Film

»Irgendwie hängen geblieben«

Herr Bleibtreu, am Donnerstag läuft im Kino »Es war einmal in Deutschland« an, in dem Sie die Hauptrolle spielen. Worum geht es in dem Film?
Die Geschichte basiert auf den biografisch geprägten Romanen »Die Teilacher« und »Machloikes« von Michel Bergmann. Ich spiele David Bermann, einen Frankfurter Juden, der nur knapp die Schoa überlebt hat. Er und seine jüdischen Freunde leben in einem DP-Camp und träumen jetzt, 1946, wie viele andere Juden von der Ausreise nach Amerika. Dafür brauchen sie Geld. Also verkaufen sie den Deutschen Wäsche. Ihr Geschäft floriert. Dann aber holt David Bermann seine Vergangenheit ein. Er wird von den Amerikanern zum Verhör geladen.

Was wird ihm vorgeworfen?
Er soll im Konzentrationslager Sachsenhausen von den Nazis bevorzugt behandelt worden sein. Es steht die Frage im Raum, ob er mit den Deutschen kollaboriert hat. Eine harte, aber sehr attraktive US-Offizierin, eine jüdische Remigrantin, fragt ihn, warum er im KZ einen zweiten Pass hatte, woraus sich viele weitere Fragen ergeben.

Es kommt oft im deutschen Kino vor, dass eine jüdische Geschichte weder glaubwürdig noch handwerklich überzeugend erzählt wird. Dieser Film ist eine große Ausnahme. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Ich bin als Schauspieler eigentlich kein großer Vorbereiter. Aber ich hatte das große Glück, mit dem Regisseur und dem ganzen Team lange proben zu können. Wir haben alle Schlüsselszenen durchgespielt. Ab einem gewissen Punkt entsteht dann die Figur von alleine. Ganz wichtig war für mich die Sprache.

Im Film wird viel Jiddisch gesprochen.
Ja, aber nur von den Schauspielern, die es wie Mark Ivanir wirklich können. Auch meine Figur sollte laut Drehbuch Jiddisch sprechen. Wir haben uns dann aber dagegen entschieden, was auch ein bisschen schade ist, weil es eine tolle Sprache ist. Allein schon die Wörter Schmock oder Tuches! Aber ich hätte die Sprache nicht glaubhaft rüberbringen können. Hätte ich es doch getan, wäre der Film nicht so glaubhaft geworden.

Im Abspann des Films heißt es, dass nach 1945 wenige Tausend Juden in Deutschland geblieben sind – und dass viele später ihren Kindern nicht erklären konnten, weshalb sie blieben. Haben Sie beim Spielen Ihrer Figur eine Antwort darauf erhalten?
Ich glaube, es gab Überlebende, die ihrer Heimat Deutschland schlicht nicht den Rücken kehren konnten oder wollten, auch wenn die Deutschen ihnen Unfassbares angetan hatten. Die Traumatisierung hat bestimmt auch eine Rolle gespielt: Nach dem Krieg ging für viele Überlebende das Leid ja weiter. Sie hatten erst dann die Möglichkeit, zu trauern und sich mit dem Erlebten zu befassen. Sich da noch um eine Ausreise zu kümmern, war für manche zu viel. Wieder andere haben, wie eben die Teilacher, für die USA gespart – und sind dann irgendwie hängen geblieben in Deutschland.

Mit dem Schauspieler sprach Philipp Peyman Engel.

Programm

Ferienprogramm, Retrospektive und ein Rache-Musical: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. März bis zum 2. April

 25.03.2026

Zahl der Woche

1:28,31 Minuten

Funfacts & Wissenswertes

 24.03.2026

Berlin

Holocaust: Ausstellung über das Mitwissen der Deutschen

Nach den beispiellosen Verbrechen der Nationalsozialisten sagten viele, das habe man nicht gewusst. Wie glaubwürdig war das? Die Topographie des Terrors in Berlin widmet sich der Frage

 24.03.2026

Sachsen

Rund 1000 Veranstaltungen zum »Jahr der jüdischen Kultur«

Unter dem Titel »Tacheles« steht in Sachsen 2026 das jüdische Leben im Mittelpunkt. Zahlreiche Akteure beteiligten sich. Das Programm wächst noch immer

von Katharina Rögner  24.03.2026

Lebende Legende

Barry Manilow kündigt erstes Studioalbum seit fast 15 Jahren an

Stilistisch soll das Werk verschiedene Richtungen verbinden – von klassischen Balladen bis hin zu Elementen aus R&B, Rock und Gospel

 24.03.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« reagiert auf Rüge des Deutschen Presserats

19 Rügen verteilt der Presserat an die deutsche Medienlandschaft. Eine davon geht an die »Jüdische Allgemeine« - wegen angeblicher gravierender Ehrverletzung eines in Gaza getöteten Journalisten

 23.03.2026

Hollywood

»Enigma Variations«: Aaron Taylor-Johnson übernimmt Hauptrolle in neuer Serie

Im Zentrum der Handlung steht eine Figur namens Paul, deren Leben durch verschiedene Beziehungen geprägt wird. Die Geschichte beleuchtet Fragen von Identität, Begehren und Liebe

 23.03.2026

Filmklassiker auf der Bühne

Premiere in Hamburg: »Zurück in die Zukunft« als Musical

In den 1980er-Jahren war der Film ein Riesenerfolg. Als Musical feierte die Komödie am Wochenende in Hamburg Premiere. Bob Gale, der jüdische Co-Autor der Filmtriologie, schrieb das Musical

 23.03.2026

Jubilar

»Mikrofon für die Seele«: Klezmer-Musiker Giora Feidman wird 90

Giora Feidman hat die jüdische Klezmer-Tradition in den Konzertsaal gebracht. In einfachen Liedern findet er große spirituelle Tiefe. Mit seiner Musik will der Klarinettist Menschen verbinden – und pflegt bei seinen Konzerten ein bestimmtes Ritual

von Katharina Rögner  23.03.2026