Frankreich

Philosoph Levy: In der Liebe lernt man nicht dazu

Bernard-Henri Levy Foto: IMAGO/IP3press

Frankreich

Philosoph Levy: In der Liebe lernt man nicht dazu

In einem Interview spricht er auch über seine Vorstellung darüber, was es heißt, Jude zu sein

 17.03.2023 11:44 Uhr

Der französische Publizist und Philosoph Bernard-Henri Levy (74) sieht sich in Sachen Liebe nach wie vor als Anfänger. In diesem Feld lerne man nicht aus seinen Erfahrungen, sagte er im Interview des Magazins der »Süddeutschen Zeitung« vom Freitag. »Man bleibt genauso naiv, hat die gleichen Gedanken.«

Die Würfel fielen in diesem Bereich früh im Leben, fügte Levy hinzu. »Je mehr man liest, desto schlauer wird man, je mehr man schreibt, desto besser wird man. Aber in der Liebe ist das Spiel vorbei, bevor es beginnt.«

Jüdische Identität Der Autor äußerte sich auch zu seinem Engagement für die Menschenrechte. »Warum werfe ich mich in Angelegenheiten, die nicht die meinen sind? Warum mache ich das Schicksal fremder Menschen, fremde Probleme zu meinen? All das hängt mit meiner Vorstellung zusammen, was es heißt, Jude zu sein.« Als junger Mensch habe er nicht gewusst, was dies bedeute. Durch die Lektüre zentraler jüdischer Texte habe er begonnen, sich »eine jüdische Identität aufzubauen«.

Der Antisemitismus sei in Frankreich wieder salonfähig geworden, sagte Levy. Er selbst habe indes nie das Gefühl gehabt, »als Jude wahrgenommen zu werden. Und wenn, war es mir egal.« Er wehre sich gegen Antisemitismus, fühle sich jedoch stärker als die Antisemiten: »Es definiert mich nicht, es ist nicht mein Schicksal.«

Auf die Frage, was ihm Hoffnung für die Zukunft gebe, antwortete der Philosoph: »Das ukrainische Volk. Der Kampf der Ukraine ist so respekteinflößend, so würdevoll.« Er empfinde die »Fähigkeit der Menschheit, schrecklichen Situationen mit Würde zu begegnen, mit Mut und Opferbereitschaft«, als erstaunlich.

An ein Leben nach dem Tod glaube er indes nicht, so Levy. »Er ist das Ende. Es kommt nichts danach.« Bücher und Filme lebten jedoch weiter: Sie erwachten zum Leben, »wenn sie von anderen gelesen oder gesehen werden. Die Art, wie sich ein Buch mit einem anderen Bewusstsein verbindet, wie es sich verwandelt, das ist ein neues Leben.« Diese Vorstellung sei für ihn ein kleiner Trost, »wenn ich mich vor dem Tod fürchte, was durchaus passiert«. kna

München

Urys »Interieur mit Kindern« werden restituiert

Ein Bild mit einer spannenden Geschichte kehrt nun aus Bayern in den Schoß der rechtmäßigen Erben zurück. Vorausgegangen ist eine umfangreiche Provenienzforschung zur Herkunft des Gemäldes

von Barbara Just  30.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

Quedlinburg

Feininger-Museum mit Jubiläumsausstellung zur »Blauen Vier«

Quedlinburg bietet mehr als Stiftskirche und Fachwerk: Am Montag wird im Museum Lyonel Feininger eine Sonderausstellung mit Werken der Künstlergruppe »Die Blaue Vier« um Paul Klee und Wassily Kandinsky eröffnet

 30.03.2026

Kolumne

Der Mandelbaum und die »hot mitzvah«

Fernsehen statt Fernreise oder Warten auf ein Ende des Krieges

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2026

Aufgegabelt

Israelischer Salat mit Silan-Dressing

Vor dem großen Schlemmen an Pessach gibt es noch etwas Leichtes: Israelischer Salat mit Silan-Dressing. Unser Rezept der Woche

von Katrin Richter  29.03.2026

Giora Feidman

Ton der Seele

Der Klarinettist feierte seinen 90. Geburtstag in der Berliner Philharmonie – eine Doku auf ARTE würdigt sein Lebenswerk

von Maria Ossowski  27.03.2026

TV-Tipp

Arte-Doku über die Komponistin Meredith Monk

Arte zeigt einen Dokumentarfilm über die 1942 geborene New Yorker Komponistin, Choreografin und Regisseurin Meredith Monk. Mit ihren stilisiert naiven Bühnen- und Klangwelten hat sie ein besonderes Werk geschaffen

von Michael Kienzl  27.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

»Sowohlalsauch« oder Wenn das Lieblingscafé schließt

von Katrin Richter  27.03.2026

Schloßbergmuseum

Chemnitz zeigt Fotoausstellung über Mikwen

Ein Fotograf hat die Atmosphäre dieser meist unterirdisch gelegenen jüdischen Orte eingefangen

 26.03.2026