BDS

»Keine Plattform für antisemitische Aktionen«

Bekommt für die restliche Zeit ihrer Intendanz einen Stellvertreter zur Seite gestellt: Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp Foto: dpa

Die Ruhrtriennale zieht personelle Konsequenzen aus dem Streit über den Umgang mit Künstlern, die der umstrittenen israelfeindlichen BDS-Bewegung nahestehen. Intendantin Stefanie Carp, die die schottische Band »Young Fathers« zunächst für das diesjährige Programm im August und September ein-, dann wieder aus- und schließlich wieder eingeladen hatte, bekommt für die restliche Zeit ihrer Intendanz bis einschließlich 2020 einen Stellvertreter zur Seite gestellt, wie der Aufsichtsrat der Kultur Ruhr GmbH am Montag in Bochum mitteilte.

Nach einer außerordentlichen Sitzung erklärte die Vorsitzende, NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos), dass diese Aufgabe der künstlerische Betriebsdirektor Jürgen Reitzler übernehmen wird. Sie sei überzeugt, dass Carp »die Bedeutung des Themas nunmehr stärker im Blick hat und antisemitische Aktionen und Gruppierungen im Rahmen der Ruhrtriennale keine Plattform finden werden«, so Pfeiffer-Poensgen.

Verstärkung Die personelle Verstärkung solle die Abläufe im künstlerischen Betrieb verbessern und eine bessere Vorbereitung auf die beiden kommenden Spielzeiten gewährleisten, hieß es. Die Entscheidung sei das Ergebnis einer intensiven, verabredungsgemäßen Bewertung der ersten von drei Spielzeiten unter der Intendanz von Stefanie Carp.

Mit Reitzler habe die Ruhrtriennale eine erfahrene Spitzenkraft gewonnen. Er war seit 2009 am Staatsschauspiel Dresden und für die vergangene Spielzeit am Berliner Ensemble bereits als Künstlerischer Betriebsdirektor tätig.

Bezogen auf den künftigen Umgang mit der BDS-Bewegung verwies der Aufsichtsrat auch auf eine fraktionsübergreifende Beschlussfassung des nordrhein-westfälischen Landtags vom 11. September. Es werde von der Geschäftsführung erwartet, dass sie diesen Beschluss beachte, in dem die BDS-Kampagne als antisemitisch und antiisraelisch kritisiert wird. Intendantin Carp habe dies zugesichert, hieß es.

Kampagne Carp hatte im Sommer ihre Entscheidung verteidigt, die Band »Young Fathers« letztendlich erneut zur Ruhrtriennale einzuladen. Die Band hatte jedoch die Wiedereinladung abgelehnt. Der Vorgang hatte eine breite Kontroverse um die Ziele der BDS-Kampagne und die Frage der künstlerischen Freiheit ausgelöst.

Ministerin Pfeiffer-Poensgen hatte bereits im Sommer erklärt, die BDS-Bewegung stelle das Existenzrecht Israels infrage. Sie hatte einen Auftritt der Band in Zeiten antisemitischer Straftaten als falsches Signal bezeichnet. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte seinen Besuch von Ruhrtriennale-Veranstaltungen und die Teilnahme eines gemeinsamen Empfangs mit Intendantin Carp ab.

Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte die BDS-Bewegung in ihren Handlungen und Zielen als antisemitisch bezeichnet. Die Aktivisten versuchten, Israel zu isolieren und als angeblichen Apartheidstaat zu diffamieren. Jüdische Verbände wie die Landesverbände der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein, von Westfalen-Lippe, der Progressiven Jüdischen Gemeinden von Nordrhein-Westfalen und die Synagogen-Gemeinde Köln kritisierten ebenfalls die Einladung der Band.

Die diesjährige Ruhrtriennale unter dem Titel »Zwischenzeit« stand im Zeichen von Migration und Vertreibung. Vom 9. August bis 23. September bespielten mehr als 920 Künstler aus rund 30 Ländern Industrieplätze der Metropole Ruhr. epd

Aufgegabelt

Fruchtige Babka

Rezepte und Leckeres

 25.01.2026

Fernsehen

»Gil - das G steht für gelogen«

Zweiter Tag, und schon prägt eine merkwürdige Lust am Verhör das diesjährige Dschungelcamp

von Martin Krauß  24.01.2026

Fernsehen

Dieser Israeli begleitet Gil Ofarim ins »Dschungelcamp« nach Australien

Ofarims Ehefrau Patricia fliegt nicht mit, da sie sich lieber im Hintergrund hält. Wer ist es dann?

 24.01.2026 Aktualisiert

Fernsehen

Gil Ofarim im Dschungelcamp: Sonja Zietlow spricht Klartext

Die Moderatorin der Sendung spricht vor der ersten Folge erstaunlich offen über die viel diskutierte Teilnahme des Sängers

von Martin Krauß  24.01.2026 Aktualisiert

Hollywood

Diese Juden sind 2026 für die Oscars nominiert

Die 98. Vergabe der begehrten Academy Awards findet am 15. März statt. Auch dieses Jahr gibt es viele jüdische Aspekte rund um den Filmpreis

von Imanuel Marcus  24.01.2026

TV

Gil Ofarim: »Ich kann die Kritik nachvollziehen - vor allem, wenn ich auch nur das wüsste, was die Öffentlichkeit weiß«

Einzug ins Dschungelcamp - »Heikle Themen« gleich zu Beginn

von Inga Jahn  24.01.2026

Heidelberg

»Bitte zieht euch nicht zurück!«

Nach ihrer Hochschulrede stellte sich Bundesbildungsministerin Karin Prien Fragen aus der jüdischen Gemeinschaft und den Universitäten

von Ayala Goldmann  23.01.2026

"Imanuels Interpreten" (17)

Carole King: Die lebende Legende

Von einem schüchternen Mädchen mit absolutem Gehör entwickelt sich die jüdische Künstlerin zu einer der einflussreichsten Songschreiberinnen und Sängerinnen

von Imanuel Marcus  23.01.2026

Jerusalem

Dem Vergessen entrissen

In der neuen Yad-Vashem-Ausstellung »Living Memory« werden ausgewählte Gegenstände aus dem Archiv der Schoa-Gedenkstätte gezeigt. Das Schicksal ihrer ehemaligen Besitzer wird dadurch greifbar

von Joshua Schultheis  23.01.2026