Studie

Mit Künstlicher Intelligenz gegen Judenhass im Netz

Hass-Kommentare in sozialen Netzwerken Foto: dpa

Der Berliner Antisemitismus-Experte Steffen Jost setzt zur Bekämpfung von Judenhass auf Künstliche Intelligenz. »Künstliche Intelligenz kann uns dabei helfen, Antisemitismus im Netz zu bekämpfen«, sagte der Programmdirektor der Berliner Alfred Landecker Foundation dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Stiftung will mit dem von ihr geförderten Projekt »Decoding Antisemitism« (Deutsch: Antisemitismus entschlüsseln) vor allem versteckte Hetze erkennbar machen.

studien Das Internet sei kein sicherer Raum für Jüdinnen und Juden, sagte Jost. Studien zeigten, dass 70 bis 90 Prozent der befragten Jüdinnen und Juden im Netz häufig Hass und Anfeindungen erleben. Das Problem habe in den vergangenen Jahren offline wie online zugenommen. Beides sei nicht voneinander zu trennen.

»Im Internet zeigen sich besonders die subtilen Formen des Antisemitismus stärker«, erklärte der Experte. In Kommentarspalten von Nachrichtenportalen oder sozialen Netzwerken werde nicht nur direkt auf Nationalsozialismus und Holocaust angespielt, sondern immer häufiger auf Thesen einer jüdischen Weltverschwörung. Leser und Community-Manager der Plattformen könnten diese Metaphern nicht immer auf Anhieb dechiffrieren.

Studien zeigen, dass 70 bis 90 Prozent der befragten Jüdinnen und Juden im Netz häufig Hass und Anfeindungen erleben.

Bei »Decoding Antisemitism«, das von einem interdisziplinären Expertenteam des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und des King’s College London umgesetzt wird, gehe es darum, zu erkennen, welche Codes im Internet verwendet werden, um gegen Juden zu hetzen, erläuterte Jost.

datenbank In einem nächsten Schritt solle ein digitales Programm entstehen, das auf Basis einer Datenbank für antisemitische Codes Plattformen dabei helfen soll, solche Kommentare schneller zu erkennen. »Wir können Algorithmen trainieren, Kommentare zu erkennen, die problematisch sind.«

Ein weiteres, von der Stiftung gefördertes Projekt ist ein Thinktank, der ein Frühwarn-System für rechtsextreme Radikalisierungsprozesse etablieren will. Das »Center für Monitoring, Analyse und Strategie« (CeMAS) habe dabei beispielsweise den Messengerdienst Telegram im Blick.

In offenen Chatgruppen tauschten Tausende Mitglieder antisemitische und verschwörungsideologische Inhalte aus, darunter der ehemalige Kochbuchautor Attila Hildmann, sagte Jost. »Was in diesen Gruppen passiert, müssen wir frühzeitig öffentlich machen, damit wir der Radikalisierung Einzelner und Taten wie die versuchte Erstürmung des Reichstags Ende August vergangenen Jahres möglichst vorbeugen.« epd

27. JFBB

Film ab!

Vom 12. bis 22. August sind 45 Beiträge in acht Berliner und fünf Potsdamer Spielstätten zu sehen

 22.06.2021

Zeitgeschichte

Überraschender Fund im Keller

Der 1. FC Nürnberg arbeitet seine Vereinsgeschichte in der NS-Zeit auf - und erhält Lob von jüdischen Organisationen

 22.06.2021

22. Juni 1941

Antifaschistische Konstante

Zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion: Das Ereignis sollte in der Erinnerung eine größere Rolle spielen

von Dmitrij Belkin  22.06.2021

Medizin

Von Mäusen und Menschen

Israelische Wissenschaftler verlangsamen den Alterungsprozess von Labortieren. Was bedeutet das für unsere Lebenserwartung?

von Ralf Balke  20.06.2021

»Sman Emet«

Wer war Ibrahim Hamed?

In der israelischen Doku erzählen Geheimdienstmitarbeiter die Geschichte des Topterroristen, der den Stoff für »Fauda« lieferte

von Ralf Balke  20.06.2021

Scarlett Johansson

»Habe jetzt weniger Angst«

Die Rolle im Film »Black Widow« habe ihr Mut gemacht

 20.06.2021

«Walk of Fame»

Carrie Fisher wird posthum geehrt

Die Schauspielerin erhält 2022 einen Stern auf dem Hollywood Boulevard

 20.06.2021

Literatur

Thomas Mann und der Zionismus

Viel ist in der Forschung vom widersprüchlichen Verhältnis des Autors zu allem Jüdischen die Rede. Komplett unterbeleuchtet ist, dass der Autor glühender Unterstützer des jüdischen Staates war

von Kai Sina  20.06.2021

Dokumentarfilmpreis 2021

»Ich bin Greta« gewinnt

Der »Ehrenpreis für das Lebenswerk« geht an Georg Stefan Troller

 19.06.2021