TV-Serie »Holocaust«

»Mehr Zuschauer als erwartet«

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn Foto: imago/Future Image

Herr Schönenborn, der WDR hat nach 40 Jahren die vierteilige US-Serie »Holocaust« wiederholt. Warum?
Als Programmverantwortlicher beschäftige ich mich sehr intensiv mit der Frage, wie wir in der Gesellschaft mit Minderheiten und Ausgegrenzten umgehen. Dass Antisemitismus wieder so präsent geworden ist, gehört leider dazu. Damals hat »Holocaust« die Kriegsgeneration ins Gespräch mit ihren Kindern gebracht, heute kann die Serie neue Anstöße für die Gegenwart geben.

Die Erstausstrahlung 1979 sahen mehr als 20 Millionen Zuschauer. Wie ist die Resonanz heute?
Wir hatten im WDR-Fernsehen bei den ersten beiden Folgen jeweils etwa 700.000 Zuschauer, der NDR fast ebenso viele. Weitere Ausstrahlungen im SWR und eventuell in anderen Dritten Programmen folgen noch. In der Summe werden die beiden ersten Folgen deutlich mehr als eine Million Menschen erreicht haben. Ich finde das für ein 40 Jahre altes Programm sehr erfreulich. Es ist mehr, als ich erwartet habe.

1979 lief die Serie in den Dritten Programmen. Warum diesmal nicht in der ARD?
Zur Geschichte von »Holocaust« gehört auch der Streit um die Ausstrahlung im Ersten oder den Dritten Programmen. Als Programmdirektor bin ich stolz, dass der WDR damals für die Serie gekämpft hat. Deshalb war mein Impuls, es zum Jahrestag so zu machen wie damals. Und als ich mit den Kolleginnen und Kollegen in der ARD-Programmkonferenz darüber sprach, waren der NDR und der SWR spontan mit
dabei.

Hätte »Holocaust« zur Prime Time mehr Zuschauer erreicht? Um 20.15 Uhr lief an den Sendetagen im WDR eine Kochsendung und eine Alpen-Doku.
Das weiß man nicht. Unsere Erfahrung ist, dass bei Programmen, die ein bestimmtes Interesse voraussetzen, in der Prime Time oft weniger Zuschauer zu verzeichnen sind als auf einem späteren Sendeplatz. Unsere Absicht war, so viele Zuschauer wie möglich zu finden. Und wir hatten vermutet, dass das um 20.15 Uhr gegen die Konkurrenz aller fiktionalen Premieren in ARD, ZDF und RTL schwieriger sein könnte. Nun belegen die Zahlen, die für Dritte Programme sehr gut sind, dass die Ausstrahlung um 22 Uhr nicht völlig an den Interessen der Zuschauer vorbeiging.

Damals gab es erhebliche Proteste und Diskussionen rund um die Serie. Wie sind heute die Reaktionen der Zuschauer?
Ich bin sehr froh und erleichtert darüber, dass wir am häufigsten hören: »Danke, dass Sie das nochmals zeigen.« Ich habe aber auch eine Handvoll Briefe oder Mails, in denen gefragt wird, wie lange wir Deutsche uns noch damit beschäftigen müssen. Und wir haben eine Facebook-Seite, auf der Reaktionen gesammelt werden. Auch da posten ein paar Verirrte. Aber die positiven Rückmeldungen überwiegen deutlich.

Mit dem WDR-Fernsehdirektor sprach Detlef David Kauschke.

Berlin

733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten

Eine Ausstellung im Paul-Löbe-Haus erzählt von Verlust, Hoffnung und bleibenden Folgen in der Zeit zwischen dem 7. Oktober und dem Abkommen zur Freilassung der Geiseln

von Pascal Beck  09.10.2026

München

Simon Rattle bleibt bis 2033 Chef des BR-Symphonieorchesters

»Symphonischer Hoagascht« oder »Singen mit Sir Simon« hießen Projekte, die Sir Simon Rattle eingeführt hat. Die Arbeit mit dem Symphonieorchester des BR und seinem Chor sagt dem Chefdirigenten zu. Er hat nun verlängert

von Barbara Just  08.10.2026

Adania Shibli

Plattitüden in Romanform

Auch das zweite auf Deutsch erschienene Buch der palästinensischen Autorin weist einen holzschnittartigen Charakter auf

von Enno Stahl  08.10.2026

Prag

Spätes Debüt

Der Schriftsteller Eli Beneš gilt als bekannteste literarische Stimme der Juden in Tschechien. Sein Roman über einen Schoa-Überlebenden machte ihn zum preisgekrönten Autor. Eine Begegnung

von Kilian Kirchgeßner  08.10.2026

Literatur

»Es gibt zwei Seiten«

Zur Frankfurter Buchmesse ruft die israelische Autorin Orna Landau gegen den Boykott von Büchern auf: »Entscheidet euch für Wissen«

von Ayala Goldmann  08.10.2026

Literatur

Geistige Freiheit

Tschechien ist Ehrengast der Buchmesse. Unser Autor erinnert an die Zeit nach dem Prager Frühling, als Bücher in seiner Heimat als »Samisdat« im Untergrund erschienen

von Jan Faktor  08.10.2026

Nahost

Die Geschichte eines Krieges

Shahrzad Eden Osterer und Richard C. Schneider analysieren den Konflikt zwischen Israel und Iran – und die Rolle der involvierten Proxy-Armeen

von Eva M. Grünewald  08.10.2026

7. Oktober

Maxim Biller und die Barbaren

In »Schwarze Samstage« kämpft der Schriftsteller mit den Folgen des Massakers in Israel – und zieht eine harte Linie zwischen Juden und »Gojim«

von Tobias Kühn  07.10.2026

TV-Tipp

»Phoenix« - herausragender Film über eine Holocaust-Überlebende

Christian Petzolds grandiose Parabel auf Deutschland im »Jahre Null«

von Felicitas Kleiner  07.10.2026