Meinung

Kollegah und der Echo

»Mache Asche wie’n KZ-Ofen«: Kollegah Foto: imago

Das Gute zuerst: Der Battle‐Rapper Kollegah steht für professionell produzierten Hip‐Hop, seine Reimtechnik ist überragend und die Punchlines sind zuweilen nicht unoriginell. Doch Kollegah steht gleichzeitig auch für Rap, der menschenverachtender und judenfeindlicher nicht sein könnte.

Was bedient die ohnehin schon in der Szene verbreiteten antisemitischen Stimmungen mehr als das Video zu seinem Lied »Apokalypse«? Darin sehnt Kollegah, der mit 15 zum Islam konvertierte, eine postapokalyptische Welt ohne Juden herbei. Was ist antisemitisch, wenn nicht Sätze wie »Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen« oder »Mache Asche wie’n KZ‐Ofen«?

OBSESSION Trotz Zeilen wie diesen wurde Kollegah zusammen mit seinem Co‐Rapper Farid Bang für sein Album Jung, brutal, gut aussehend 3 für den Echo nominiert, der am 12. April vergeben wird. Daraufhin gab es zu Recht wütende Proteste von Schoa‐Überlebenden und jüdischen Verbänden, weshalb der Ethikbeirat des Musikpreises über einen Ausschluss der Künstler beriet.

Am Freitag nun hat der Ethikbeirat entschieden, dass Kollegah und Farid Bang nominiert bleiben. Auch am Auftritt der Rapper bei der live im Fernsehen übertragenen Verleihung wird festgehalten. Dass es auch anders geht, hat der Echo in der Vergangenheit bewiesen: 2013 luden die Organisatoren nach Protesten die umstrittene Deutschrockband Frei.Wild wieder aus.

Bei Kollegah und Farid Band indes beruft sich der Echo‐Ethikbeirat auf die Kunstfreiheit. Kollegah teilt diese Argumentation. Doch auch im Battle‐Rap gibt es – trotz aller Provokationen und Beleidigungen als Stilmittel – Grenzen. Und Judenhass überschreitet diese bei Weitem. Kollegah macht es sich zu einfach, sich hinter dem Motto »Die Kunst darf alles!« zu verstecken, zumal er sich an Juden und Israel geradezu obsessiv abarbeitet.

beleidigung Seit Jahren werden jüdische Schüler in Deutschland von zumeist muslimischen Migranten angefeindet. Insbesondere von ihnen wird Kollegah verehrt, für sie ist er ein Held. In der ersten Woche wurde sein Album auf Spotify 30 Millionen Mal gestreamt. Gleichzeitig diskutiert ganz Deutschland darüber, warum auf Schulhöfen »Jude« wieder eine Beleidigung ist.

»Woher kommt der Judenhass an den Schulen?«, fragte der »Tagesspiegel« jüngst. Die Antwort ist: Der Hass wird auch von Rappern wie Kollegah geschürt und salonfähig gemacht. Selbiges gilt seit Freitag auch für den sogenannten Echo‐Ethikbeirat. Beides ist ein Armutszeugnis.

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