Psychologie

Nie wieder aufschieben

Experte für Irrationales: Dan Ariely Foto: Flash 90

In Deutschland wurde Dan Ariely mit populärwissenschaftlichen Büchern wie Denken hilft zwar, nützt aber nichts. Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen oder Wer denken will, muss fühlen. Die heimliche Macht der Unvernunft bekannt. Seit Jahren beschäftigt sich der 1967 in New York geborene und in Israel aufgewachsene Psychologe mit dem Fachgebiet der Verhaltensökonomie.

Für letztere hat er sogar einen Lehrstuhl an der Duke University in North Carolina (USA) inne. Immer wieder geht es ihm in seinen Studien darum, wie und warum sich Menschen im Alltag irrational verhalten – und wie sie ihre eigene Irrationalität überlisten können, um dennoch halbwegs vernünftig durchs Leben zu kommen.

Nun hat Dan Ariely mit zwei Kollegen – dem Informatikprofessor Yoav Shoham von der Stanford-Universität sowie dem Doktoranden Jacob Bank – eine Smartphone-App entwickelt, die auf Arielys Erkenntnissen beruht. Mit ihr kann man seinen inneren Schweinehund überwinden und besseres Zeitmanagement lernen, wenn man den Erfindern glaubt.

Prokrastination Die App namens Timeful sieht auf den ersten Blick aus wie eine ganz normale Kalender-App. Zunächst füllt der Nutzer diesen Kalender mit seinen üblichen Terminen, die ein eindeutiges Datum und eine bestimmte Uhrzeit haben. Das Besondere ist nun, dass man Timeful in einem zweiten Schritt auch mit solchen Plänen und Vorhaben »füttern« kann, die man zwar erledigen möchte, die aber keinen festen Zeitrahmen haben und die man daher gerne vor sich herschiebt – prokrastiniert, wie der Fachbegriff heißt.

Das Programm findet dafür nun passende Zeitfenster im Kalender und schickt dem Anwender eine Nachricht, etwa: »Jetzt eine Stunde lang schreiben«. Wenn es zeitlich dann doch nicht passt, gibt der Nutzer der App eine entsprechende Rückmeldung, und das Programm sucht nach einem günstigeren Zeitpunkt. Nach einer Weile soll die lernfähige App dann optimal zu den Gewohnheiten und dem Tagesablauf des Benutzers passen.

Die App berücksichtigt auch, zu welcher Tageszeit welche Aufgaben am besten zu bewerkstelligen sind. Die höchste geistige Kapazität haben wir in den zwei Stunden unmittelbar nach dem Aufstehen, so Ariely. Die App wird ihren Besitzer also vor allem in den Morgenstunden an das Erledigen intellektuell anspruchsvoller Aufgaben erinnern.

Schritte Wichtig ist dabei, wie die Entwickler Ariely, Shoham und Bank betonen, nicht nur jobbezogene Tätigkeiten einzutragen, sondern auch solche, die die Freizeit betreffen, wie Wäsche waschen, Sport treiben, Freunde anrufen, ins Kino gehen oder ein besonderes Essen kochen. Denn selbst bei angenehmen Dingen, so die Erkenntnis, neigen viele Menschen zum Prokrastinieren. Oder aber sie werden in der Alltagsroutine schlicht vernachlässigt. »Was nicht in den Tagesplan eingetragen wird, das wird in der Regel einfach nicht gemacht«, weiß Ariely.

Auch längerfristige Ziele sollen sich mit Timeful besser erreichen lassen. Zu diesem Zweck werden sie in einzelne Schritte aufgeteilt. Statt »20 Kilo abnehmen« heißt es dann »Eine halbe Stunde joggen«, statt »Einen Roman verfassen« schickt das Programm die Aufforderung »Drei Seiten schreiben«. Das Herunterladen der App ist übrigens kostenlos.

www.timeful.com

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