Kino

Makkabäer ohne Mel

Ist Mel Gibson ein antisemitischer Serientäter? Foto: cinetext

Mel Gibson wird nun doch nicht das Leben von Jehuda haMakabi verfilmen. Der Filmriese Warner Brothers hat das Projekt vorläufig auf Eis gelegt. Die Studioverantwortlichen urteilten, das Skript von Drehbuchautor Joe Eszterhas (Basic Instinct, Showgirls) sei mangelhaft und deshalb nicht verfilmbar.

»Judenlümmel« So weit, so Hollywood-alltäglich. Die Zahl der Drehbücher, die es nie zur Produktionsreife bringen, ist in der Filmbranche Legion. In diesem Fall jedoch hat die Absage besondere Brisanz bekommen, nachdem Eszterhas antisemitische Motive hinter der Entscheidung auszumachen glaubt. In einem neunseitigen Brief an Warner Brothers, der wenig später in der Branchenpresse auftauchte, erhob der Drehbuchautor schwere Vorwürfe gegen Gibson.

Der habe das Projekt – eine Art jüdische Braveheart-Version – nie ernsthaft realisieren wollen, sondern es nur aus PR-Gründen angekündigt, um sein nach diversen antisemitischen Skandalen ramponiertes Image aufzupolieren. Dabei sei Gibson jedoch derselbe Judenfeind wie eh und je geblieben. Im Lauf der 15 Monate währenden Arbeit an dem Projekt habe er ihm gegenüber Juden verächtlich als »Itzigs«, »Judenlümmel« und »Gasofen-Drückeberger« bezeichnet und vom Holocaust als »Scheißhausgerücht« gesprochen.

Der katholische Star habe außerdem erklärt, er wolle mit dem Makkabi-Biopic »Juden zum Christentum bekehren«. Ezsterhas’ Fazit: »Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der Grund, dass du The Maccabees nicht drehen willst, der hässlichste von allen ist. Du hasst Juden.«

dementi Gibson reagierte mit einem Offenen Brief an Eszterhas: Die Vorwürfe seien frei erfunden und nichts weiter als ein Racheakt, weil er Ezsterhas’ Drehbuch als »unter Niveau« und »Zeitverschwendung« bezeichnet habe. Im Übrigen arbeite er seit zehn Jahren an dem Projekt. »Ich will den Film unbedingt machen – aber nicht mit deinem Drehbuch!« Ezsterhas hält demgegenüber an seiner Darstellung fest. Er könne sie mit Tondokumenten belegen.

Abraham Foxman von der Anti Defamation League (ADL) nannte Gibson in einer Presseerklärung einen »antisemitischen Serientäter«. Die ADL hatte bereits auf die Bekanntgabe des Makkabäerprojekts im September 2011 skeptisch reagiert. Die »Geschichte eines jüdischen Helden« von jemandem wie Gibson verfil- men zu lassen, möglicherweise mit ihm sogar in der Hauptrolle, komme »einem Hohn gleich«.

Internationale Holocaust Gedenkstätte

Rabbinerkonferenz weist Kritik an deutschen Yad-Vashem-Standorten zurück

Die geplanten Außenstellen von Yad Vashem in Deutschland stoßen auch auf Skepsis. Doch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz warnt davor, die Arbeit der Gedenkstätte zum Gegenstand politischer Abrechnungen zu machen

 31.05.2026

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  31.05.2026

Literatur

»Sie verdichten, was zu zerfallen droht«

Die Schriftstellerin Yasmina Reza ist mit dem Frank-Schirrmacher-Preis 2026 ausgezeichnet worden. Wir dokumentieren die Laudatio von Christian Berkel

von Christian Berkel  31.05.2026

Zeitreise

Historische Frankfurter Judengasse wird virtuell erlebbar

In den Alltag von Jüdinnen und Juden im Jahr 1864 in Frankfurt am Main eintauchen, sich als Passant in der historischen Judengasse bewegen und mit Bewohnern sprechen: Das Jüdische Museum Frankfurt hat eine internetbasierte Zeitmaschine entwickelt

von Jens Bayer-Grimm  29.05.2026

TV-Tipp

Kultfilm »Harry und Sally« - immer wieder was fürs Herz

Die Komödie des vor Kurzem ermordeten Regisseurs Rob Reiner avancierte zum Kultfilm

von Jan Lehr  29.05.2026

Konzerte

Doja Cat kommt mit »Ma Vie World Tour« nach Hamburg und Berlin

Ihren Durchbruch feiert sie über SoundCloud, bevor sie mit dem viralen Hit »Mooo!« erstmals weltweite Aufmerksamkeit bekommt

 29.05.2026

Meinung

Kein Boykott – nur Abscheu

Die irische Schriftstellerin Sally Rooney möchte ihren neuesten Roman doch auf Hebräisch übersetzen lassen. Zuvor sortiert sie aber Israelis aus - und das Mitgefühl gleich mit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Warnung

Steven Spielberg will keine KI nutzen

Der Filmemacher sieht einen Platz für KI in der Medizin und in der Forschung.

 28.05.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Imanuel Marcus  28.05.2026