90. Geburtstag

Masal tow, Michael Degen!

Michael Degen sel. A. (1932–2022) Foto: picture alliance / dpa

90. Geburtstag

Masal tow, Michael Degen!

Serien, Bühne und Bücher – der Berliner Schauspieler hat das deutsche Fernsehen mitgeprägt

von Katrin Richter  29.01.2022 22:27 Uhr

Michael Degen wird 90. Was für ein Leben! Der Schauspieler, der am 31. Januar 1932 in Chemnitz zur Welt kam und seit seinem ersten Lebensjahr in Berlin aufwuchs, ist ein gefeierter Theaterdarsteller, Fernsehstar und Buchautor.

Für die Rolle des gepflegten älteren Herrn, der sich mit Stil in der Gesellschaft bewegt, schien Degen in TV-Serienklassikern wie Diese Drombuschs oder in seiner Rolle des Vice Questore Patta in den Verfilmungen der Donna-Leon-Krimis um Commissario Brunetti wie gemacht. Privat, sagte er dem TV-Sender »Phoenix« einmal in einem Interview, sei er viel lässiger und immer sehr bequem gekleidet.

autobiografie Michael Degen blickt auf ein Leben zurück, das anfänglich geprägt war von Ausgrenzung, Untertauchen und tiefen Rissen. Sein Vater wurde ermordet, er überlebte die NS-Zeit im Versteck. Die Erinnerungen verarbeitete er in seiner 1999 erschienenen und 2006 von Jo Baier verfilmten Autobiografie Nicht alle waren Mörder: Eine Kindheit in Berlin.

Ende der 40er-Jahre ging er nach Israel und arbeitete als Schauspieler an den Kammerspielen in Tel Aviv. Doch Degen verließ Israel nach zwei Jahren, obwohl er »am liebsten dageblieben« wäre, wie er einmal in einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen sagte. Was zog ihn zurück?

»Meine Muttersprache war und ist Deutsch. Und obwohl ich in Israel Klassiker wie Shakespeare oder Molière gespielt habe – alles auf Hebräisch –, bleibt Muttersprache nun einmal Muttersprache. Ich hatte große Sehnsucht danach, wieder einmal in deutscher Sprache auf der Bühne zu stehen. Und das habe ich dann ja auch getan.«

JOSHUA SOBOL Degen spielte in Klassikern wie William Shakespeares Wie es euch gefällt, arbeitete mit Theatergrößen wie Bertolt Brecht, George Tabori oder Peter Zadek zusammen – mit Letzterem im Stück Ghetto von Joshua Sobol, in dem er Jacob Gens spielt, den Chef des Judenrats im Wilnaer Ghetto.

Sobol sagte der Jüdischen Allgemeinen, dass erst durch Degens Spiel diese Figur wahrhaftig wurde: »Vor meinen Augen dort auf der Bühne wurde er lebendig; so, wie ich ihn mir beim Schreiben vorgestellt hatte.« Diese Fähigkeit, so Sobol, bezog Degen aus seinem tiefsten Inneren und den Schätzen seiner Persönlichkeit.»

An seinem Beruf genießt Degen die Vielfalt, alles machen zu können, und zwar die volle Bandbreite: Ernstes, Populäres, Einfaches, Kompliziertes – und richtige «olle Schnulzen». Aber Degen kann das, denn er verleiht auch den seltsamsten Charakteren Würde. Vielleicht, weil er selbst so viel davon hat.

KURT BLUMENFELD Wenn Degen spricht, ist er ruhig und höflich, aber dabei auch der «Berliner Junge». Wenn er erzählt, kann keiner weghören, so faszinierend ist seine Stimme, so einladend seine Persönlichkeit. Vielleicht war eine Filmrolle in Margarethe von Trottas Film Hannah Arendt eine seiner beeindruckendsten. An der Seite von Barbara Sukowa spielte Michael Degen Arendts engen Jerusalemer Freund und Zionisten Kurt Blumenfeld, der ihre Beobachtungen zum Eichmann-Prozess in Jerusalem nicht teilt.

Das Schreiben ist ein wichtiger Teil des späteren Lebens von Michael Degen. Nach seiner Autobiografie folgten unter anderem Mein heiliges Land (2007) – ein Buch über die Suche nach seinem Bruder –, Familienbande (2011), ein Roman über das Leben von Thomas Manns Sohn Michael, und Der traurige Prinz (2015) über die Begegnung mit dem österreichischen Schauspieler Oskar Werner.

Ob nun im Anzug oder privat «lässig»: Alles Gute zum 90. Geburtstag. Masal tow, Michael Degen!

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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