Museum Ludwig Köln

Kommission empfiehlt Rückgabe von Schiele-Aquarell

Das Gemälde ist seit 1976 im Besitz des Museums Ludwig. Foto: imago images/Andreas Gora

Ein weiblicher Akt des Malers Egon Schiele (1890-1918) muss womöglich das Kölner Museum Ludwig verlassen. Die Beratende Kommission, die sich mit der Rückgabe von Kulturgütern aus einstmals jüdischem Besitz befasst, empfiehlt der Stadt Köln die Rückgabe des Aquarells an die Erben des österreichischen Kunstsammlers Heinrich Rieger.

Stadt Der Beschluss zum Umgang mit dem Aquarell »Kauernder weiblicher Akt« aus dem Jahr 1917 sei einstimmig gefällt worden, teilte die Kommission unter dem Vorsitz von Hans-Jürgen Papier am Montag in Berlin mit. Der Stadt Köln wurde eine dreimonatige Frist eingeräumt, um weitere, erst kürzlich bekanntgewordene Archivhinweise, mit bewerten zu können.

Die Stadt Köln als Trägerin des Museum Ludwigs betonte am Montag, dass sie der Entscheidung der Kommission folgen wolle. Zwar habe trotz umfangreicher Forschungen vonseiten der Stadt und der Antragsteller nicht abschließend ermittelt werden können, zu welchem Zeitpunkt und unter welchen Umständen Heinrich Rieger das fragliche Werk verloren oder abgegeben habe.

Erörterung Doch seien Stadt und Museum dankbar für die ausführliche Anhörung beider Parteien und für die Erörterung des Falles durch die Beratende Kommission, erklärten am Montag die Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach und Museumsdirektor Yilmaz Dziewior.

Der Wiener Zahnarzt und Kunstsammler Heinrich Rieger, der 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert worden war und dort starb, hatte nach Angaben der Kommission über Jahrzehnte eine bedeutende Sammlung zeitgenössischer Kunst aufgebaut. Den »Kauernden weiblichen Akt« hatte er vermutlich vom Künstler und Patienten Schiele selbst erhalten.

NOTVERKÄUFE Nach dem »Anschluss« Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 waren Rieger und seine Familie wegen seiner jüdischen Abstammung schwerster Verfolgung ausgesetzt, wie die Kommission erklärte. Riegers Kunstsammlung ging durch Notverkäufe und »Arisierungen«, also durch gezielte Aufkäufe vonseiten »arischer« Kunsthandlungen und Händler, praktisch vollständig verloren. Dziewior dankte der Erbengemeinschaft für ihre Geduld, die seit 2016 die Rückgabe des Werks beansprucht.

Mit der nun empfohlenen Rückgabe des Werks an die Familie sei nun eine gerechte und faire Lösung absehbar. Mit Zuversicht werde nun auch die Entscheidung des Rates der Stadt Köln am 23. März erwartet. Laugwitz-Aulbach erklärte: »Am heutigen Tage hoffe ich jedoch, dass wir uns mit der Empfehlung zur Rückgabe einer Gerechtigkeit annähern, soweit dies eben möglich ist.«

GESAMTBEWERTUNG Das Bild war 1965 in den Besitz von Walter Geyerhahn gelangt, der es über den Wiener Kunsthändler Christian M. Nebehay an die Schweizer Kunsthändlerin Marianne Feilchenfeldt verkaufte. Feilchenfeldt verkaufte es 1966 für 18.000 DM an die Freunde des Wallraf-Richartz-Museums in Köln mit den Provenienzangaben »Sammlung: Dr. H. Rieger, Wien« und »W. Geyerhahn«.

Die Gelder brachte die Stadt Köln auf. Seit 1976 wird das Aquarell vom Museum Ludwig Köln verwaltet. Die Berliner Kommission begründet ihre Empfehlung zur Rückgabe des Aquarells an die Erbengemeinschaft damit, dass aus ihrer Gesamtbewertung das Werk nicht aus freien Stücken verkauft wurde, sondern es sich typischerweise um einen NS-verfolgungsbedingten Verlust handelt. epd

Wien

Israel zieht ins Finale des ESC ein

Noam Bettan überzeugt mit seinem Lied »Michelle« Jury und Publikum

von Martin Krauß  12.05.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Warum ich die schlechte Antwerpener Luft so manchem Insekt vorziehe

von Margalit Edelstein  12.05.2026

Ausstellung

Zerstörung bauen

Das Jüdische Museum Berlin würdigt das Werk von Daniel Libeskind und feiert den 80. Geburtstag des Architekten

von Thomas Sparr  12.05.2026

Eurovision Song Contest

Irlands ESC-Boykott gegen Israel: Autor von Kultserie macht TV-Sender schwere Vorwürfe

Irlands Sender RTÉ boykottiert den diesjährigen ESC, weil Israel daran teilnimmt. Jetzt kommt Gegenwind: Drehbuchautor Graham Linehan will nicht, dass zeitgleich eine Episode der von ihm mitgeschaffenen Sitcom »Father Ted« ausgestrahlt wird

 12.05.2026

Serie

Filmemacher: Tagebuch von Etty Hillesum als Pflichtlektüre an Schulen

Die jüdische Autorin Etty Hillesum wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Eine Serie über den Holocaust ist »Etty« jedoch nicht: Es geht vielmehr um ihr Leben und ihre Ideen - die heute höchst aktuell erscheinen

von Paula Konersmann  12.05.2026

Eurovision

Weimer fährt für Israels ESC-Auftritt nach Wien

»Es ist kein Ort, wo politische Dinge in dieser Dimension eine Rolle spielen sollten«, sagt der Kulturstaatsminister

 12.05.2026

Filmfestivals

Regisseurin: Filmfeste müssen politische Debatten aushalten

Wird es in Cannes ähnlich politisch wie bei der Berlinale?

 12.05.2026

Fernsehen

»Etty«: Eine junge Frau umarmt das Leben und trotzt der Vernichtung

Amsterdam 1941: Die jüdische Intellektuelle Etty Hillesum besiegt ihre Ängste und erlebt eine große Liebe. Sie führt Tagebuch, das viele weltweit berührt. Nun ist es verfilmt worden

von Annette Birschel  12.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  12.05.2026