Frankfurt/Main

Mutmaßliches NS-Raubgut entdeckt

Außenfassade des neuen Teils des Historischen Museums in Frankfurt am Main Foto: dpa

Das Historische Museum Frankfurt am Main hat neun Exponate mutmaßlichen NS-Raubguts in seiner Sammlung entdeckt und an das Jüdische Museum übergeben.

Das Historische Museum habe dem Jüdischen Museum Frankfurt bei dessen Gründung 1988 anders als bisher angenommen nicht alle Exponate aus früherem jüdischem Eigentum überlassen, sagte Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig am Donnerstag.

kurator Der ehemalige Kurator des Historischen Museums, Jürgen Steen, hatte die Exponate identifiziert, darunter ein aufwendig gefertigtes Damenkostüm aus der Zeit um 1790, ein Torawimpel aus Seide aus dem 19. Jahrhundert, Zinngefäße und liturgische Geräte.

Die Exponate stammten überwiegend, aber nicht komplett aus dem Vorläufer des Jüdischen Museums, dem Museum jüdischer Altertümer, erklärte der Direktor des Historischen Museums, Jan Gerchow. Steen habe anhand von bisher falsch interpretierten Inventarnummern, Nachinventarisierungen bisher nicht inventarisierter Objekte und Hinweisen wie einem Zettel »aus jüdischem Besitz« in dem Damenkostüm die Exponate ausfindig gemacht.

Bereits 1951 habe das Historische Museum gegenüber einer US-Kommission behauptet, alle von Juden geraubten Wertgegenstände zurückgegeben zu haben, erläuterte Jürgen Steen. Doch seien im Jahr 1957 mehrere Kisten mit jüdischen Objekten im Museum aufgetaucht.

Hinweise Nach den Übergaben an das neu gegründete Jüdische Museum habe das Historische Museum im Jahr 2000 wiederum versichert, alle jüdischen Objekte übergeben zu haben. Direktor Gerchow sagte, es gebe keine Hinweise, warum die nun aufgefundenen Objekte damals nicht übergeben worden seien.

»Die übergebenen Objekte erfüllen uns mit Trauer und Schrecken«, sagte die Direktorin des Jüdischen Museums, Mirjam Wenzel. Sie seien ein Zeichen für die Zerstörung jüdischen Lebens in Europa und auch des Wissens um das Judentum durch die Nationalsozialisten. So sei der Torawimpel irrtümlich als Priesterstola inventarisiert gewesen.

Das Jüdische Museum habe bei seiner Gründung 70 Objekte des früheren Museums jüdischer Altertümer vom Historischen Museum erhalten. Die nun übergebenen Objekte seien weniger Geschenk, sondern vielmehr Aufgabe, das Andenken an die 30.000 enteigneten, vertriebenen und ermordeten jüdischen Frankfurterinnen und Frankfurter zu bewahren. epd

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