Musik

It’s time for Hanukkah

Immer wieder aktuell: Adam Sandler singt seinen »Hanukkah Song« in der Comedy-Show »Saturday Night Live« Foto: imago images/Everett Collection

Wenn uns kurz vor Chanukka zum 40. Mal »Frohe Weihnachten« gewünscht wird, wir dem Trubel im Büro oder in der Fußgängerzone entfliehen und kurz zur Ruhe kommen, dann könnte das der entscheidende Moment sein, nicht nur an »Maoz Zur« zu denken, sondern uns auch mit ein paar neueren Chanukka-Songs auf das Lichterfest einzustimmen. Traditionelle Chanukkalieder zu hören und sie im besten Fall selbst zu singen, ist natürlich immer eine gute Idee. Gleiches gilt aber ebenso für unkonventionelle Versionen und Original-Songs aus dem fernen Nordamerika.

Der Weihnachtsstimmung mit all den Adventskalendern, Adventskränzen, Christ­stollen und Christbäumen können wir nur schwer entkommen. Umso schöner ist es, sich anzuhören, was englischsprachige jüdische Familien hören und singen. Leicht anzufangen und sich dann zu steigern, das ist hier der Plan. Wer auf einer seit Jahrzehnten bekannten Videoclip-Webseite die richtigen Suchanfragen stellt, wird schnell fündig. Aber es sollten schon die schönsten Versionen sein.

RABBI B. Rabbi B. ist ein singender Rabbi mit Klampfe, der mit »I Have a Little Dreidel« eine niedliche Version des Chanukka-Kinderlieds liefert und seine Interpretationen im Stil der frühen Sesamstraße als Videoclips produziert. Es sind Vorstellungen, die man auch mit Kindern angucken kann und sollte. »I have a little Dreidel, I made it out of sand, but when I went to spin it, it crumbled in my hand.« Dieses Lied gibt es in vielen Versionen, eine stammt von dem jüdischen Jazzmusiker Ben Sidran.

Es geht noch etwas exotischer, zumindest aus deutscher Perspektive. Wer »Canciones de Jánuca en español, mi casa es tu casa« eingibt, trifft auf drei Frauen, eine Sängerin, eine Cellistin und eine Gitarristin, die in einer sefardisch anmutenden, schönen Vorstellung drei Chanukkalieder spielen und singen. »I Have a Little Dreidel« ist mit dabei, allerdings heißt das Lied hier »Yo tengo un lindo Dreidel«.

EVERGREEN Weniger traditionell, aber dafür witzig ist der vom jüdischen Hollywood-Star Adam Sandler in der Comedy-Reihe Saturday Night Live aufgenommene »Hanukkah Song«. Der Evergreen zeigt, dass etwas Humor hilfreich sein kann, wenn es darum geht, auch jüngere und nur halbherzig praktizierende Jüdinnen und Juden anzusprechen und Interesse für Traditionen zu wecken. Ausgestrahlt wurde der Song bereits 1994, als Sandler 28 Jahre alt war. Aufgrund der erfrischenden Art, in der Sandler an die Sache heranging, wirkt das Lied aber alles andere als alt.

Adam Sandler wurde 1966 in Brooklyn geboren. Sowohl seine Mutter als auch sein Vater sind Nachkommen russischer Juden. In New Hampshire wuchs Sandler auf. Früh war er Teil der jüdischen Jugendorganisation BBYO. Später studierte er an der Tisch School of the Arts, die zur New York University gehört. In Saturday Night Live mutierte er schnell zum Star. Musikalisch ist sein »Hannukah Song« zugegebenermaßen eher einfach gestrickt. Lediglich ein paar Akkorde bilden das Lied.

