Stand-up-Comedy

Meckern als Markenzeichen

Lewis Black macht Europa unsicher. Foto: picture alliance / REUTERS

Wer glaubt, dass Stand-up-Comedians im Alter zahmer werden, hat sich getäuscht. Der 75-jährige Lewis Black aus New York, der derzeit erstmals in Europa auftritt, ist der höchstlebendige Beweis für diese These.

Meckern ist sein Markenzeichen, wie das Publikum in Amsterdam am Dienstag feststellen durfte. Am Donnerstag ist Brüssel an der Reihe, dann kommen noch London und Stockholm. Den Berliner Ernst-Reuter-Saal wird Black am 22. Mai auseinandernehmen.

Lewis Black macht das Meckern zur sportlichen Disziplin. Er beginnt zurückhaltend und erhöht dann langsam das Tempo, wie ein Tour de France-Fahrer in den Pyrenäen, der weiß, dass er noch viele Steigungen vor sich hat. Plötzlich entlädt sich dann die jeweilige Schimpftirade – und zwar recht lautstark.

Größe der Disziplin

Der Alleinunterhalter bedient sich beim Meckern diverser Mittel. Seine dominante Stimme und die New Yorker Mundart gehören ebenso dazu wie die regelmäßige Nutzung des Wortes »Fuck«. Auf Letztere baut er zunächst sparsam, bis er im Laufe seiner Shows die Frequenz empfindlich erhöht.

Es ist das Gesamtpaket, das Lewis Black für Liebhaber amerikanischer Stand-up-Comedy zu einer der Größen dieser Disziplin macht. Er ist in gewisser Weise einer der wichtigsten Erben verstorbener Kollegen wie Richard Pryor oder George Carlin, mit denen er viel gemeinsam hat – darunter seine ausgeprägte Beobachtungsgabe und seinen Blick für »Bullshit« im echten Leben.

Lewis Black wurde 1948 in Washington D.C. in eine jüdische Familie hinein geboren und wuchs in Silver Spring im Bundesstaat Maryland, unweit der amerikanischen Hauptstadt, auf. Seine Großeltern waren aus der Ukraine und aus Polen in die Vereinigten Staaten eingewandert. Leib Blech hieß sein Großvater väterlicherseits. Daraus wurde in Amerika Louis Black. Der Enkel bekam den gleichen Namen in anderer Schreibweise.

Jesus und Coca-Cola

Nicht alles in Lewis Blacks Leben war witzig. Mit 26 Jahren war er ganze zehn Monate lang verheiratet und blieb seither überzeugter Junggeselle. Sein jüngerer Bruder Ronald starb im Alter von 47 Jahren an Krebs.

Seine Performances hoben erst richtig ab, nachdem er bereits Jahrzehnte an kleinen Veranstaltungsorten ein paar Leute aus der Nachbarschaft und ihre Dackel unterhalten hatte. Erst im neuen Millennium bekam er mit »HBO Specials« eigene Sendungen beim Pay-TV-Kanal HBO.

»Black on Broadway«, eines dieser Specials, ging als Highlight in die Stand-up-Comedy-Geschichte ein. Hier erzählte er seinem Publikum von einer Reise nach Italien, wo Jesus so oft zu sehen sei, dass selbst er als Jude beinah an ihn geglaubt hätte. »Er ist die Coca-Cola von Italien!«

Treffende Übersetzung

Seine Flugreise nach Neuseeland war ihm allerdings zu lang. »Sie geben dir Essen, Essen, Spirituosen, Spirituosen, Essen und Essen. Sie zeigen Dir mehrere Filme. Und wenn der ganze Mist durch ist, fehlen immer noch 14 verdammte Stunden.«

Auch erklärte er den Leuten die Wirtschaft: »Sie wird stärker, dann schwächer, dann wieder stärker und wieder schwächer. Niemand hat eine verdammte Ahnung davon, warum dies passiert.« Das Wort »verdammt« fungiert auch hier als treffendste Übersetzung von »Fuck«.

Eines seiner HBO-Specials ließ Lewis Black im Washingtoner Warner Theater aufzeichnen. Das Kennedy Center war ihm zu fein. Dort habe man verlangt, dass er das F-Wort seltener benutze: »Irgendein Arschloch wurde dafür bezahlt, dass es die ›Fucks‹ zählte.«

Herber Nachgeschmack

Zuweilen berührt der Künstler Themen, von denen er besser die Finger gelassen hätte, da sie einen herben Nachgeschmack hinterlassen. Andererseits wäre Lewis Black nicht Lewis Black, wenn er auf Zweifler und Kritiker hören oder sich um Konventionen oder Regeln kümmern würde.

Neben der Stand-up-Comedy ist er als Buchautor und Filmdarsteller unterwegs. Unklar ist, wie es die Regisseure schaffen, die alte Meckerziege Lewis Black im Zaum zu halten.

Lewis Black, »Goodbye Yeller Brick Road – The Final Tour«, Mittwoch, 22. Mai 2024, 20.00 Uhr, Ernst-Reuter-Saal, Berlin. Tickets sind hier verfügbar.

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