Kammermusik

Mit Geige, Cello und Klavier

Zweidrittelberliner: Daniel Bard, Hila Karni und Ohad Ben-Ari (v.l.) Foto: PR

Ein bisschen Zufall war auch mit im Spiel, als sich das Trio Mondrian gründete. Alle drei Musiker waren zur gleichen Zeit in Israel – nachdem die Cellistin Hila Karni, der Pianist Ohad Ben-Ari und der Geiger Daniel Bard vor mehr als acht Jahren aus den USA, aus Deutschland und aus Skandinavien in ihre Heimat zurückgekehrt waren. »Musiker führen ein Zigeunerleben und sind ständig unterwegs«, sagt Ben-Ari. Heute leben zwei der drei Musiker – er und Hila Karni – in Berlin, während Daniel Bard seine Zelte in Amsterdam aufgeschlagen hat.

»Wir kennen uns schon lange, denn in Israel ist die Musikerszene übersichtlich«, meint Ohad Ben-Ari. Alle drei Musiker sind sich bei Festivals begegnet, an denen sie gerne und oft teilnahmen. Als Erste kam Hila Karni auf die Idee, ein Trio zu gründen. »Ich wollte schon immer Klaviertrio spielen«, sagt die 40-Jährige. Denn da sei jeder »etwas Solist, aber gemeinsam«. Außerdem spielt die Cellistin gerne deutsche Trio-Literatur – überwiegend Brahms, Schubert, Beethoven und Haydn: »Ich liebe es.«

Sie schlug daher Ohad vor, zusammen ein Ensemble zu gründen. Wunschgeiger der beiden war Daniel Bard. Also trafen sie sich zu dritt, probierten aus, ob sie zueinander passen – und stellten fest, dass sie bestens miteinander spielen, aber auch streiten und sich auseinandersetzen konnten. »Manchmal gibt es harte Kämpfe, wie die Musik interpretiert werden soll«, sagt der Geiger.

Auszeichnunge
n Das Trio Mondrian ist kein »Ad-Hoc-Ensemble«, das nur für einen einzigen Auftritt Werke einstudiert, sondern arbeitet regelmäßig zusammen, betont Ben-Ari. Das war wohl auch ausschlaggebend beim renommierten Internationalen Kammermusik-Wettbewerb 2007 im italienischen Triest – ein Auftritt, der das Leben der Musiker veränderte.

Damals erspielten sie sich den ersten Platz, noch dazu den Sonderpreis für die Interpretation eines Brahms-Trios und den »Young Award«. Daraufhin nahm eine Agentur sie unter ihre Fittiche und verpflichtete sie für 30 Konzertauftritte im darauffolgenden Jahr. Seitdem konzertiert das Trio nach wie vor regelmäßig, wenn auch in größeren Abständen als zu Beginn. Dennoch haben sich die drei Israelis weitere Auszeichnungen erspielt, wie etwa den Publikumspreis beim Bologna-Festival 2008. Die israelische Zeitung »Haaretz« schrieb über die Musiker: »Die Musik ist magisch in ihren Händen ... Leichtigkeit, Präzision, ein glänzender Stil ... das sind die Momente, die ein Konzerterlebnis im Gedächtnis verankern.«

Dass die drei Musiker sich gut kennen, sieht und hört man ihnen beim Zusammenspielen an. Sie verständigen sich mit kurzen Blicken und Körpersprache, mehr braucht es oft nicht. Wenn sie ein neues Stück einstudieren, treffen sich zuerst Hila und Daniel und gehen es in Ruhe durch. Vor allem an der Sauberkeit und der Artikulation arbeiten sie.

Wenn sie zufrieden sind, packen sie ihre Instrumente ein und gehen in Prenzlauer Berg von Hilas Wohnung ein paar Straßen weiter zu Ohad, der einen Flügel besitzt. Zu dritt wird dann weiter gefeilt. Mittlerweile haben sie zwei Alben mit Werken von Ravel und Schostakowitsch eingespielt und debütierten im vergangenen Januar als Trio in der Wigmore Hall in London. Doch nur von Auftritten als Trio Mondrian können die Cellistin, der Pianist und der Geiger kaum finanziell überleben. Alle sind auf zusätzliche Engagements angewiesen.

