Stuttgart/Berlin

»Jiddisch anerkennen«

Foto: Tino Schmidt

Der Beauftragte der baden-württembergischen Landesregierung gegen Antisemitismus, Michael Blume, hat sich dafür ausgesprochen, Jiddisch als Minderheitensprache anzuerkennen.

Es wäre ein schönes Zeichen, wenn der neu gewählte Bundestag mit einem Beschluss das Jiddische ähnlich wie beispielsweise Sorbisch als Minderheitensprache anerkenne, sagte er in einem Grußwort zum Auftakt der Jüdischen Kulturwochen in Stuttgart am Montagabend.

ANREGUNGEN Ähnliche Anregungen gab es bereits bei der Tagung »Wie deutsch ist Jiddisch?« des Tikvah-Instituts und der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, die von Volker Beck moderiert wurde. Gösta Nissen, Leiter des Minderheitensekretariats der vier autochthonen nationalen Minderheiten und Volksgruppen Deutschlands, sagte bei der Abschlussdiskussion am Montagmittag, die Voraussetzungen für eine Anerkennung des Jiddischen als Minderheitensprache könnten seiner Ansicht nach erfüllt sein.

»Das ist einmal der Minderheitenstatus der Sprecher, das ist (...) die Staatsangehörigkeit der Sprecher.« Zudem müsse die Sprache herkömmlich gesprochen werden. Auch eine ausreichende Zahl der Sprecher spiele eine Rolle, sagte Gösta weiter: »Ich kann mir vorstellen, dass juristisch nichts dagegen spricht.« Dies sei allerdings seine Privatmeinung, unterstrich er.

ANTISEMITISMUS Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, sagte am Montagmorgen in seinem Grußwort bei der Tagung in Berlin: »Respekt und Wertschätzung sollte auch unseren Umgang mit dem Jiddischen als Gegenwartsphänomen prägen. Wir zollen ihm Respekt, indem wir es als eigenständige, reiche und lebendige Sprache anerkennen, die nicht nur die Vergangenheit geprägt hat, sondern auch unsere Gegenwart bereichert.«

Der Wunsch, das Jiddische zu fördern, sei verknüpft mit einem politischen Kernziel, dem gemeinsamen Kampf gegen den Antisemitismus, so Klein. Er sei verbunden »mit dem Kampf für eine tolerante freiheitliche-demokratische Gesellschaft, in der gesellschaftliche Minderheiten und ihre Sprachen einen festen Platz in unserer Mitte haben, statt ausgegrenzt oder ignoriert zu werden«.

Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Blume sagte in Stuttgart, noch heute behaupte die Bundesrepublik Deutschland, Jiddisch sei keine deutsche Sprache und das aschkenasische Judentum sei kein Teil des deutschen Volkes. Dies habe rechtliche Folgen: So seien jüdische Zugewanderte aus der früheren Sowjetunion im Staatsbürgerschaft- und Rentenrecht schlechtergestellt als Spätaussiedler aus den gleichen Regionen, die als »deutsch« anerkannt werden, kritisierte Blume.

Bislang schützt Deutschland nur Dänisch Sorbisch, Friesisch, Romanes und Niederdeutsch auf Grundlage der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. In der Schweiz ist Jiddisch bereits als »nichtterritorial gebundene Sprache« anerkannt. ag/epd

Hollywood

Zwei große Favoriten für die Oscars - und jede Menge Außenseiter

Zwei Filme, die originell zwischen allen Genres hin- und herspringen, führen das Oscar-Rennen an - und das mit einer neuen Rekordzahl von Nominierungen. Doch in der Nacht zum Montag könnte es auch Überraschungen geben

von Marius Nobach  12.03.2026

Berlin

Wirbel um Weimer: Regierung weist Rücktrittsforderung zurück

Erst gab es Debatten über Antisemitismus auf der Berlinale, jetzt über den Buchhandlungspreis: Die Bundesregierung stellt sich hinter ihren Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

von Julia Kilian, Verena Schmitt-Roschmann, Sabrina Szameitat, Silke Sullivan  12.03.2026

Aufgegabelt

Kräuter-Hühnersuppe mit Hawaij

Rezepte und Leckeres

von Katrin Richter  12.03.2026

Der Rest der Welt

Der Rest der Welt

Eine Überdosis an Chatgruppen oder Was das Jüdische daran ist

von Nicole Dreyfus  12.03.2026

Tischtennis

Wer waren Marty Reisman und Alojzy Ehrlich?

Der Oscar-nominierte Film »Marty Supreme« knüpft an wahre Biografien an

von Martin Krauss  12.03.2026

Hollywood

Curtis zu Chalamets Opernspruch: Vermächtnis beschädigt

Oper und Ballett interessierten niemanden mehr: Mit solchen Äußerungen sorgt der Oscar-nominierte Timothée Chalamet weiter für Wirbel. Nun meldete sich auch Oscarpreisträgerin Jamie Lee Curtis zu Wort

 12.03.2026

Kolumne

Die Schließung des HIAS Wien ist das Ende einer Ära

Aus für einen Leuchtturm: Die Hebrew Immigrant Aid Society war die erste Anlaufstelle für sowjetische Juden, die in den Westen oder nach Israel auswandern wollten

von Eugen El  12.03.2026

Kinderfilm

Mit dem Aufzug ins Jahr 1938

»Das geheime Stockwerk« zeigt die Zeitreise eines Jungen als Detektivgeschichte. Ein gelungener und mehrfach ausgezeichneter Kinderfilm

von Gabriele Hermani  12.03.2026

Solingen

100 Porträts jüdischer Künstlerinnen im Zentrum für verfolgte Künste

Die Ausstellung erzählt von künstlerischen Lebenswegen zwischen Krieg, Verfolgung und Neubeginn, wie das Museum ankündigte

 11.03.2026