Restitution

Keine Rückgabe des Welfenschatzes empfohlen

Teil des Welfenschatzes: ein Sirenen-Aquamanile (um 1230) und ein Löwen-Aquamanile Foto: dpa

Die Limbach-Kommission hat im Fall des sogenannten Welfenschatzes eine Empfehlung ausgesprochen. Nach Prüfung der umfangreichen Unterlagen und Anhörung der Rechtsvertreter der Parteien sei man der Auffassung, dass es sich bei dem Verkauf nicht um einen verfolgungsbedingten Zwangsverkauf gehandelt hat.

Die Kommission könne daher »eine Rückgabe des Welfenschatzes an die Erben der vier Kunsthändler und etwaige weitere frühere Miteigentümer nicht empfehlen«, heißt es in einer am Donnerstag durch die Magedeburger Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste von Bund und Ländern verbreiteten Erklärung.

Die Empfehlung der Limbach-Kommission ist rechtlich nicht verbindlich. Das Gremium unter Vorsitz der ehemaligen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichtes, Jutta Limbach, befasst sich mit strittigen Rückübereignungsfällen aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Reaktion Die Kommission habe eine Empfehlung in einem hoch komplexen und sehr außergewöhnlichen Fall ausgesprochen, erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in Berlin. Das Gremium habe in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass es sich stets für die berechtigten Interessen der Verfolgten des Naziregimes und deren Erben einsetze. »Ich hoffe, dass die Empfehlung auch von Seiten der jüdischen Erben angenommen wird«, sagte Grütters.

Markus Stötzel und Mel Urbach, die Anwälte der Anspruchsteller, erklärten: »Die Entscheidung der Limbach Kommission macht betroffen und ist für uns und unsere Mandanten, wie auch für diejenigen im In- und Ausland, welche die Details der Geschichte des Welfenschatz kennen, nicht nachvollziehbar.«

Stiftungs-Präsident Hermann Parzinger begrüßte die Empfehlung und betonte, die Stiftung habe in jahrelanger intensiver Provenienzforschung zum Welfenschatz die Ankaufsumstände genauestens geprüft. »Dem Ergebnis dieser Prüfung ist die Beratende Kommission gefolgt. Sie sieht die Voraussetzungen für eine Rückgabe gemäß den Washingtoner Prinzipien in diesem Fall nicht gegeben«, sagte Parzinger. Bedeutsam sei auch, dass die Empfehlung der Kommission etwaige weitere frühere Miteigentümer einschließe.

Preussen-Stiftung
Der mittelalterliche Kirchenschatz befindet sich im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und wird heute auf einen Wert von knapp 400 Millionen Euro auf dem Kunstmarkt geschätzt. Eine jüdische Erbengemeinschaft fordert die Rückgabe. Der Verkauf von Teilen der Sammlung durch ein jüdisches Händlerkonsortium im Jahr 1935 an den preußischen Staat war nach Auffassung der Erben nicht freiwillig erfolgt.

Die Preußen-Stiftung steht auf dem Standpunkt, dass der Verkauf des Welfenschatzes nicht unter Zwang stattfand, auch wenn es sich bei den Verkäufern um Juden handelte. Das Händler-Konsortium hatte 1929, kurz vor dem weltweiten Börsenkrach, die 82 Einzelexponate für 7,5 Millionen Reichsmark vom Welfenhaus erworben.

Objekte 40 Stücke konnten schließlich an verschiedene Museen und Privatleute vor allem in den USA veräußert werden. 1935 kaufte der preußische Staat, Träger der Berliner Museen, die verbliebenen 42 Teile des Schatzes für 4,25 Millionen Reichsmark. Zwei weitere Objekte wurden wenig später hinzugekauft.

Zu dem Schatz gehören kostbare Goldschmiedearbeiten aus dem Mittelalter. Es handelte sich einst um den Kirchenschatz der Stiftskirche St. Blasius im niedersächsischen Braunschweig. Seit dem 17. Jahrhundert war die Sammlung im Besitz des Welfenhauses. ja/epd

Zeitreise

Historische Frankfurter Judengasse wird virtuell erlebbar

In den Alltag von Jüdinnen und Juden im Jahr 1864 in Frankfurt am Main eintauchen, sich als Passant in der historischen Judengasse bewegen und mit Bewohnern sprechen: Das Jüdische Museum Frankfurt hat eine internetbasierte Zeitmaschine entwickelt

von Jens Bayer-Grimm  29.05.2026

TV-Tipp

Kultfilm »Harry und Sally« - immer wieder was fürs Herz

Die Komödie des vor Kurzem ermordeten Regisseurs Rob Reiner avancierte zum Kultfilm

von Jan Lehr  29.05.2026

Konzerte

Doja Cat kommt mit »Ma Vie World Tour« nach Hamburg und Berlin

Ihren Durchbruch feiert sie über SoundCloud, bevor sie mit dem viralen Hit »Mooo!« erstmals weltweite Aufmerksamkeit bekommt

 29.05.2026

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  29.05.2026

Meinung

Kein Boykott – nur Abscheu

Die irische Schriftstellerin Sally Rooney möchte ihren neuesten Roman doch auf Hebräisch übersetzen lassen. Zuvor sortiert sie aber Israelis aus - und das Mitgefühl gleich mit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Warnung

Steven Spielberg will keine KI nutzen

Der Filmemacher sieht einen Platz für KI in der Medizin und in der Forschung.

 28.05.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Imanuel Marcus  28.05.2026

London

Helen Mirren als »böse zionistische Schlampe« beschimpft

Ein Mann ging die 80-jährige Schauspielerin und ihren Gatten Taylor Hackford auf offener Straße an

 28.05.2026

Musik

Drake hat mehr Hits als Michael Jackson

In den Top 10 Single-Charts entfallen neun der zehn Plätze auf den jüdischen Rapper. Sein neuer Song »Janice STFU« sprang soeben direkt auf Platz 1 der Billboard Hot 100

 28.05.2026