Showbusiness

Meister von Broadway und Hollywood

Mike Nichols (1931–2014) Foto: dpa

Showbusiness

Meister von Broadway und Hollywood

Der Regisseur Mike Nichols starb 83-jährig

von Michael Wuliger  20.11.2014 16:05 Uhr

Die »Großen Vier« des amerikanischen Showbusiness, das sind der Oscar, der Grammy, der Tony und der Emmy: die Auszeichnungen für Spitzenleistungen im Film, in der Tonträgerbranche, am Broadway und im Fernsehen. Nur wenige haben es geschafft, alle vier Preise zu gewinnen.

Zu dieser exklusiven Gruppe gehörte Mike Nichols. Den Grammy erhielt er mit gerade 30 Jahren 1961 für die Schallplattenaufnahme seiner Comedyshow An Evening with Mike Nichols and Elaine May, den ersten von insgesamt neun Tonys als bester Regisseur 1964 für seine Inszenierung von Neil Simons Barfuß im Park, den Oscar 1968 für den Kultfilm Die Reifeprüfung mit Dustin Hoffman und vier Emmys für die TV-Serien Wit (2001) und Angels in America (2004).

klassiker Zu den bekannten Arbeiten des »neuen Orson Welles«, wie ihn Kritiker nannten, gehörten auch Filmklassiker wie sein Kinodebüt Wer hat Angst vor Virginia Woolf? (1966) mit Liz Taylor und Richard Burton und Catch-22 (1970) mit Alan Arkin und Anthony Perkins. Zuletzt drehte Mike Nichols 2007 die Afghanistan-Kriegsfarce Charlie Wilson’s War. 2012 gewann er für seine Neuinszenierung von Arthur Millers Tod eines Handlungsreisenden seinen neunten Tony.

Dabei hatte Mike Nichols eigentlich Arzt werden sollen wie sein Vater, ein russischer Emigrant, der nach der Oktoberrevolution eine erfolgreiche Praxis in Berlin betrieb. Hier kam Mike 1931 als Michael Igor Peschkowsky zur Welt. Die Mutter Brigitte Landauer war eine Tochter des berühmten anarchistischen Philosophen Gustav Landauer. 1938 flüchtete die Familie aus Deutschland, ließ sich in New York nieder und änderte ihren Namen.

1950 ging Mike zum Medizinstudium nach Chicago. Doch statt für das Vorphysikum zu lernen, machte er Studententheater mit seiner damals besten Freundin Susan Rosenblatt, die später als Schriftstellerin unter dem Namen Susan Sontag bekannt wurde. Der Rest ist Kino- und Theatergeschichte.

Am Mittwoch, den 19. November, ist Mike Nichols 83-jährig in New York an Herzversagen gestorben.

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026

Nachruf

Eine Welt voller Wärme

Die jüdische Kinderbuchautorin Myriam Halberstam nimmt Abschied von Janosch, dem Vater von Tiger, Bär und Tigerente

von Myriam Halberstam  06.11.2026

Fernsehen

Biedere Bürgerlichkeit und organisierter Massenmord

Das ZDF zeigt den Oscar-prämierten Spielfilm »The Zone of Interest« über den KZ-Kommandanten Rudolf Höß, der mit seiner Familie unmittelbar neben dem Vernichtungslager Auschwitz lebte

von Josef Lederle  06.11.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  06.11.2026

TV-Tipp

Viele Jahre bis zum großen »Hallelujah«: Arte zeigt Porträt von Leonard Cohen zum zehnten Todestag

Es ist wohl das bekannteste Lied des kanadischen Sängers Leonard Cohen. Und so steht »Hallelujah« auch im Zentrum eines so unterhaltsamen wie inspirierenden Porträts über den legendären Sänger

von Jan Lehr  06.11.2026

Hintergrund

Claudia Roth und der »unfassbare Druck vom Zentralrat«

Die Ex-Kulturstaatsministerin bezeichnet es als »totalen Fehler«, auf der Berlinale Regisseure wegen ihrer israelfeindlichen Aussagen kritisiert zu haben und sucht dafür die Schuld beim Zentralrat der Juden

von Michael Thaidigsmann  05.11.2026

Interview

»Ich bin von Natur aus kein glücklicher Mensch«

Die Schriftstellerin Nele Pollatschek verrät im Gespräch zu ihrem neuen Buch, wie sie gelernt hat, das Leben bewusster und positiver wahrzunehmen – ohne die Augen vor dem Leid der Welt zu verschließen

von Katrin Richter  05.11.2026

Kulturkolumnne

Bis 120 oder Wie wir doch noch zu Muskeljuden werden

In der heutigen Zeit ziehen körperliche Optimierungstrends nicht spurlos an uns vorbei. Sollen wir uns davon beherrschen lassen?

von Laura Cazés  05.11.2026

Kino

Im Angesicht der Schmerzen, der Angst und Scham

»Block 10« beleuchtet die medizinischen Experimente an Frauen in Auschwitz – und versteht sich auch als eine Antwort auf die Gegenwart

von Chris Schinke  05.11.2026