Jüdisches Museum Berlin

»Land ist in Sicht«

Beim Neujahrsempfang des Jüdischen Museums Berlin am Donnerstagabend hat der geschäftsführende Direktor, Martin Michaelis, das Konzept des geplanten Kindermuseums vorgestellt. Es soll am 17. Mai 2020 seine Tore öffnen – zeitgleich mit der neu gestalteten Dauerausstellung in der Lindenstraße in Berlin-Kreuzberg.

Anschließend präsentierten die Projektleiterinnen Gelia Eisert und Barbara Höffer Details des Entwurfs und Konzepts. Das Kindermuseum solle einen Beitrag zu Tikkun Olam, einer heileren Welt, schaffen, sagten die beiden Museumsmacherinnen unter anderem. Der neue Ort für junge Besucher zwischen drei und zehn Jahren entsteht derzeit in der ehemaligen Blumengroßmarkthalle gegenüber dem Hauptgebäude.

kritik Der bisherige Leiter des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer, war im Juni nach anhaltender Kritik am Kurs des Museums – auch vonseiten des Zentralrats der Juden – von seinem Amt zurückgetreten. Ein Leiter wird derzeit gesucht.

Vor mehreren Hundert Gästen im Glashof des Museums sagte Michaelis drei Tage vor dem jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana, die Geschichte der Arche Noah sei der Ausgangspunkt beim Kindermuseum: »Wir betreten damit Neuland – obwohl wir seit Langem viele Programme für Kinder anbieten, fehlte doch bisher eine Ausstellung exklusiv für die ganz Kleinen.«

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Das neue Kindermuseum soll den Namen ANOHA tragen. Der Bau biete enorme Entfaltungsmöglichkeiten für die jungen Besucher, sagte Michaelis. Am Schluss des Rundgangs durch das Museum »endet auch die Reise der Arche. Land ist in Sicht, und damit stellt sich unweigerlich die Frage, wie die neue Welt beschaffen sein soll«.

bagel Michaelis erklärte weiter: »An die in der Tora enthaltene göttliche Bauanleitung haben wir uns nicht gehalten. Gott gab Noah vor, die Arche 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch zu bauen. Wir haben uns stattdessen entschlossen, einen kreisrunden Baukörper zu errichten. (…) Die einen meinen, es sei eine mesopotamische Arche, die anderen fühlen sich eher an ein Raumschiff erinnert. Wieder andere nennen den Schiffskörper liebevoll den ›Bagel‹.«

Bei dem Historiker, Museologen und CDU-Politiker Christoph Stölzl bedankte sich Michaelis für dessen Unterstützung. Das Museum könne sich glücklich schätzen, »einen so erfahrenen Museumsmacher und ›public intellectual‹ an seiner Seite zu haben«, sagte Michaelis.

Christoph Stölzl ging in seiner Rede auch auf »das Thema des heiklen Streits vor mehreren Monaten«, wie er es nannte, ein.

Stölzl ging in seiner Rede auch auf »das Thema des heiklen Streits vor mehreren Monaten«, wie er es nannte, ein. »Dass es um das Jüdische Museum Diskussionen gibt, Streit gibt, dass die Freunde des Hauses manchmal auch zornige Freunde sind, das ist eben so mit der Freundschaft. Und wir alle wissen, in der Kultur gibt es nichts Schlimmeres als Lauheit«, betonte Stölzl.

unterstützung Das Jüdische Museum Berlin sei »kein Tendenzbetrieb«, sondern »ein ganz normales deutsches Museum mit einem überhaupt nicht normalen Thema«. Die große Herausforderung könne aber mit Unterstützung von Freunden gelingen, »und der Abend sagt mir vor meinen Augen, dass das wunderbar funktioniert«.

Die Balance »zwischen der Autonomie, die in Deutschland Kulturbetriebe haben« und dem öffentlichen Echo könne gelingen, »nicht, indem man einknickt«, sondern indem man das Gespräch suche, unterstrich Stölzl.

Das Museum sei kein Archiv, sondern »mitten im Leben, und es handelt von einer Kultur und ihrer Begegnung mit anderen Kulturen, die leidenschaftlich ist seit 5000 Jahren«. Das große Geschenk des Judentums an die Welt sei die Leidenschaft in der Suche nach Gott und nach dem richtigen Weg: »Das ist eben oft auch unbequem, und leider verstreitet man sich auch.« Doch aus jedem Konflikt erwachse Frieden, »und es geht weiter«.

dank Martin Michaelis bedankte sich bei Peter Schäfer, der das Kindermuseum »mit immenser Expertise und großem Enthusiasmus angetrieben hat und unermüdlich Fördergelder eingeworben hat«. Ebenso dankte er Léontine Meijer-van Mensch, die das Kindermuseum in ihrer Zeit als Programmdirektorin maßgeblich geprägt habe, und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) für die großzügige Förderung des Projekts.

Zu den Gästen des Abends gehörten unter anderem die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Petra Pau, der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, Daniel Botmann, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli, der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg, sowie mehrere Rabbiner und Vertreter jüdischer Organisationen in Berlin.

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