis die Möglichkeit bietet, ihre Geschichte anders zu gestalten und aus dem Opfer-Täter-Modus auszubrechen. »Schoa. Als Gott schlief« soll es heißen. Orientiert an der Biografie seiner Großmutter Rina, geht es um ein jüdisches Mädchen und einen SS-Offizier.

SCHULDGEFÜHL Aber darf man so mit der Schoa umgehen? Yaars Vater ist fassungslos. »Ich werde es nie erlauben, dass jemand daraus ein Spiel macht.« Ein Spiel mit dem Leid und den Schuldgefühlen einer Überlebenden. Yaars Großmutter hat es nie verwinden können, dass sie die Schoa zwar überlebt hat, aber ihren Bruder nicht retten konnte.

Der Film zeigt, wie sich Yaar über das Computerspiel mit seiner Familiengeschichte auseinanderzusetzen beginnt. Eindrücklich und berührend sind Yaars Gespräche mit dem Vater, der unter seiner schwer traumatisierten Mutter gelitten hat. Wie viele Schoa-Überlebende hat auch sie versucht, die Ereignisse zu verdrängen, und mit ihren Kindern nie darüber gesprochen.

All das deckt Yaar nun auf. Die Recherche für sein Computerspiel gleicht einer Reise zu seinen Wurzeln. Die beiden Filmemacherinnen folgen ihm mit Empathie und sparen Widersprüche nicht aus. Dass er sein Spiel nie fertigstellen wird, erzählen sie leider nicht. Aber Endlich Tacheles ist ein wichtiger Film über die Nöte der Dritten Generation und eine Einladung, über das Thema zu diskutieren.

»Endlich Tacheles«. Dokumentarfilm von Jana Matthes und Andrea Schramm. Ab 14. Oktober im Kino

Heidelberg

»Bitte zieht euch nicht zurück!«

Nach ihrer Hochschulrede stellte sich Bundesbildungsministerin Karin Prien Fragen aus der jüdischen Gemeinschaft und den Universitäten

von Ayala Goldmann  23.01.2026

"Imanuels Interpreten" (17)

Carole King: Die lebende Legende

Von einem schüchternen Mädchen mit absolutem Gehör entwickelt sich die jüdische Künstlerin zu einer der einflussreichsten Songschreiberinnen und Sängerinnen

von Imanuel Marcus  23.01.2026

Jerusalem

Dem Vergessen entrissen

In der neuen Yad-Vashem-Ausstellung »Living Memory« werden ausgewählte Gegenstände aus dem Archiv der Schoa-Gedenkstätte gezeigt. Das Schicksal ihrer ehemaligen Besitzer wird dadurch greifbar

von Joshua Schultheis  23.01.2026

Streaming

Jerry Lewis: »From Darkness To Light« jetzt abrufbar

Der SWR zeigt einen Dokumentarfilm über die Entstehung einer nie gezeigten Holocaust-Komödie von und mit dem jüdischen Komiker Jerry Lewis

 23.01.2026

TV-Kritik

3sat-Komödie über einen konvertierenden Juden: Star-Comedian Gad Elmaleh spielt sich selbst

Ein Jude möchte wegen seiner Verehrung der Jungfrau Maria zum Katholizismus übertreten, ohne seine jüdische Familie zu verprellen. 3sat zeigt die autobiografisch gefärbte Komödie des französischen Komikers Gad Elmaleh

von Kira Taszman  23.01.2026

Dokumentation

»Grund zur Sorge und Grund für Hoffnung«

Auszüge aus der Heidelberger Hochschulrede von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) über antisemitismuskritische Bildungsarbeit

von Karin Prien  23.01.2026

Köln/Murwillumbah

Der neue Dschungel-Cast: Genialer Coup oder totaler Flop?

Gil Ofarim und Co.: Das neue Dschungelcamp-Ensemble sorgt für geteilte Meinungen. Während die einen den Cast lieben, gibt es auch auffällig viele Debatten darüber. Lohnt sich das Einschalten diesmal?

von Jonas-Erik Schmidt  23.01.2026 Aktualisiert

Toronto

Israelischer Comedian wird stundenlang am Flughafen festgehalten

Guy Hochman braucht Hilfe von Israels Außenminister Gideon Sa’ar, um nach Kanada einreisen zu können. In New York verhindern Israelhasser einen Auftritt

von Imanuel Marcus  23.01.2026 Aktualisiert

"Dschungelcamp"

»Mir tut es leid«: Gil Ofarim überrascht mit Entschuldigung 

Der Sänge steht unmittelbar vor dem Start der Staffel erneut im Mittelpunkt der Debatte

 23.01.2026