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Lange Leitung

Wie Israel sich durch ein Einfuhrverbot des neuen iPad fast blamiert hätte

von Ralf Balke  27.04.2010 11:43 Uhr

Bluhendes High-Tech: Israels Behörden erlauben endlich die Einfuhr des iPad. Foto: Frank Albinus

Wie Israel sich durch ein Einfuhrverbot des neuen iPad fast blamiert hätte

von Ralf Balke  27.04.2010 11:43 Uhr

Boaz C. ist Flugbegleiter bei der ElAl, und er wurde in Israel zum High‐Tech‐Pionier. Der Apple‐Fan hatte nämlich vor zwei Wochen versucht, mit seinem in Los Angeles gekauften iPad, dem neuen Tablet Computer der Firma Apple, nach Israel einzureisen. »Als ich das iPad dem Zoll zeigte, um die Einfuhrgebühren zu zahlen, hieß es plötzlich, dass das Gerät nicht den israelischen Standards entspreche und deshalb keinesfalls ins Land gebracht werden dürfe«, erzählt Boaz. Kurzerhand wurde es konfisziert. Doch wie Boaz war es noch zahlreichen anderen Israelis ergangen. Innerhalb von zwei Wochen stapelten sich beim Zoll gleich mehrere Dutzend iPads.

standards Nach ein paar Wochen wurde das Importverbot zwar aufgehoben, aber der Ärger der Besitzer lässt sich so nur geringfügig besänftigen. Die iPad‐Besitzer dürfen nämlich pro Tag Aufbewahrung umgerechnet knapp zehn Euro löhnen. Alternativ bestand die Option, jemanden das Gerät aushändigen zu lassen, der ins Ausland flog. Diesen Service ließ sich der Zoll dann mit 40 Euro bezahlen.

Das Importverbot, das Israel in die Schlagzeilen brachte, war mit anderen technischen Standards begründet worden. »Die in den USA verkauften iPad‐Modelle nutzen eine Wi‐Fi‐Sendefrequenz, die stärker ist als unsere. Deshalb entsprechen die Geräte nicht unseren Standards«, hatte Yechiel Schavi, Sprecher des israelischen Kommunikationsministeriums, erklärt.

Linksverkehr In den USA werden im 5‐Gigahertz‐Band von der Wi‐Fi‐Norm 802.11n deutlich mehr Frequenzen benutzt als in Israel, wo der europäische Standard Regel ist. In Israel sind die deshalb eigentlich nicht für private Nutzer freigegeben. Als nun darüber spekuliert wurde, ob die Wi‐Fi‐Sendefrequenzen des iPads vielleicht mit denen des Militärs kollidieren würden, kam von Schavi der Kommentar, dass er davon nichts wisse. Dafür erklärte er aber Folgendes: »Ein Konsument, der ein britisches Auto importieren will, das für den Linksverkehr konstruiert wurde, weiß doch auch, dass ein solches Fahrzeug nicht für Israel geeignet ist.«

Damit machte Schavi sich und seine Behörde zur Lachnummer in den israelischen und internationalen Medien. Unwissenheit und Ignoranz waren noch die höflicheren Eigenschaften, die dem Ministe‐ rium dabei unterstellt wurden. Denn wenn die US‐Standards in Israel Probleme verursachen würden, dann müsse das Verbot ebenfalls für alle in den Vereinigten Staaten verkauften Laptops oder Smartphones wie das iPhone oder das Blackberry gelten, in denen dieselben Wi‐Fi‐Module arbeiten wie im iPad. Dies ist aber nicht der Fall.

image Zudem regte sich Widerstand aus der Wirtschaft und Politik. Schließlich steht Israel in dem Ruf, eine der weltweit führenden High‐Tech‐Nationen zu sein. Soft‐ und Hardware‐Produkte im Wert von über 15 Milliarden Dollar werden pro Jahr exportiert. Und nicht wenige israelische Unternehmen profitieren ebenfalls vom Boom der rund um das iPhone und iPad entwickelten Applikationen, auch Apps genannt.

»Der Schaden für das Image unseres Landes aufgrund des Einfuhrverbotes könnte erheblich sein«, so Robert Ilatov, Vorsitzender des Knesset‐Auschuss für die Förderung der High Tech‐Industrie. In der israelischen Blogosphäre machte eine ganz andere Theorie die Runde, warum der Zoll die iPads konfisziert haben könnte. Apple hatte lange Zeit nur eine Randexistenz auf dem israelischen Markt gespielt. Das sollte sich vor zwei Jahren ändern, als Nehemia Peres, Sohn des Staatspräsidenten Schimon Peres, die Firma iDigital übernahm, die exklusiv Apple‐Produkte in Israel vertreibt. Ein erster Apple‐Store eröffnete daraufhin in einem Einkaufszentrum in Ramat Aviv seine Pforten, ein weiterer wenige Monate später im Dizengoff‐Center in Tel Aviv. Und seit dem Dezember 2009 gibt es das iPhone offiziell in Israel zu kaufen – zwei Jahre später als im Rest der Welt. Doch zuvor hatten die Gadget‐vernarrten Israelis bereits rund 100.000 dieser schicken Alleskönner privat ins Land gebracht. Darüber war iDigital nicht gerade begeistert. Und genau diesen Grauimport habe das Unternehmen bei dem neuen Kultobjekt iPad verhindern wollen – so die beliebte Theorie.

Pionier Aber nach knapp zwei Wochen hatte die Verwirrung denn doch ein Ende und das Kommunikationsministerium ein Einsehen. Tests hätten erwiesen, dass das iPad seine Wi‐Fi‐Frequenzen automatisch dem lokalen Standard anpasse, hieß es ganz plötzlich lapidar vonseiten des Ministeriums. Damit sei das Problem geklärt und die Besitzer der vom Zoll konfiszierten Geräte dürften jetzt zum Flughafen fahren, um ihre iPads abzuholen. Für Apple‐Fans wie Boaz C. nur ein schwacher Trost, denn auf den Kosten für die Aufbewahrung bleibt er sitzen. Boaz C. ist halt ein israelischer High‐Tech‐Pionier.

Alfred Bodenheimer

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