NEIL DIAMOND Umso erstaunlicher ist es, dass ein großer jüdischer Popstar den Song interpretierte, nämlich niemand Geringerer als Neil Diamond. Der heute 81-jährige Barde mit Goldkehle veröffentlichte im Lauf seiner Karriere drei vollwertige Weihnachts-Alben, mit allen Extras. »White Christmas« durfte hier ebenso wenig fehlen wie »Jingle Bells«. Aber, siehe da, Adam Sandler’s »Hanukkah Song« verirrte sich auf die CD A Cherry Cherry Christmas. Den Text änderte Neil Diamond leicht ab.

Diamond, der Muster-Schwiegersohn, der in den 60er- und 70er-Jahren mit großen Hits wie »Sweet Caroline«, »Kentucky Woman« und »Beautiful Noise« Rekorde brach und eine riesige Fan-Gemeinde aufbaute, erklärte 2009 dem »Daily Telegraph«, wie es zur Aufnahme des »Hanukkah Song« kam: »Ich habe mich entschlossen, einen Song für mein Volk hinzuzufügen, denn in dieser Jahreszeit habe ich mich stets etwas ausgeschlossen gefühlt.« Er fügte aber hinzu, Weihnachtslieder seien für Angehörige aller Religionen und Kulturen »unheimlich wohlklingend«, was zutrifft, solange sichergestellt ist, dass Neil Diamond sie singt.

BARRY MANILOW In der Rolle des »Weihnachtsjuden« gefällt sich auch Barry Manilow, ein weiterer Star-Sänger mit jüdischen Wurzeln. Wer seine Song-Titel durchstöbert, wird feststellen, dass das Wort »Christmas« oft vorkommt, während »Hanukkah« nicht ein einziges Mal erscheint. Von »In the Swing of Christmas« bis hin zu »Christmas is Just Around the Corner« ist alles dabei.

Nun aber zurück zu den Chanukkaliedern. Eines der schönsten davon nahm Grady Tate vor einiger Zeit auf. Der 2017 im Alter von 85 Jahren verstorbene Soul- und Jazz-Schlagzeuger und -Sänger lieferte mit »Happy Hanukkah, My Friend« einen Song zum Lichterfest, der in der Tat so schön ist, dass er selbst erwachsenen Männern Tränen in die Augen treiben kann.

»The Wanderers«

Auf der Suche nach Freiheit

Das Hamburger Ernst Deutsch Theater bringt ein Stück über die Ehe zweier junger Satmarer auf die Bühne

von Daniel Killy  03.02.2023

Rezension

Vom Hass zum Völkermord

Nach sieben Jahrzehnten erscheint Léon Poliakovs Meisterwerk auch in deutscher Sprache

von Holger Böning  03.02.2023

Sehen!

»Fritz Bauers Erbe«

Ein beeindruckender Dokumentarfilm über die wahrscheinlich letzten NS-Prozesse

von Ralf Balke  02.02.2023

Netflix

Zur richtigen Zeit ein falscher Film

In »You People« liebt ein weißer Jude eine schwarze Muslimin, deren Vater Antisemit ist

von Joshua Schultheis  02.02.2023

Literatur

Die koschere Zimtschnecke

Über den Reiz des Jüdischen im Roman »Blutbuch« von Kim de l’Horizon

von Naomi Lubrich  02.02.2023

»Concerned Citizen«

Gentrifizierer wider Willen

In dem Film zieht ein linksliberales Pärchen in ein raues Viertel von Tel Aviv – und wird mit eigenen Vorurteilen konfrontiert

von Thomas Abeltshauser  02.02.2023

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  02.02.2023

Kulturstaatsministerin

Unklarheit über Neuaufstellung bei Antisemitismus-Prävention

Claudia Roth plant Umstrukturierungen im Kampf gegen Judenhass

 01.02.2023

Mainz

Würdigung des jüdischen Erbes am Rhein

2021 nahm die Unesco die SchUM-Gemeinden als erstes jüdisches Welterbe in Deutschland auf. Zum Festakt gibt es viel Lob - aber auch eindringliche Mahnungen

 01.02.2023