Film

Preise in Venedig und Streit in Israel

Israels Kulturministerin Miri Regev (Likud) vor einer Kabinettssitzung in Jerusalem im Juni 2017 Foto: Flash 90

Beim Filmfestival von Venedig ist auch die deutsch-polnische Koproduktion The Prince and the Dybbuk über einen jiddischen Filmemacher ausgezeichnet worden. Der Film von Elwira Niewiera und Piotr Rosolowski erhielt den Venice Classics Award für den besten Dokumentarfilm.

Die Geschichte dreht sich um Moshe Waks, der in Kowel (heute Ukraine) aufwuchs, sich taufen ließ und später als Michael Waszynski bekannt wurde. Vor dem Zweiten Weltkrieg produzierte er den berühmten jiddischen Film Der Dybbuk. 1939 floh er aus Warschau nach Bialystok. Später schloss er sich der polnischen Untergrundarmee an. Nach dem Krieg arbeitete er überwiegend in Italien und arbeitete mit Stars wie Sophia Loren und Orson Welles zusammen. 1965 wurde er in Rom nach katholischem Ritus beerdigt.

bds Bei den Filmfestspielen von Venedig war auch das Antikriegs-Drama Foxtrot des israelischen Regisseurs Samuel Maoz am Samstagabend mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet worden. Israels Kulturministerin Miri Regev (Likud) kritisierte den Film daraufhin scharf. Sie warf Maoz vor, Israelhasser wie die BDS-Bewegung zu unterstützen. Dieser Vorwurf sei schon deshalb absurd, weil ausnahmslos jeder israelische Film von israelfeindlichen Organisationen boykottiert werde, sagte der Regisseur in einer Reaktion.

Der Film ist für 13 Auszeichnungen der Ophir Awards, den israelischen Oscars, nominiert. Auf der Liste der nominierten Filme steht auch die Dokumentation Ben Gurion, Epilogue, die am kommenden Montag beim internationalen israelischen Filmfestival »Seret« in Berlin gezeigt wird.

Unterdessen teilte die israelische Film- und Fernsehakademie mit, zur Verleihung der Ophir Awards am 19. September in Tel Aviv würden weder Regev noch andere israelische Politiker eingeladen. Diese Entscheidung habe man aus Respekt für die israelische Filmindustrie getroffen, sagte der Vorsitzende der Akademie, Mosh Danon.

protest Im vergangenen Jahr hatte Regev die Veranstaltung aus Protest verlassen, weil ein Gedicht des palästinensischen Schriftstellers Mahmoud Darwish verlesen worden war. Regev hatte kritisiert, der Autor erkenne das Existenzrecht Israels nicht an. Die Ausladung Regevs von der Verleihung der Ophir Awards sei nicht persönlich gegen die Likud-Politikerin gerichtet, betonte Danon. Man wolle verhindern, dass die Preisverleihung zu einem Austragungsort für politische Boxkämpfe werde.

Miri Regev bezeichnete die Entscheidung als »feige und undemokratisch«. Ziel sei es, der Öffentlichkeit ihre Ansicht zu Filmförderung vorzuenthalten: »Filme, die Lügen über die Soldaten der IDF verbreiten, sollen nicht mit staatlichen Mitteln unterstützt werden«, so die Kulturministerin.

Eröffnung

Ausstellung in Osnabrück beleuchtet Antisemitismus

2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Osnabrück zum 600. Mal. Mit einer Ausstellung erinnert das Museumsquartier an diese frühe Phase jüdischer Geschichte. Auch die Wurzeln des Antisemitismus werden sichtbar

 19.03.2026

Vladimir Vertlib

Ein Marrane als Leibarzt

Mit seinem Roman »Der Jude der Kaiserin« zeigt sich der österreichische Autor als Meister des historischen Genres

von Alexander Kluy  19.03.2026

Eurovision Song Contest

ORF will ESC-Sicherheitskonzept nicht verschärfen

Auch trotz des Krieges gegen den Iran sei strengere Sicherheitsauflagen nicht nötig, weil das Konzept bereits auf die Weltlage ausgelegt sei

 19.03.2026

Philosophie

Habermas, Israel und die Juden

Eine kritische Würdigung

von Frederek Musall  19.03.2026

Programm

Drei Chöre, 100 Synagogen und ein Unbezähmbarer: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. bis zum 26. März

 18.03.2026

Nachruf

Der die Debattenkultur formte

Jürgen Habermas prägte die Bundesrepublik, positionierte sich im »Historikerstreit«, setzte Begriffe und gab Orientierung. Zum Tod des großen Philosophen

von Johannes Heil  18.03.2026

Literatur

Als die Donau durch Kakanien floss

Zur Leipziger Buchmesse: Eine (jüdische) Vision für ein Europa der Regionen, Religionen und der Vielfalt

von Awi Blumenfeld  18.03.2026

Literatur

Gefühle und Zustände

Lena Gorelik schreibt über »Alle meine Mütter«

von Sharon Adler  18.03.2026

Sachbuch

Unter Gedächtnisbeton

Ines Geipel widmet sich in »Landschaft ohne Zeugen« der Rolle kommunistischer Häftlinge im KZ Buchenwald und der Nicht-Aufarbeitung in der DDR

von Steffen Alisch  18.03.2026