Erklärung

Nobelpreisträger gegen Israelboykott

Roger Kornberg und Steven Weinberg hatten genug. Die Universität von Johannesburg (Südafrika) hatte der Ben-Gurion-Universität Ende September damit gedroht, die Zusammenarbeit aufzukündigen, weil diese mit der israelischen Armee zusammenarbeite und damit angeblich am Tod von Palästinensern mitschuldig sei. Etwa 200 Mitarbeiter anderer Universitäten in Südafrika schlossen sich dieser Initiative an, die auch von Erzbischof Desmond Tutu ausdrücklich gutgeheißen wurde. Zuvor hatte bereits die Studentenvertretung der University of California in Berkeley gefordert, die Zusammenarbeit mit israelischen Universitäten aufzukündigen, um keine »Kriegsverbrechen« zu unterstützen.

Diese beiden Ereignisse der letzten Monate waren nur die vorläufigen Endpunkte in einer langen Reihe von Boykottaufrufen und Sanktionsforderungen gegen wissenschaftliche Einrichtungen in Israel – und somit der letzte Tropfen, der das Fass für die beiden Wissenschaftler zum Überlaufen brachte. Genforscher Roger Kornberg, Chemienobelpreisträger von 2006, und sein Kollege Steven Weinberg, der 1979 den Nobelpreis für Physik erhalten und sich schon früher gegen akademische Israelboykotte ausgesprochen hatte, griffen zur Feder und verfassten eine Erklärung, in der sie vehement die Boykottforderungen gegenüber israelischen Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen kritisieren. Die Erklärung wurde von 36 weiteren Nobelpreisträgern mitunterzeichnet – darunter Aaron Ciechanover vom israelischen Technion (Nobelpreis für Chemie 2004), Ökonom Daniel Kahneman, Hirnforscher Eric Kandel und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel. Keineswegs sind jedoch alle Unterzeichner Juden und/oder Israelis.

Prinzipien »Wir glauben«, heißt es in der Erklärung, »dass akademische und kulturelle Boykotte und Sanktionen unvereinbar sind mit den Prinzipien der Forschungs- und Meinungsfreiheit und durchaus den Tatbestand der Diskriminierung aufgrund der nationalen Herkunft erfüllen könnten.«

In dem Text, der am 1. November auf der Website der Initiative »Scholars for Peace in the Middle East« (SPME) veröffentlicht wurde, heißt es weiter: »Wir, die unterzeichnenden Nobelpreisträger, appelieren an Studenten, Dozenten und Universitätsleitungen, Aufrufe und Kampagnen zu bekämpfen und zurückzuweisen, die zu Boykotten und Sanktionen gegen israelische Wissenschaftler, akademische Institutionen und Forschungszentren aufrufen.«

Derweil gibt es aus Südafrika Erfreuliches zu berichten: Die Kapstädter Oper hört nicht auf Bischof Tutu. Dieser hatte das Ensemble aufgefordert, ein für diesen Monat geplantes Gastspiel in Tel Aviv abzusagen, denn, so Tutu laut Radio Vatikan: »Die Oper von Tel Aviv wird vom israelischen Staat subventioniert. Sie zieht internationale Künstler an und will damit den trügerischen Eindruck erwecken, dass Israel eine zivilisierte Demokratie wäre.« Der Direktor der Oper erklärte, man werde wie geplant am 12. November in Tel Aviv Porgy and Bess aufführen.

München

Urys »Interieur mit Kindern« werden restituiert

Ein Bild mit einer spannenden Geschichte kehrt nun aus Bayern in den Schoß der rechtmäßigen Erben zurück. Vorausgegangen ist eine umfangreiche Provenienzforschung zur Herkunft des Gemäldes

von Barbara Just  30.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

Quedlinburg

Feininger-Museum mit Jubiläumsausstellung zur »Blauen Vier«

Quedlinburg bietet mehr als Stiftskirche und Fachwerk: Am Montag wird im Museum Lyonel Feininger eine Sonderausstellung mit Werken der Künstlergruppe »Die Blaue Vier« um Paul Klee und Wassily Kandinsky eröffnet

 30.03.2026

Kolumne

Der Mandelbaum und die »hot mitzvah«

Fernsehen statt Fernreise oder Warten auf ein Ende des Krieges

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2026

Aufgegabelt

Israelischer Salat mit Silan-Dressing

Vor dem großen Schlemmen an Pessach gibt es noch etwas Leichtes: Israelischer Salat mit Silan-Dressing. Unser Rezept der Woche

von Katrin Richter  29.03.2026

Giora Feidman

Ton der Seele

Der Klarinettist feierte seinen 90. Geburtstag in der Berliner Philharmonie – eine Doku auf ARTE würdigt sein Lebenswerk

von Maria Ossowski  27.03.2026

TV-Tipp

Arte-Doku über die Komponistin Meredith Monk

Arte zeigt einen Dokumentarfilm über die 1942 geborene New Yorker Komponistin, Choreografin und Regisseurin Meredith Monk. Mit ihren stilisiert naiven Bühnen- und Klangwelten hat sie ein besonderes Werk geschaffen

von Michael Kienzl  27.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

»Sowohlalsauch« oder Wenn das Lieblingscafé schließt

von Katrin Richter  27.03.2026

Schloßbergmuseum

Chemnitz zeigt Fotoausstellung über Mikwen

Ein Fotograf hat die Atmosphäre dieser meist unterirdisch gelegenen jüdischen Orte eingefangen

 26.03.2026