Alber Elbaz

Mode mit Seele

Alber Elbaz bei der Verleihung der Fashion Awards 2019 in der Royal Albert Hall. Foto: imago images/Future Image

Alber Elbaz

Mode mit Seele

Am vergangenen Samstag ist der israelische Designer an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung in Paris gestorben

von Katrin Richter  29.04.2021 09:01 Uhr

Am 22. Dezember 2020 fuhr Alber Elbaz mit dem Taxi in Paris zur Arbeit. Wie so oft. Aber dieses Mal saß der wohl schickste Taxifahrer, den Elbaz jemals gesehen hatte, hinterm Steuer. Sein Name war Cher. Er trug einen himmelblauen Anzug mit hellblauen Längs- und Querstreifen und ein weißes Hemd. Er war derart gut angezogen, dass Elbaz einen kurzen Clip von ihm aufnahm und diesen auf Instagram postete. »Ich glaube, ich werde einen wundervollen Tag haben«, hörte man den Designer im Hintergrund sagen. Er war ganz entzückt: »Oh my God, I love him! Bye!« So schnell verabschiedete er sich aus dem Clip.

Foto Jetzt muss sich die Modewelt von dem als liebenswürdig, einfühlsam und immer kreativ beschriebenen Mann verabschieden. Am vergangenen Samstag ist Alber Elbaz an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Er wurde nur 59 Jahre alt. Und nicht nur die eigene Branche trauert. Die Schauspielerin Natalie Portman postete Fotos all der Kleider, die Alber Elbaz designte. Blutrote, dunkelrosa, flaschengrüne, elegante und lässige Kleidungsstücke, die zum richtigen Moment auffallen und zum richtigen Moment schweigen konnten. Authentizität und keine Verkleidung, das war Elbaz.

Vielleicht auch deshalb wollte er Portman immer davon überzeugen, flache Schuhe zu tragen: »Warum möchtest du versuchen, jemand anderes zu sein, als die, die du bist? Du bist du, und das ist schön, und so solltest du dich auch kleiden.« Vielleicht sagte er auch deswegen Sätze wie »Jeder will jung und dünn sein. Das ist doch fürchterlich. Kurven sind fantastisch. Falten sind hypnotisierend. Warum ist man nicht so glücklich, wie man ist?«

Inspiration Auch die Designerin Rinat Brodach trauert um Elbaz. Der Jüdischen Allgemeinen sagte sie: »Albert war ein Mensch, wie es ihn nur selten gibt: bescheiden und eine einzigartige Legende. Er hat dazu beigetragen, dass ich die Designerin wurde, die ich heute bin... angefangen von den offenen Nähten an Kleidern bis hin zu den Wickeltechniken. Ich werde immer an ihn denken, als den Menschen, der einen großen Einfluss auf mein Leben hatte. Möge er in Frieden ruhen.«

Das Shenkar College, an dem Elbaz von 1982 bis 1986 Modedesign studierte, bevor es ihn nach New York zog, trauert um seinen ehemaligen Studenten, der auch im Verlauf seiner Karriere – vom Assistenten für den Designer Geoffrey Beene über den Posten als Kreativdirektor bei Guy Laroche, als Designer bei Yves Saint Laurent, von 2001 bis 2007 Chefdesigner der leicht in die Jahre gekommenen Marke Lanvin oder später mit seiner eigenen Marke AZ Factory – immer wieder ans College zurückkam, um Studenten bei ihren Kollektionen zu helfen. »Er war ein Mentor«, hieß es in der Veröffentlichung des Shenkar College.

Heimat Elbaz hatte seine Heimat Israel und die vielen jungen Designer nicht vergessen. Als er acht Monate alt war, gingen seine Eltern mit dem kleinen Sohn Albert, der am 12. Juni 1961 zur Welt kam, von Casablanca nach Israel. Elbaz wuchs in Holon auf, einer Stadt bei Tel Aviv. Seine Mutter war Malerin und arbeitete nach dem Tod des Vaters, einem Friseur, als Kassiererin, um die vier Kinder durchzubringen. Sie war es auch, die ihm das hart erarbeitete Startgeld von 800 Dollar gab, damit er in New York seinen Traum, Mode zu entwerfen, verfolgen konnte.

Er entwarf Brautkleider und wurde dann Assistent bei Geoffrey Beene. Diane von Furstenberg erinnert sich in einem Statement zu Elbaz’ Tod noch an ihre erste Begegnung zu dieser Zeit: »Ich musste zu einer Hochzeit, und er selbst entwarf für mich einen blassgrünen Vichy-Seidenmantel mit einem Nackenkleid. Es war sehr schön und unerwartet.« Elbaz, beschreibt ihn Furstenberg, war »ein sehr talentierter Designer, sehr detailverliebt, und er entwarf schöne Kleidung«.

Seit dem 24. April, seinem Todestag, sind die Instagram-Kacheln von AZ Factory schwarz. »Du hast uns träumen lassen. Du hast uns denken lassen. Jetzt fliegst du davon. Für immer Liebe, Vertrauen und Respekt.«

Analyse

Historiker: Dirigent von Karajan kein Hitler-Sympathisant

Opportunist oder Gesinnungsnazi? Das historische Bild des Dirigenten Herbert von Karajan leidet seit Längerem unter seiner NSDAP-Mitgliedschaft. Der Historiker Michael Wolffsohn will ihn nun von mehreren Vorwürfen freisprechen

von Johannes Peter Senk  13.02.2026

Berlinale-Film

Special Screening: David Cunio in Berlin erwartet

Das Kino Babylon zeigt vier Monate nach der Freilassung der israelischen Hamas-Geisel eine neue Fassung des Films »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  12.02.2026

Meinung

Schuld und Sühne?

Martin Krauß irritiert der Umgang mancher Medien mit dem »Dschungelcamp«-König Gil Ofarim

von Martin Krauß  12.02.2026

Kulturkolumne

»Konti: Mission BRD«

Meine Bewältigung der Einwanderung nach Deutschland: Wie ich als Immigrant ein Brettspiel entwickelte

von Eugen El  12.02.2026

Hollywood

Rachel Weisz spielt in Neuauflage von »Die Mumie« mit

Beim dritten Teil hatte die Schauspielerin eine Mitwirkung abgelehnt, da sie das Drehbuch nicht überzeugt hatte. Auf den neuesten Film müssen Fans noch etwas warten

 12.02.2026

Erfurt

Jüdische Kulturtage mit mehr Sichtbarkeit in Israel

Dank eines gewachsenen Netzwerks erwarten die Organisatoren von Thüringens größtem jüdischen Festival zahlreiche Künstler aus Israel

 12.02.2026

Filmfestspiele

Was die Berlinale diesmal bietet

Wieder läuft keine israelische Produktion im Wettbewerb. Dafür finden sich viele jüdische und israelische Perspektiven im gesamten Programm

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Berlinale

»Wir wollen die Komplexität aushalten«

Wenn die Welt um einen herum verrücktspielt, helfen nur Offenheit und Dialog, sagt Festivalchefin Tricia Tuttle

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Meinung

Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Der Comedian verkleidet sich auf Instagram als Ofarim und reißt Witzchen über die Schoa. Während echte Komiker Humor stets als ein Mittel nutzen, um sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, tritt Pocher nur nach unten

von Ralf Balke  11.02.2026