Debatte

Judenhass-Skandale: Literaturarchiv-Chefin sieht documenta massiv entwertet

Das antisemitische Wandgemälde des Künstlerkollektivs Taring Padi Foto: picture alliance/dpa

Die Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach (DLA), Sandra Richter, sieht die documenta entwertet und an den »Rand des künstlerischen Interesses« gebracht. Die aus Kassel stammende Literaturwissenschaftlerin kritisierte am Mittwoch die Absage einer Diskussionsreihe über Kunstfreiheit zu Beginn der Kunstausstellung. Das sei gegen das Prinzip der documenta gegangen, auf Verständigung mit dem Publikum zu setzen.

Im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bezeichnete Richter das Ausstellen eines antisemitischen Plakats im Kasseler Zentrum als »nicht nachvollziehbare Geste«. Mit dem Abhängen sei es nicht getan. Weitere Diskussionen seien notwendig, kämen aber offenbar nicht in Gang. Sogar das Gegenteil sei der Fall: Der Vermittler Meron Mendel und die Künstlerin Hito Steyerl zögen sich zurück, so die DLA-Direktorin. Ein Verzicht auf Debatten sei aber der documenta »unwürdig«.

Richter kritisierte, die Verantwortlichen hätten bereits vor der Eröffnung der Ausstellung die Werke des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi - die Urheber des umstrittenen Kunstwerks - genauer prüfen sollen. »Hier wurde eine Chance verspielt, in einen Dialog mit außereuropäischen Künstlern zu treten«, sagte die DLA-Chefin.

Zugleich distanzierte sich Richter von der antisemitischen Israel-Boykott-Bewegung BDS, der Teile des die Ausstellung kuratierenden Künstlerkollektivs Ruangrupa nahestehen. »Die Positionen des BDS sind problematisch«, so Richter.

Das DLA sei ein Haus der Literatur des Exils mit intensiven Kontakten zu Israel und den dortigen Archiven und Bibliotheken. »Es ist das erste Mal, dass ich die documenta nicht besuche«, sagte die Direktorin.

Bei der documenta 15 war nach heftiger Kritik das auf dem Friedrichsplatz in Kassel gezeigte Werk »People’s Justice« zunächst verdeckt und dann ganz abgebaut worden. Das acht mal zwölf Meter große Banner zeigte unter anderem einen mit Davidstern dargestellten Soldaten mit Schweinsgesicht, der einen Helm mit der Aufschrift »Mossad« trägt, dem Namen des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Jüdische Künstler aus Israel wurden erst gar nicht eingeladen. Die jetzige Ausgabe der alle fünf Jahre stattfindenden Weltkunstausstellung dauert bis 25. September. kna/ja

Aufgegabelt

Korkenzieher-Gurken mit Gochujang-Dressing

Rezepte und Leckeres

 14.02.2026

Berlinale

Nachdenken über Siri Hustvedt

Die Regisseurin Sabine Lidl hat eine sehenswerte Dokumentation über die amerikanische Schriftstellerin gedreht – ein Filmtipp

von Katrin Richter  14.02.2026

Berlinale

Arundhati Roy sagt Teilnahme ab

Als Begründung nannte sie die aus ihrer Sicht »unerhörten Aussagen« von Mitgliedern der Jury zum Gaza-Krieg

 14.02.2026

NS-Raubkunst

Wolfram Weimer kündigt Restitutionsgesetz an

»Eine Frage der Moral«: Der Kulturstaatsminister stimmt einem unter anderem vom Zentralrat der Juden geforderten Gesetz zu

 14.02.2026

Berlinale

Eine respektvolle Berlinale scheint möglich

Die 76. Berlinale hat mit Glamour, großen Gefühlen und einem wunderbaren Eröffnungsfilm begonnen. Respekt wurde großgeschrieben am ersten Tag. Nur auf der Pressekonferenz der Jury versuchte der Journalist Tilo Jung vergeblich zu polarisieren

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Potsdam

Barberini-Museum zeigt deutsche Impressionisten

Drei große Sonderausstellungen präsentiert das Potsdamer Barberini-Museum pro Jahr. 2026 werden zum Auftakt Werke von Max Liebermann und weiteren Künstlern des Impressionismus in Deutschland gezeigt

 13.02.2026

Analyse

Historiker: Dirigent von Karajan kein Hitler-Sympathisant

Opportunist oder Gesinnungsnazi? Das historische Bild des Dirigenten Herbert von Karajan leidet seit Längerem unter seiner NSDAP-Mitgliedschaft. Der Historiker Michael Wolffsohn will ihn nun von mehreren Vorwürfen freisprechen

von Johannes Peter Senk  13.02.2026

Berlinale-Film

Special Screening: David Cunio in Berlin erwartet

Das Kino Babylon zeigt vier Monate nach der Freilassung der israelischen Hamas-Geisel eine neue Fassung des Films »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  12.02.2026

Meinung

Schuld und Sühne?

Martin Krauß irritiert der Umgang mancher Medien mit dem »Dschungelcamp«-König Gil Ofarim

von Martin Krauß  12.02.2026