Kunst

»Lieber über antisemitische Klischees debattieren«

Hito Steyerl Foto: picture alliance/dpa

Die Stadt Pirmasens hat die für den 5. März geplante Verleihung des Hugo-Ball-Preises an die Künstlerin Hito Steyerl abgesagt. Stattdessen soll auf Anregung Steyerls offen »über antisemitische Klischees in der Zeit Hugo Balls und unserer Gegenwart« debattiert werden, teilte die Stadt am Freitag mit.

Zwar hätten sich Experten und die Hugo-Ball-Gesellschaft ausführlich mit problematischen Passagen in Balls Werk beschäftigt, hieß es. Dies sei »jedoch in der breiten öffentlichen Wahrnehmung nicht präsent«.

Steyerl sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie habe den Preis nicht abgelehnt, »denn es gibt heuer keinen Preis«. Es sei positiv, dass man es gemeinsam als nötig ansehe, »über antisemitische und möglicherweise rassistische Momente in Balls Werk« zu sprechen. Die Entscheidung werde von der Autorin und Performerin Olivia Wenzel aus Weimar mitgetragen, die einen Förderpreis erhalten sollte.

Pirmasens vergibt die nach Dada-Mitbegründer Hugo Ball (1886-1927) benannte Auszeichnung seit 1990 alle drei Jahre. Mit dem mit 10 000 Euro dotierten Preis erinnert die Stadt an sein Gesamtwerk. Ball hatte 1916 mit Emmy Hennings das Cabaret Voltaire in Zürich eröffnet, das konventionelle Kunst ablehnte. Bekannt wurden unter anderem seine experimentellen Lautgedichte wie etwa »Gadji beri bimba«.

Die 1966 in München geborene Steyerl gilt als eine der international wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart. Die in Berlin lebende Kunst-Professorin experimentiert unter anderem mit medialen Präsentationsformen und setzt sich kritisch mit künstlicher Intelligenz auseinander. Ihre Werke werden weltweit ausgestellt. dpa

7. Oktober

Maxim Biller und die Barbaren

In »Schwarze Samstage« kämpft der Schriftsteller mit den Folgen des Massakers in Israel – und zieht eine harte Linie zwischen Juden und »Gojim«

von Tobias Kühn  07.10.2026

TV-Tipp

»Phoenix« - herausragender Film über eine Holocaust-Überlebende

Christian Petzolds grandiose Parabel auf Deutschland im »Jahre Null«

von Felicitas Kleiner  07.10.2026

Programm

Musikalische Crossovers, Kontroverse, Krimi und Krav Maga: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 8. Oktober bis zum 14. Oktober

 07.10.2026

Deutscher Buchpreis

Hermeskeil ist stolz auf Shida Bazyar

Die Auszeichnung würdigt den Roman einer Autorin aus dem Hunsrück. Das gibt der Stadt neuen Anlass, sich mit den verdrängten Kapiteln seiner Geschichte auseinanderzusetzen.

von Ira Schaible, Sandra Trauner  07.10.2026

TV-Tipp

Zwischen Terror und Trauma

Eine Reportage von Jan Philipp Burgard auf WELT TV zeigt Israel und seine Menschen drei Jahre nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023

von Detlef David Kauschke  07.10.2026

Im Kino

Mutiges Biopic über Österreichs Ex-Kanzler: »Bruno – Der junge Kreisky«

Harald Sicheritz hat ein Biopic gedreht, das die politischen Kämpfe zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten, zwischen der Linken an sich und den Nationalsozialisten in den 1930er Jahren differenziert darstellt

von Sascha Westphal  06.10.2026

Literatur

Neues Jugendbuch von Holly-Jane Rahlens: Ein eher unbekanntes Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte

Displaced Persons Camps der Nachkriegszeit: Sie stehen im Zentrum eines neuen Buches von Holly-Jane Rahlens. »Frostblüten« heißt und erzählt von der Freundschaft der jüdisch-polnischen Estera und der Berlinerin Lotte

von Nina Schmedding  06.10.2026

Aufruf

Buchpreis-Trägerin Shida Bazyar warnt vor AfD

Shida Bazyar ist mit dem diesjährigen Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. In einem Vorab-Interview äußerte sie sich auch politisch

von Anita Hirschbeck  06.10.2026

Literatur

Shida Bazyar für ihren Roman »Die Lücken« mit Deutschen Buchpreis ausgezeichnet

Der Preis wurde am Montagabend im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse vergeben

 05.10.2026 Aktualisiert