Country-Musik

Neues vom Texas Jewboy

»I’m the Sexiest«: Kinky Friedman Foto: Chris Hartung

Country-Musik

Neues vom Texas Jewboy

Nach 39 Jahren Sendepause meldet sich Kinky Friedman mit einem neuen Album zurück

von Jonathan Scheiner  07.12.2015 16:16 Uhr

Schlappe vier Jahrzehnte hat er kein Album mehr mit eigenen Songs gemacht. Mitte November, gute zwei Wochen nach seinem 71. Geburtstag, ist The Loneliest Man I Ever Met erschienen, mit einem Dutzend neuer Songs, die zwischen Songwriting und Country pendeln. Die Texte sind sparsam instrumentiert und geprägt von Lakonie und präzisem Gespür für Intonation.

Die Verse sind durchtränkt von einer altersreifen, von Tabak, Alkohol und Kokain gegerbten Stimme. So kennt man Kinky Friedman seit Anfang der 70er-Jahre, als er mit seinen Texas Jewboys Songs wie »They Ain’t Makin’ Jews Like Jesus Anymore« Furore machte. Ein »Jewish Cowboy«, wie er hierzulande undenkbar wäre. Kein Mensch würde im Country-Style über Auschwitz singen wie Friedman damals in »Ride ’Em Jewboy«.

Jesus Das Repertoire der neuen CD umspannt nur drei Songs aus eigener Feder, darunter der Titelsong sowie zwei ältere Nummern. »Lady Yesterday« stammt vom legendären Album Lasso from El Paso von 1976, das damals mit Eric Clapton, T-Bone Burnett und Ringo Starr als Jesus aufwarten konnte. Und »Wild Man from Borneo« ist eine Reminiszenz an Friedmans dreijährige Zeit bei den Peace Corps in Borneo.

Eine Reminiszenz an vergangene Tage sind auch die übrigen Songs, denn fast alle alten Weggefährten tauchen auf: Als Pianist aus Texas-Jewboys-Zeiten ist Little Jewford dabei, mit dem Friedman auch Tequila der Marke »Man in Black« vertreibt. Daneben die Country-Ikone Willie Nelson, von dem »Bloody Mary Morning« stammt – ein Duett, das so wunderbar schräg das Album eröffnet, dass man kaum glauben mag, Friedman rauche Haschisch höchstens »der Etikette wegen«, wenn sein Freund Willie zu Besuch kommt. Von Tom Waits stammt »Christmas Card from a Hooker in Minneapolis« und von Johnny Cash »Pickin’ Time«.

Die meisten Songwriter des Albums haben ihre Zeit nicht überlebt: »Freedom to Stay« stammt von der Country-Ikone Waylon Jennings und »That Shit’s Fucked Up« von Warren Zevon. Auch die Broadway-Komponisten von »Wandrin’ Star« (Lerner/Loewe) und »A Nightingale Sang in Berkeley Square« (Maschwitz/Sherwin) sind Längst im Nirwana der Musikgeschichte. Viele dieser Songschreiber waren vom Leben und von Drogen gezeichnet – wie Kinky Friedman selbst.

Feministinnen Dabei fing alles ganz gut an: Der 1944 geborene Friedman gründete seine erste Band, als er noch Psychologie studierte. Schon mit seiner zweiten Band The Texas Jewboys schrieb er Geschichte. Und er provozierte mit Songs wie »How Can I Tell You I Love You (When You’re Sitting On My Face)«. Das waren noch Zeiten, als Friedman Vorwürfe von Feministinnen grandios parieren konnte: »I’m the Sexiest!«

Doch schon Ende der 70er wurde es musikalisch stiller um ihn. Stattdessen begann Friedman, Krimis zu schreiben – und musikalisch abzuhalftern. 2006 wollte er dann Gouverneur von Texas werden, wurde aber unter den fünf Anwärtern nur Vierter. Vielleicht war die Zeit noch nicht reif für Parolen über die Legalisierung von Haschisch.

Hängen geblieben sind Geistesblitze wie dieser: »Die Deutschen sind mein zweitliebstes Volk. Mein liebstes sind alle anderen.« Doch das macht Friedman nicht zu »einem der besten Songwriter unserer Zeit«, wie das Tablet Magazine schreibt. Wer jüdische Countrymusik liebt, sollte sich lieber Philippe Cohen Solals Moonshine Sessions anhören – oder Friedmans alte Platten.

Aber bei aller Kritik: Kinky Friedmans The Loneliest Man I Ever Met ist ein Alterswerk, das man unbedingt einmal gehört haben muss.

Meinung

Warum ich mich für meine Teilnahme am »Dschungelcamp« niemals schämen würde

Die »Lindenstraßen«-Darstellerin Rebecca Siemoneit-Barum war 2015 bei der berühmt-berüchtigten RTL-Sendung in Australien dabei. Hier erzählt sie, was die Zeit im Dschungel bis heute für sie bedeutet

von Rebecca Siemoneit-Barum  06.02.2026

Erfurt

Einzigartiges Klezmer-Projekt: Jubiläumskonzert zum Zehnjährigen als »Höhepunkt eines Prozesses«

Im Klezmerorchester Erfurt musizieren Laien und Profis gemeinsam. Nun feiert das Projekt sein zehnjähriges Bestehen - mit einem einzigen Konzert

von Matthias Thüsing  06.02.2026

Fernsehen

Doku über Geisel-Familie zeigt zerrissene israelische Gesellschaft

Ein 3sat-Dokumentarfilm zeigt das Martyrium einer amerikanisch-israelischen Familie, deren Angehörige am 7. Oktober 2023 von der Hamas entführt wurde

von Manfred Riepe  06.02.2026

Fernsehen

»Er verarscht hier alle«: Ofarim wird wieder Zielscheibe von Ariel

Endspurt im Dschungelcamp vor dem großen Finale am Sonntag. Gil Ofarim tritt nach seinem Unfall zur nächsten Prüfung an, das Kandidatenfeld lichtet sich weiter - und der Ton wird rauer

von Lukas Dubro  06.02.2026

Australien

»Action, Action, Action« im Dschungel

Regeln sind Regeln. Und Überraschungen sind Überraschungen: Jetzt unterhalten sich sogar Ariel und Gil

von Martin Krauß  06.02.2026

Berlin

Liebermann-Villa zeigt »Alles für die Kunst!«

Seinen Erfolg musste sich der Künstler Max Liebermann hart erkämpfen. Eine Ausstellung in der Liebermann-Villa am Berliner Wannsee zeigt, wie strategisch und konsequent er dabei vorging.

 05.02.2026

Kulturkolumne

Make Judaism cool again!

Wie Tel Aviver Mode für Empowerment und Hoffnung sorgt

von Sophie Albers Ben Chamo  05.02.2026

Theater

Mit Kufiya und Kippa

Noam Brusilovskys Stück »Fake Jews« in Berlin knüpft an die Geschichte von Fabian Wolff an

von Stephen Tree  05.02.2026

Film

Ganz links in der Ecke

»Coexistance, my Ass« porträtiert die israelische Comedian Noam Shuster Eliassi und ein polarisiertes Land. Doch eine wichtige Info fehlt

von Ayala Goldmann  05.02.2026