Hören!

Liebe und Anarchie

Erich Mühsam Foto: dpa

Hören!

Liebe und Anarchie

Eine lange Radionacht über den Schriftsteller Erich Mühsam

 03.04.2013 20:52 Uhr

Liebe und Anarchie waren die Leitlinien Erich Mühsams, der 1878 in Berlin geboren und am 10. Juli 1934 im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. »Liebe und Anarchie« heißt auch die dreistündige »Lange Nacht« über den Schriftsteller, die am Samstag, den 6. April von Deutschlandradio Kultur um 0.05 Uhr und vom Deutschlandfunk um 23.05 Uhr ausgestrahlt wird.

bohème Erich Mühsam saß zwischen allen Stühlen – fast sein ganzes Leben lang. Als 17-Jähriger wurde er wegen »sozialdemokratischer Umtriebe« der Schule verwiesen. Nach dem Ersten Weltkrieg beteiligte er sich an der Münchener Räterepublik, redete vor Zehntausenden von Arbeitern und Soldaten. Im Gegensatz zu vielen anderen Führern des Aufstands überlebte er die Niederschlagung der Räterepublik, wurde aber zu 15 Jahren Haft verurteilt, von denen er fünf absaß, bevor er 1924 amnestiert wurde. Mühsam war bekennender Anarchist.

Doch Gewalt war dem herzlichen, großzügigen und gütigen Menschen, als den ihn Zeitgenossen beschrieben, zuwider. Der Autor, der bereits mit 15 Jahren seine ersten satirischen Texte veröffentlicht hatte, war befreundet mit Heinrich Mann, Frank Wedekind, Lion Feuchtwanger und Oskar Maria Graf. Doch vielen seiner literarischen Kollegen war Mühsam zu politisch. Den ernsthaften Anarchisten wiederum war er zu sehr Bohème: Er dichtete zu unpolitisch, trank zu viel und vergnügte sich zu sehr – nicht nur, so der Vorwurf, mit Frauen.

Weil er mit den Kommunisten kooperierte, um den Aufstieg des Nationalsozialismus zu verhindern, wurde Erich Mühsam von vielen seiner anarchistischen Genossen geächtet. Weil er an der Staatskritik und am Individualismus der Anarchisten festhielt, wurde er von den Kommunisten als »Kleinbürger« kritisiert, auch noch nach seiner Ermordung im KZ. ja

»Liebe und Anarchie. Eine Lange Nacht über Erich Mühsam«, Samstag 6. April, 0.05 Uhr (Deutschlandradio Kultur), 23.05 Uhr (Deutschlandfunk)

TV-Kritik

Der Ring, der nie gelungen: Arte-Doku über Richard Wagner und sein monumentales Werk

Eine Arte-Dokumentation erzählt die Geschichte von Richard Wagners Gesamtkunstwerk und seiner Vereinnahmung durch die Nazis

von Manfred Riepe  15.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Hamburg

Art Garfunkel kommt für ein Konzert nach Deutschland

Der Vorverkauf für den Auftritt in der Elbphilharmonie am 24. Oktober hat begonnen

 14.08.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 14.08.2026

ESC

Stiller Boykott?

Einige Länder könnten auch die kommende Ausgabe des ESC aufgrund der Teilnahme des jüdischen Staates boykottieren. Nun gibt es eine neue umstrittene Regel

von Daniel Zander  14.08.2026

Exklusiv

Causa Georg Restle: Jetzt meldet sich WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni zu Wort

Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, beschwerte sich über einen X-Post des Journalisten Georg Restle. Nun bekam er eine Antwort

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Leipzig

Ausstellung mit Fotografien von NS-Deportationen

Mehrere Hunderttausend Menschen wurden in der NS-Zeit aus dem Deutschen Reich deportiert. Ein Forschungsprojekt sichert seit Jahren fotografische Dokumente. Einige zeigt jetzt das Leipziger Ariowitsch-Haus

 13.08.2026

Jubiläum

25 Jahre Jüdisches Museum Berlin: Risse in der Geschichte

2001 öffnete das Jüdische Museum seine Türen für die Öffentlichkeit. Der Bau des bekannten Architekten Daniel Libeskind stand da schon. Und spricht bis heute eine eigene Sprache

von Nikolas Ender  13.08.2026

NRW

Antisemitismus: Konzert der Rapper Kneecap in Oberhausen geplant, Absage gefordert

Die Veranstalter sagen, Vorwürfe der Terrorverherrlichung gegen die nordirische Band würden ernst genommen und »intensiv geprüft«. Eine Absage komme aber nicht infrage

 13.08.2026