Schade finden sie, dass ihr Repertoire doch übersichtlich ist, weil nicht sehr viele Komponisten Werke für die Gattung Trio geschrieben haben. Ohad Ben-Ari sagt: »Es gibt nicht so viele Möglichkeiten. Deshalb laden wir Gäste ein und erarbeiten uns mit ihnen zusammen andere Werke.«

Wenn sie sich schreiben, nutzen sie die englische Sprache. Aber wenn sie sich miteinander unterhalten, dann verständigen sie sich in ihrer Muttersprache Hebräisch.

Musikerfamilien Hila Karni wurde in Tel Aviv geboren und stammt aus einer Musikerfamilie. Schon ihre Mutter hat Cello gespielt, und ihre Großmutter, die bis 1936 in Berlin lebte, war Klavierlehrerin. Ihr Bruder ist Solobratschist in Zürich, ihre Schwester ebenfalls Klavierlehrerin. Hila Karni studierte bei Bernard Greenhouse in den USA und bei David Geringas in Lübeck und Berlin. Die Mutter von zwei Töchtern, die ebenfalls Instrumente spielen, war auf etlichen Festivals zu hören und ist im Concertgebouw Amsterdam, im Festspielhaus Baden-Baden, in der Kölner Philharmonie, in der Wigmore Hall in London und in der Carnegie Hall in New York aufgetreten.

»Ich habe einen starken Ehemann an meiner Seite – und meine Eltern, die nun auch überwiegend in Berlin leben und mich oft unterstützen«, sagt sie. Seit zwei Jahren ist sie auch Dozentin für Kammermusik an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater.

Seine Eltern seien »nur« Musikliebhaber, sagt Ohad Ben-Ari. Doch die Schwester des Pianisten, Miri Ben-Ari, hat als Jazzmusikerin und Geigerin in den USA den Durchbruch geschafft. 2005 erhielt sie einen Grammy für ihr Spiel beim Rap-Song »Jesus Walks« von Kanye West. Ohad Ben-Ari selbst kennt die Bühne seit seiner Kindheit. Als Zwölfjähriger trat er mit dem Israel Philharmonic Orchestra als Solopianist auf. Er studierte an der Universität von Tel Aviv bei Pnina Salzman und Komposition bei Joseph Dorfman. Später zog er mit seinen Eltern nach Frankfurt, um dort seine Studien zu vertiefen.

preise Doch die Eltern gingen bald wieder zurück nach Israel, während der Sohn in Deutschland blieb. Der 41-Jährige hat zahlreiche Top-Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnen, darunter den ARD-Wettbewerb in München und den Arthur-Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv. Mit einem Repertoire von Klassik bis Jazz und Pop tritt er weltweit auf. Nicht nur als Pianist ist Ohad Ben-Ari gefragt, sondern auch als Komponist. Unlängst erklang in der Berliner Philharmonie sein Stück »Violins of Hope« und beim Usedomer Musikfestival im vergangenen Sommer die »Coconut Sonata« für Klavier.

Daniel Bard, der heute in Amsterdam lebt, begann seine Studien in Haifa bei Avigdor Zamir. Mit 13 Jahren zog er nach Toronto. Seine Leidenschaft für Kammermusik entwickelte er in den sechs Jahren, die er in Kanada als Mitglied des Metro String Quartet verbrachte. Mit 16 Jahren wusste er definitiv, dass für ihn nur ein einziger Beruf in Frage kommt: Musiker. Heute gibt er regelmäßig als Geiger und Bratschist Kammermusik-Konzerte in Israel, Europa und Nordamerika.

Vor dem entscheidenden Wettbewerb 2007 in Triest hatten die drei Musiker fieberhaft nach einem Namen für ihr Ensemble gesucht. Irgendwann stießen sie auf die Bilder von Piet Mondrian und wussten, dass dieser Name für sie passt: »Seine immer wiederkehrenden Farben – blau, rot gelb – stehen für unsere drei Instrumente.«

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